HoR Logo kl Biographie:

Logo Triumph

Allied Rockers: History 1981-1985

Logo Home-of-Rock
Startseite > Artikel und Biographien > Triumph > Allied Rockers: History 1981-1985

Wenn von TRIUMPH die Rede ist verbindet Otto Normalverbraucher diesen Namen mit Autos, Motorrädern oder Markenwäsche. Aber halt... fehlt da nicht noch etwas? Engen wir den Kreis der Ottos ein wenig ein und begrenzen ihn auf die Anhänger der Hard'n'Heavy-Fraktion. Und nun ... genau! TRIUMPH aus Kanada!

Wer kennt die eigentlich heute noch? Klar, besonders die Älteren unter uns werden sich an einige Alben erinnern, welche der Band unverständlicherweise niemals den Durchbruch in Europa verschafften. In den USA sah das völlig anders aus, und TRIUMPH galten zumindest in ihrer Blütezeit als die kleinen Brüder ihrer Landsleute RUSH. Das kanadische Power-Trio ließ sich quasi als die straightere Variante bezeichnen. Die jüngst neu veröffentlichte DVD "A Night Of Triumph Live" wurde nicht umsonst im Rock Hard zur DVD des Monats erkoren. Zu sehen gibt es einen Auftritt aus dem Jahre 1987, einer Zeit in welcher ihre Alben bereits deutlich schwächer wurden.
Diese Story soll noch einmal einen Blick auf die Jahre 1981-85 werfen, einem Zeitraum welcher die Musikwelt mit zwei absoluten Klassikern bereicherte und an dessen Ende bereits der langsame Niedergang spürbar wurde. Doch bevor davon die Rede sein wird kurz zurück zum Thema Video/DVD. Das Video "Live At The US Festival" (1983) wurde vor einiger Zeit ebenfalls neu herausgebracht und kann nur empfohlen werden. TRIUMPH wirken auf der riesigen Bühne vor einer Wahnsinnsmenge an Zuschauern zwar leicht verloren, ihre Musik jedoch versetzt wahre Berge. Ein Leckerli für alle Anhänger kanadischen Heavy Rocks.

Nachdem TRIUMPH bereits seit Mitte der Siebziger Alben veröffentlichten und sich im nordamerikanischen Raum einen Namen als hervorragender Live-Act gemacht hatten erschien 1981 mit "Allied Forces" ein absolutes Meisterwerk. Ein Album, welches bis heute für Gänsehautatmosphäre sorgt und das es verdient hat als Ganzes gespielt zu werden. Einzelne Songs herauszunehmen würde seine Wirkung schmälern und auch die Tracks an sich ständen in einem anderen Licht.

Allied Forces

Es mag Alben geben, die häufiger in meinem CD-Player landen. Doch immer wenn meinereiner die Tracks besagten Longplayers wieder hört, kommt der vielzitierte "Schauer" ins Spiel. Die einzelnen Titel sind so einzigartig, selbst bei längerem Nachdenken fällt einem kaum ein Vergleich ein. Die Stärke der Band lag sicherlich in ihrem Zusammenspiel, in der Summe der einzelnen Musiker. Nimmt man jeden für sich ist das Resultat nicht unbedingt berauschend. Die Vocals (abwechselnd Gitarrist Rik Emmett oder Drummer Gil Moore), die Bass- und Keyboardarbeit (Mike Levine), die Drums; na ja, es gibt Aufregenderes. Herausragend die Gitarre, welche da schon eher für sich steht. Die Songs an sich machen es, ihre Einzigartigkeit und Verknüpfung machen die Stärke des Albums aus.
"Allied Forces" ist ein Longplayer den man von Anfang bis Ende hören soll, hören muss. Für mal so "nebenbei" ist das Teil absolut ungeeignet. Jeder Song unterscheidet sich von seinem Vorgänger/Nachfolger und bietet oftmals Tempowechsel. Eine kleine Rarität sind heute auch die damals zuweilen verwendeten kurzen instrumentalen Passagen welche zur Überleitung zum nächsten Titel dienten.
Der Sound des Albums klingt heutigen Maßstäben nach zu urteilen vielleicht veraltet. Gerade solche Klänge machen jedoch einen großen Teil des Reizes aus, hier passen Produktion und Mix ausgezeichnet.

"Allied Forces" enthält mit Hot Time (In This City Tonight) einen rock'n'rolligen Banger mit welchem auch seinerzeit der NWOBHM-gewohnte Heavy einen Zugang zum Album fand. Der Titelsong selber geht in eine ähnliche Temporichtung, aber alleine durch sein Intro ist auch dieser Song eben wieder ganz "anders". Nächstes Beispiel Fight The Good Fight. Beginnt verhalten, der Refrain eignet sich bestens zum Mitgrölen, also Banger-kompitabel. Alleine schon die Titelworte - passt absolut zum damaligen Heavy-Klischee (mochten wir's nicht damals gar nicht anders, auch wenn wir heute darüber schmunzeln?).
Der darauf folgende Track Ordinary Man ist anfangs ähnlich gestrickt, mündet jedoch in seinem weiteren Verlauf in ein furioses Gitarrensolo ehe es zum Ende hin wieder in ruhigere Gewässer geht.
Der letzte Albumsong Say Goodbye (passender Titel zum Ausklang) würde auf anderen Alben womöglich kitschig wirken, hier passt er absolut und bildet den Abschluss eines Treffens mit TRIUMPH und "Allied Forces".

Dieser Longplayer ist wie eine Reise, eine Fahrt durch Höhen und Tiefen, über Berge und durch Täler, ein Auf und Ab. Wobei "Tiefen" hier nicht mit Tiefpunkte verwechselt werden sollte, denn die Scheibe strotzt mit dem genauen Gegenteil: Ein Höhepunkt folgt dem Anderen. In den USA platinveredelt (wenn ich nicht irre...) [Billboard LP-Charts Platz 23, die Singles "Magic Power" und "Fight The Good Fight" waren in den Rock-Charts Top 10 bzw. Top 20 - Red.] , in Europa Insiderstatus. Die Scheibe kann man heutzutage gewiss als kultig bezeichnen und sie gehört im Prinzip in jeden gepflegten Hard-, Heavy- oder wie auch immer Rockhaushalt.

Am 1. August 1981 treten TRIUMPH zusammen mit MOTÖRHEAD, Ozzy Osbourne, Riot, Frank Marino und den Newcomern VARDIS im britischen Port Vale beim dortigen "Heavy Metal Holocaust" Festival auf. Große Spuren hinterlässt man in Europa nicht, und so konzentriert man sich nahezu ausschließlich auf den nordamerikanischen Markt. Die dortigen Auftritte bieten neben dem starken Songmaterial ein Spektakel aus Flammenwerfern, Trockeneis en masse und eine riesigen Lightshow.

Never Surrender

Mit "Never Surrender" aus dem Jahre 1983 gelang TRIUMPH ein weiterer Geniestreich. Soundtechnisch kam man etwas voller rüber, songmäßig wurde wie gehabt eine breite Palette angeboten. Das Album wirkt ein wenig epischer als der Vorgänger, die instrumentalen Passagen und Überbrückungen wurden durch zusätzliche Wortcollagen ergänzt.
Wie schon bei "Allied Forces" gilt auch hier die Betrachtung des Albums als Gesamtwerk. Intelligenter Siebziger Jahre Hard Rock wird geschickt in die frühen Achtziger transportiert und setzt sich wohltuend von den meist NWOBHM beeinflussten Acts ab. Bis heute ist ein Track wie When The Lights Go Down ein Musterbeispiel von exzellentem Songwriting. Beginnend mit akustischem Intro, mit heftig groovendem Rhythmus und toller Sologitarre durchstartend, die Voicebox hervorkramend und letztendlich wieder akustisch endend, so schreibt man wahre Klassiker dieses Genres.
Die Songvielfalt macht auch "Never Surrender" zu keinem Moment langweilig oder sich wiederholend. Da wechseln klassisch angehauchte Passagen mit eher melodischen Teilen, jeder Track ist eine Perle für sich. Man stelle mal das fast schon singlemäßige Writing On The Wall dem epischen Battle Cry oder dem Titelsong mit seinem sich langsam aufbauendem Intro Overture (Processional) entgegen. Dann wiederum bietet man mit All The Way (eingeleitet durch das klassisch angehauchte Instrumental A Minor Prelude) einen schönen melancholisch angehauchten Rocker oder lässt das Album instrumental mit Epilogue (Resolution) ausklingen.

"Never Surrender" beschert TRIUMPH die bis dato höchsten Chartnotierungen in den USA [#26 in den Billboard Pop-Charts plus die Singles "All The Way" und "A World Of Fantasy" mit den Plätzen 2 und 3 in den Rock-Charts - Red.]. Ein Zitat zu dieser Zeit aus dem Buch "The International Encyclopedia of Hard Rock & Heavy Metal" (Autoren Tony Jasper und Derek Oliver) zu Zeiten von "Never Surrender": "Their future looks decidedly good, and if they continue to write and record to the standards already set they could be one of the biggest groups in the 1980s". Man ziert die Titelseiten der diversen US-Musikmagazine. Rik Emmett wird hoch gehandelt und ziert das Cover vom "Guitar Player", die Band steht vor einer glänzenden Zukunft.

Der damalige Plattenmarkt steht vor einem Wandel, die NWOBHM flaut allmählich ab, Speed und Thrash machen sich bemerkbar, Acts wie BON JOVI tauchen auf, FOREIGNER haben noch einmal nach dem Megaseller "4" besonders mit der Single I Want To Know What Love Is einen Riesenhit gelandet. TRIUMPH werden zunehmend von ihrem Label dazu gedrängt kommerziellere Songs zu schreiben. Damit beraubt man der Band ihrer Stärke, das neue Material bleibt zwar abwechslungsreich, wird aber erheblich softer und druckloser. Die Tracks erscheinen technisch gesehen hochwertig, doch man klingt merkwürdig orientierungslos. Zudem macht sich jetzt auch deutlich bemerkbar, dass sowohl Rik Emmett als auch Gil Moore über Stimmen verfügen, welche dem neuen Material zumeist nicht mehr gewachsen sind. Besonders Rik Emmett wirkt mit seinem dünnen Stimmchen schlichtweg überfordert.
In den folgenden Jahren liest man hier und da Interviews mit einzelnen Bandmitgliedern in denen schnell deutlich wird, dass zu große Kompromisse gegenüber der Plattenfirma eingegangen wurden. Gitarrist Rik Emmett scheint darunter besonders zu leiden, und intern beginnt es zu kriseln. Die Alben werden ständig glattgebügelter, damit nimmt man der Band ihre eigentliche Stärke, nämlich relativ unkommerzielle Alben trotzdem zigfach unters Volk zu bringen. Die Umsätze lassen sich nicht mehr steigern und beginnen zu sinken.

Thunder Seven

Vor diesem Hintergrund erscheint 1984 der heißersehnte "Never Surrender"-Nachfolger "Thunder Seven".
Der Clip zu Follow Your Heart zeigt die Band wie gewohnt auf einer enormen Bühne und bietet musikalisch einen eingängigen Rocksong mit nettem Refrain. Wer dachte dabei bliebe es und die weiteren Tracks knüpften an die beiden vorigen Alben an sah sich getäuscht. Der Opener Spellbound beginnt verheißungsvoll, doch im weiteren Verlauf werden durchaus akzeptable Passagen von nervigen Keyboards regelrecht zugekleistert. Mit jedem folgenden Song steigt die Enttäuschung und man fragt sich, ob das wirklich noch die gleichen TRIUMPH vom Jahr zuvor sind. Das Album leidet unter dem uninspiriert klingenden und richtungslos erscheinendem neuen Material. Von wegen sieben mal Donner, wie der Titel verheißt ... mit nur einem Donnerschlag ist die Magie der vergangenen Veröffentlichungen verloren.
[trotzdem Platz 35 in den Billboard Charts - Red.]

Stages

Mit dem 1985 veröffentlichten Live-Album "Stages" ernten TRIUMPH durchwachsene Kritiken. Wer einen fulminanten zu Vinyl gebrachten Auftritt erwartet sieht sich getäuscht. "Stages" bietet das was der Name bereits angibt, nämlich mehrere Bühnen sprich Aufnahmen aus diversen Konzerten der vergangenen Jahre ("Recorded in various cities on the 'Allied Forces', 'Never Surrender' and 'Thunder Seven' tours, 1981 to 1985").
Der Longplayer vermittelt bis auf kurze Momente nie so recht eine durchgehend spannende Liveatmosphäre, zwischen den einzelnen Tracks wird ausgeblendet und auch der Sound erscheint merkwürdig in 3 x D (dumpf, dünn, drucklos).
Anstatt die vergangenen Alben ausgiebig zu würdigen werden zwei neue Studioaufnahmen auf die letzte Seite gepackt. Zwar gibt es zwar starke Momente wie Lay It On The Line (von "Just A Game", 1979), doch das erwartete starke Livewerk bleibt aus. Die drei Tracks von "Thunder Seven" klingen hier noch überraschend rockig, doch anstatt man Spellbound in das akustische Instrumental Midsummer's Daydream münden lässt wird ausgeblendet.
Mit Follow Your Heart, welches ausnahmsweise nahtlos an Spellbound anknüpft, zeigen TRIUMPH was man aus einem doch eher unspektakulären Song live machen kann und glänzen hier auch gesanglich im Duett.
Das abschließende Fight The Good Fight stimmt noch einmal versöhnlich, bevor es an die beiden Studioaufnahmen geht. Mind Games könnte auch von FOREIGNER stammen, doch bei Empty Inside ist alles vorbei. Rik Emmett ist hierbei gesanglich völlig überfordert und setzt dem ohnehin erneut richtungslos wirkenden Song die "Krone" auf. Es kommt die Frage auf, warum man hervorragendes Songmaterial wie das krachende I Live For The Weekend ("Progressions Of Power", 1980) oder Hot Time ("Allied Forces", 1981) außen vor lässt und eine Riesenchance verlorenen Boden gut zu machen aus lässt.
"Stages" hat sicherlich seine starken Momente, so mit dem Opener When The Lights Go Down, jedoch ist das was ein All-Time-Klassiker hätte werden können zu einem höchst zwiespältigen Resultat geworden.

In den Folgejahren versuchen TRIUMPH vergebens an die früheren Erfolge anzuknüpfen. So nimmt man sich live mit Rick Santers (Guitar, Keyboards, Vocals) von der kanadischen Band SANTERS einen weiteren Musiker hinzu. Auf "Surveillance" (1987) veredelt ein gewisser Steve Morse mit seinem Solo das herausragende Headed For Nowhere.
Die anfangs erwähnte DVD mit einem Konzert aus Halifax 1987 zeigt zwar eine enorme Bühnenshow (tonnenweise Pyros und Laser-Effekte plus einer Lichtanlage die man wohl noch aus dem All hat strahlen sehen), kann jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass man sich mit dem neueren Material auf dem absteigenden Ast befand.
Mit dem Ausscheiden eines frustrierten Rik Emmetts endet dann einige Zeit später das Kapitel TRIUMPH im sogenannten Classic Line-Up. Jahre später kommt es zu einer Wiederbelebung der Band, but that's another story...

Jürgen Ruland, (Artikelliste), 08.10.2004

Sagt uns die Meinung zu diesem Artikel oder ergänzt oder verbessert ihn:
Startseite > Artikel und Biographien > Triumph > Allied Rockers: History 1981-1985

 
© Home of Rock 2001 - 2008, Impressum