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J.P. Rykiel:Die Stimme der Stille |
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Mann, war das wieder ein stressiger Tag. Sodbrennen, Herzrhythmusstörungen und Blähungen quälen mich in loser Reihenfolge. Es wird Zeit, etwas für meine Seele zu tun.
Ruhe muß wieder für eine Weile von mir Besitz ergreifen. Rykiel versteht es wahrlich, aus dem Nichts warme Klangkörper zu formen.
In seiner Musik tangiert ihn die Gegenwart nur peripher. Somit kann sich die Seele des Zuhörers voll auf seine sinnbildlichen Kompositionen konzentrieren. Den ersten Song DER WUNSCH NACH ERLEUCHTUNG interpretiere ich als gekonnte politische Parabel. Diese Abfolge von Klängen ist nicht weniger aufregend als eine Debatte in irgendeinem Länderparlament, wo es auch nicht gerade von Leuchten wimmelt. Wellenförmige Frequenzamplituden verzaubern Seele und Innigkeit. Der nächste Track DAS MANTRA DES PADMASAMBHAVA toppt sogar die Mozik und Tierkreis Sinfonien eines Karl-Heinz Stockhausen. Die nachfolgende VAJRA MELODIE kontrapunktiert gekonnt ambivalente Bezüge zur Sozialkritik im nepalesischen Hinterland. Ich kann mich nur schwer der depressiven Sinuston-Klangcollagen entziehen. Die destruktive Symbiose zwischen mir unbekannten Lauten und plötzlicher Stille wirkt faszinierend. DIE ANRUFE DES FERNEN LAMA klingen frappierend voluminös. Der Song ist wie ein Telefonat mit der Störungsstelle der Telekom.
Man weiß in keiner Phase, was als nächstes passiert.
Unendlich scheinende Klangschleifen erwecken den Eindruck, die Repeat Funktion des Players wäre eingeschaltet. Imposant spielt damit Rykiel auf unseren
Alltag an. Nichts ist Eintöniger als die Unerträgliche Leichtigkeit des Seins. Dynamisch offen erklingt der Abschlußsong GEBET UM EIN LANGES LEBEN FÜR KALU RINPOCHE. DIE STIMME DER STILLE ist insgesamt nur schwer in Worte zu fassen. Klang und Produktion vermitteln die gekonnte Einsilbigkeit perfekt. Gerne hätte ich diese Aufnahme auf Vinyl. Denn die ausufernden stillen Passagen klingen durch die technische Unzulänglichkeit der CD manchmal doch sehr eintönig. Ein Knackser hier, ein Rumpeln dort würde die Monotie des Geschehens perfekt auflockern. Wer nicht genug kriegen kann von dieser perfekten Geräuschkulisse, dem empfehle ich Ryjiels’s unangefochtenes Meisterwerk CALLING THE LAMA FROM AFAR. Da bleibt nicht nur dem Lama die Spucke weg. Joachim Domrath, (Impressum, Artikelliste) 25.06.2001 |
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