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ArtikelFight Again:Reggae auf Mauritius |
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Die CD gibt es im Home of Rock zum Hören und Kaufen
Reggae auf Mauritius? Da mag der eine oder andere stutzen. An was denkt man, wenn man Mauritius hört: An Urlaub, Sonne, Palmen, Strand. An teure Hotels und schicke, reiche Menschen, die dort urlauben, und dass man sich das selber niiiiiemals wird leisten können. Der Philatelist denkt natürlich an die kleine blaue Briefmarke, die er sich noch viel weniger leisten kann. Und da wäre dann noch die geographische Einordnung. Mauritius, das ist doch in ...... falsch, NICHT in der Karibik. Mauritius liegt im Indischen Ozean, östlich von Madagaskar, gehört zu Afrika und zur Inselgruppe der Maskarenen. Und auf dieser kleinen Insel gibt es eine lange Reggae-Tradition. Angesichts dieser Strukturen ist es dementsprechend schlecht bestellt um die Akzeptanz der ca. 3000 auf Mauritius lebenden Rastafarians. Und weil der Seggae auch die Musik ist, mit der die Rastafarians ihre Identität ausdrücken wollen, werden die teilweise recht kritischen Texte über ihr Leben auf Mauritius auf Creol gesungen. Creol ist die, stark ans Französisch angelehnte, Sprache, die von den meisten Mauritianern gesprochen wird. Denn obwohl den Mauritianern das Französisch viel näher wäre, ist die offizielle Amtssprache Englisch, das Viele nur von ein paar Schuljahren her mehr oder oft auch weniger beherrschen. Reggae-Konzerte sind bei den Mauritianern (und damit sind nicht nur die Creolen gemeint) sehr beliebt, von Regierungsseite allerdings nicht gerne gesehen. Nicht zuletzt deswegen, weil auf diesen Veranstaltungen immer wieder der Genuß von Marihuana propagiert wird, auf Mauritius streng verboten und bis vor ein paar Jahren noch mit der Todesstrafe belegt.
Und genau das wird dem populärsten und auch international bekannten Vertreter des Seggae, Kaya, zum Verhängnis. Es dauert Tage, bis auf Mauritius wieder ein einigermaßen normales Leben einkehrt. Bereits im Ausland angeforderte militärische Hilfe kommt zum Glück nicht zum Einsatz. Die Reggae- und Seggae-Szene liegt völlig am Boden, ihre bedeutensten Vertreter sind tot. Nahezu die einzigen, die als Band noch bestehen und weiter arbeiten sind Fight Again. Sänger Patrick Lindor, die Gitarristen Daniel Cloridor und Pierre-Louis Cledio, Berty Pirogue am Keybord, Bassist Benjamin Lallsing sowie der Percussionist Levi proben fleißig, um für einen eventuellen Auftritt bereit zu sein.
Zusammen mit Bands aus Réunion, den Seychellen und Martinique nahmen sie im letzten Jahr das Dub-Album Indian Ocean in Dub auf, das den mauritianischen Rastas gewidmet ist. Die Formation arbeitet schon seit den 80er Jahren zusammen und hat in den frühen 90ern beachtliche Erfolge, touren sogar durch England, Schottland, Holland und Frankreich, damals allerdings noch unter dem Namen Natty Rebel und mit dem Sänger Ras Natty Baby, der sich jedoch 1994 von der Band trennt und nach Europa geht.
Weil bei den Mauritianern "ihr" Seggae aber weitaus beliebter ist, nehmen Fight Again 1997 das Seggae-Album Nuvo Refleksyon auf.Und eines ist klar: Das sind allesamt klasse Vollblutmusiker. Denn obwohl die Instrumente für uns wohl teilweise museumsreif wirken und die Aufnahmebedingungen sicher nicht dem letzten Stand der Technik entsprechen, ist der Sound des Albums durchaus ok. Und die Jungs können auch weitaus mehr als Bob Marley Songs nachspielen. (Auch wenn ich die creolische Version von Natural Mystic, die ich bei einer Bandprobe gehört habe, wirklich erstklassig finde). In Nuvo Refleksyon hört man neben dem Reggae natürlich eine gehörige Portion Afrika, aber auch immer wieder Einflüsse von Rock, Pop und Blues. So fröhlich und beschwingt wie die Songs auf uns Winter und Kälte geplagte Mitteleuropäer wirken, sind die Inhalte allerdings nicht. In ihren Texte setzen sich Fight Again mit der problematischen Situation der Creolen und insbesondere der Rastas auseinander, üben politische Kritik, wollen aber auch ermuntern, nicht aufzugeben. Trotzdem muß man sicher kein schlechtes Gewissen haben, wenn man sich beim Anhören der Seggae-Songs auf Nuvo Refleksyon entspannt zurücklehnt und ein bisschen tropische Urlaubsstimmung aufkommt. Heidi Bauer - ID, (Impressum, Artikelliste), Oktober 2001 |
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