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Artikel und BiographienStoryville
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Eigentlich bin ich ja von Fred für den New-Country-Bereich 'verpflichtet' worden, möchte mich hier aber mit einer Band aus einem anderen Genre auseinandersetzen, die mir in nur kürzester Zeit sehr ans Herz gewachsen ist. Schreib-Kollege und E-Mail-Freund Martin Schneider war hier der auslösende Impuls. Ihren Stil würde ich als die perfekte Symbiose aus schwarzer und weißer Rockmusik bezeichnen: Texas-Gitarrenrock (ich hoffe, ich werde jetzt nicht gesteinigt...) gemixt mit Blues, Gospel, Soul, Country und Southernelementen vom Feinsten. Als Beginn der Band-Historie muss das Jahr 1994 gesehen werden, als sich alle Beteiligten bei einer Bluessession im Club Antone's auf der Bühne zusammenfanden. Ich erwarb die CD vor einigen Wochen für unglaubliche 4,95 DM bei JPC. Kommen wir doch zu den Musikern im Einzelnen: Malford Milligan (voc) Wie schon erwähnt der einzige, der nicht langjährige Erfahrung in namhaften Bands aufzuweisen hatte; aber nach kurzem Hören seiner Stimme dürfte jedem klar sein, dass hier einer am Werk ist, der das Zeug haben müsste, ein ganz Großer in diesem Geschäft zu werden. Über seine Kollegen: "Die Band ist mein Dream-Team. Ich bin sehr stolz, sagen zu können, dass wir das Zeug zu was ganz Besonderem haben." David Grissom (g) Spielte für Lucinda Williams und Ann Lou Barton, bis das erste langjährige Engagement für Joe Ely zustande kam. Schweren Herzens wechselte er 1991 für drei Jahre zu John Mellencamp und stieg damit in die Liga der Großen auf. Von da an spielte er fast immer in Riesenhallen, selten unter 15.000 Zuschauern. Laut Grissom war die Band exzellent, Kenny Aranoff einer der besten Drummer, mit denen er je zusammengearbeitet hat. Das Problem lag jedoch in der Person Mellencamp selbst. "Ich zahle, du machst, was ich möchte." Einige Zeit später erfolgte die Erfüllung eines Kindheitstraums in Gestalt eines Kurzeinsatzes als Ersatz für Dickey Betts bei den Allman Brothers bei einigen Konzerten. Grissom beginnt, sich ein Heimstudio einzurichten und einige Songs zu schreiben. Er geht nach Austin, es kommt zum denkwürdigen Treffen im Antone's. David Holt (g) Geboren in Dallas, machte er eine ähnliche Entwicklung wie sein Gitarrenkollege und Namensvetter durch. Beeinflusst durch Bands wie ZZ Top, Led Zeppelin, Jimi Hendrix, Johnny Winter oder den Allman Brothers bekommt er sein erstes größeres Angebot, vermittelt durch Nick Lowe, bei Carlene Carter. "Es war schon sehr amüsant," betont er, "plötzlich völlig unverhofft in der Country-Szene zu landen. Aber dort habe ich viel über Selbstdisziplin und Professionalität vermittelt bekommen." Zwischenzeitlich übernimmt Holt die Gitarrenparts auf dem Debütalbum der Mavericks. Kurze Zeit später geht er nach Austin und schließt sich Joe Ely an, den er Ende 1993 wieder verließ, um eine neue Band zu gründen. Tommy Shannon (b) Herkömmlich aus Dumas, Texas, arbeitete er drei Jahre und drei Alben lang für Johnny Winter, bis er durch Stevie Ray Vaughans Double Trouble angeheuert wird. Spielte und jammte mit Bluesgrößen wie Muddy Waters, B. B. King, Albert Collins, Jeff Beck, Eric Clapton und vielen anderen. Trotz dieser großen Erfahrung betrachtet er Storyville als etwas ganz Spezielles. "Als ich Malford singen hörte, wusste ich, dass ich mit ihm spielen muss, obwohl ich ihn gar nicht kannte. Es war eine Art natürliches Aufeinandertreffen, das an Größe gewinnen sollte. Ich liebe es, mit den Jungs Musik zu machen." Chris Layton (dr) Aus Corpus Christi, Texas, stammend, geht er 1975 nach Austin, um drei Jahre später bei Double Trouble einzusteigen. Zusammen mit Shannon spielt er dort fast zehn Jahre bis zum tragischen Tod von Stevie Ray Vaughan. "Die Säule in meinem Leben war natürlich Stevie," konstatiert er. "Sein Glaube, Werte und Gefühl für Musik waren so stark, wie ein Hund, der einen Knochen im Maul hat. Ähnliches erlebte ich bei Malford. Schon nach einigen Wochen wusste ich, dass ich hier den richtigen Typ am richtigen Ort getroffen habe." Zu erwähnen sei noch, dass Layton und Shannon ein hervorragendes Album mit den Arc Angels eingespielt haben. Die Band spielte nach der bereits erwähnten CD 'Bluest Eyes' (meine Lieblingssongs: Bluest Eyes / Wanted A Miracle / Carry Me Home) von 1993, noch zwei weitere Alben 'A Piece Of Your Soul' (Lieblingssongs: Good Day For The Blues / Don't Make Me Cry / Share That Smile) von 1996 und 'Dog Years' (Lieblingssongs: Don't Make Me Suffer / Talk To Me / Keep A Handle On It) 1998 ein, wobei der Titel der zuletzt erwähnten Scheibe schon nichts Gutes erahnen lässt. Milligan & Co. touren unentwegt und räumen haufenweise Auszeichnungen bei den Austin Music Awards ab. Trotz vieler Vorschusslorbeeren sowie großen Lobes der Beteiligten untereinander und Beschwörungen, so gut wie nie zuvor zusammenzuspielen, trennt sich die Gruppe im Januar 1999. Ja, was sind Musikerworte in der heutigen Zeit noch wert, fragt man sich? Bei meiner Recherche stieß ich auf eine äußerst schlechte Vermarktung der Band, in Verbindung damit auf für die USA relativ geringe Verkaufszahlen ('A Piece Of Your Soul' beispielsweise 80.000 Stück) sowie harten Tourstress, bei mangelnder Akzeptanz durch das Publikum. Als weitere Last entpuppte sich auch das Vermächtnis, das Double Trouble hinterließ. Aber letztendlich können dies natürlich nur die Musiker selbst beantworten. Aus meiner Sicht ist ihre Trennung auf jeden Fall schade. Ein Interviewversuch per Mail mit Malford Milligan scheiterte bisher an einer tollen Automatisch-Beantwortung:" ... Malford kann aufgrund der Flut der Mails nicht persönlich antworten, liest aber jede, blablabla...". Milligan jedenfalls gründete eine neue Band namens Funky London, die sich mehr schwarzer Musik widmet. Daniel Daus, (Impressum, Artikelliste), März 2001 |
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