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"Argus" vs. "Argus" vs. "Argus"

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Argus
"Argus", 1972
Argus - The Again Live
"Argus - Then Again Live", 2008
Argus - Through The Looking Glass
"Argus - Through The Looking Glass", Martin Turner's Wishbone Ash, 2008

Wie ich in der APWA Review (Andy Powells Wishbone Ash) geschrieben habe, war Warrior der erste jemals von mir gehörte WISHBONE ASH Song, und das eben vor nunmehr 36 Jahren. Im Lauf der Jahre habe ich WA 'die Treue' gehalten; alles mehrfach (LP/CD/etc.) gekauft, mastered und remastered, live und Studio; gefühlte 500 Mal "Argus" gehört, und liebe das Album noch immer.
Ja, durch die Reviews hier habe ich noch 15 Sessions mit "Argus" hinzugefügt, und trotzdem tritt keine Ermüdungserscheinung ein; während ich das hier schreibe, läuft "Argus" von MTWA. Ein absolutes Inselalbum, möglicherweise sogar an erster Stelle.

Nun kann man also zu drei vollständigen Versionen greifen - ein Vergleich sei also erlaubt.
Grundsatzfrage: Ist es gestattet, einfach ein altes Album noch mal neu aufzunehmen, anstatt etwas neues zu kreieren? Klar - ASH sind in bester Gesellschaft (MAGNUM, DEEP PURPLE, WHO) und machen einen ordentlichen Job; also warum nicht? Anstelle der x-ten Version remastered, extended, mit Bonus Tracks und was weiß ich - warum nicht einfach das alte und geliebte neu einspielen? Im neuen Sound, ähnlich dem Original - das geht. Zumal sich ja gerade Herr Powell den Vorwurf des Eigenplagiats nicht gefallen lassen muss - seine ASH sind ja eine lebendige Band und bringen in schöner Regelmäßigkeit Neues auf den Markt.
Die Fragen sind: Wie haben sie es gemacht, und wie schneiden die neuen Versionen im Vergleich zu Original und anderen Live-Versionen ab?

Beim Vergleich fällt auf, dass beide Bands Ted Turner, den zweiten Originalgitarristen, nicht ersetzen können. Die Soli beider Versionen von The King Will Come reichen nicht an Turners Wah-Wah Solo ran, und interessanterweise versucht keiner der Gitarristen (bei APWA ist es Manninen) das Solo originalgetreu zu spielen; beide spielen ihre Version, wobei Manninen das Rennen gewinnt. Aber auch der WA Gitarrist schlechthin, in meinen Augen, Laurie Wisefield, spielte lieber sein eigenes Solo als das von Ted Turner. Noch Zweifel? Hört mal Baby What You Want Me To Do auf "Live Dates Vol. 1" an, und erstarrt in Ehrfurcht vor diesem Slide Spiel. Und hört mal Come In From The Rain auf "Front Page News" an - wie Wisefield da mit der Gitarre das Riff umkreist, zustößt, um gleich wieder jubilierend ein weiteres Lick zu spielen - genial.
Wenngleich also alle WA Gitarristen einen guten Job machen - weder Wisefield noch Turner werden erreicht. Manninen scheint mir der innovativste aller vier zu sein, und Powell lässt ihn gewähren. Auf der MTWA-Version ist ja nicht viel Platz für Änderungen, die Gitarreros sind an die Vorgabe gebunden, aber klingen gut und versiert.

Steve Upton wird bei APWA mittlerweile ersetzt durch das ziemlich unspektakuläre, geradeaus gehende Spiel von Joe Crabtree, und auch das hält sich eher im Hintergrund - als müsste sich Crabtree noch in die Band einfügen und seinen eigenen Stil finden. Bob Hewins kommt bei MTWA schon eher an Upton heran, muss er doch mit 'dem' ASH-Bassisten spielen.
Vocals - naja, bei APWA muss man den Mut bewundern, mit denen die Fehler drauf gelassen werden, da hat MTWAs Studioversion natürlich die Nase vorn - makellos, wenngleich Mart Turner auch nicht der Mart Turner von damals ist.

Sound: Das Original ist, mit einem Wort, alt. Und das im besten Sinne. Keine modernen Aufnahmetechnik, alles ziemlich 'roh' und direkt, und von zwei jungen und hungrigen Gitarristen gespielt, auf dem Weg nach oben, im vollen Saft. Bass und Drums bilden eine swingende solide Rhythmussektion, mit dem Master of Drumrolls und Fills Steve Upton am Schlagwerk. Ja, es holpert und klingt eben alt, aber auch crisp, so wie frische Chips - 'ungesund', aber so gut.
Die neuen Versionen sind viel moderner und abgeklärter - das spielen eben Profis, die seit 30 Jahren im Business sind, und jedes ASH-Lick und andere Riffs tausend mal gespielt haben. Beide Versionen tauschen Frische gegen Erfahrung, und gehen auf Nummer sicher. Kein aggressiver, knackiger Rock mit wilden, unerwarteten Wendungen oder Soli - alles bleibt sehr geschmackvoll, sehr erwachsen. Das ist, muss man konstatieren, mittlerweile AOR. Gut, sehr gut, noch hunderte Male zu hören und zu genießen, aber kein Rock im Sinne von ass-kickin' good time. Rock fürs Feuilleton.
Die Fans werden es lieben (mich eingeschlossen), aber wie wäre es denn mit ein bisschen mehr Wagnis beim nächsten Mal?
Und - MTWA müssen zeigen, dass sie eine Band sind, die auch neue Musik schaffen kann, denn da ist ihnen "Old Man" Powell weit voraus, für seine nie nachlassenden Anstrengungen, eine meiner Lieblingsbands am Leben zu halten, verdient er allerhöchsten Respekt. Keep it up, Andy.

Also los, hingehen, beides erwerben und diese Jungs unterstützen; mit einigen Abstrichen bekommt ihr herausragende Musik. Dabei gehe ich natürlich davon aus, dass "Live Dates Vol. 1", "Live Dates Vol. 3" und das Original von "Argus" im Schrank stehen.
Und jetzt zwei Wünsche. Zum einen: Warum muss es denn unbedingt "Argus" sein, Jungs? Die sichere Bank? Die Vertrautheit? Einfach so? Was sonst? Ja, was sonst? Etwa: mein geheimer Liebling ist "Locked In" - ebenfalls unglaubliche Songs, damals von Tom Dowd nach FUBB unglaublich eng auf den 'Ted Turner Ash' Sound der Anfangstage hin produziert, und somit daneben. Die könnte man noch mal auflegen, in neuem Gewand. Oder - ein ganz tolles Experiment - die Erste, mit dem jazzigen Handy.
Und zweitens: Na ja, wenn schon "Argus", die Originale kennen wir, mal ein bisschen den Zeitläufen anpassen, das wäre auch was.

Dietrich Gastrock, (Artikelliste), 26.12.2008

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