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Live At River Plate

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Live At River Plate
Live At River Plate, Sony Music, 2011
Angus Young Lead Guitar
Malcolm Young Rhythm Guitar
Brian Johnson Vocals
Cliff Williams Bass
Phil Rudd Drums
Länge: ca. 140 Min Medium: DVD
1. Rock N Roll Train12. War Machine
2. Hell Ain't A Bad Place To Be13. Dog Eat Dog
3. Back In Black14. You Shook Me All Night Long
4. Big Jack15. T.N.T.
5. Dirty Deeds Done Dirt Cheap16. Whole Lotta Rosie
6. Shot Down In Flames17. Let There Be Rock
7. Thunderstruck18. Highway To Hell
8. Black Ice19. For Those About To Rock (We Salute You)
9. The JackBonus Features:
10. Hells BellsThe Fan, The Roadie, The Guitar Tech & The Meat
11. Shoot To ThrillAC/DC Tour Animation

"Scusi, we don't speak very good Spanish - but we speak Rock & Roll pretty good!"
Brian Johnson ist ein Rock'n'Roll-Gott, den man für sein, nun ja, spanisches "scusi" noch mehr liebt als ohnehin schon. Und AC/DC liebt man für "Live At River Plate" mindestens genauso hemmungslos wie seit dem Anbeginn der Zeitrechnung des Bon-Scott-Boogie im Jahr 1974.

An dieser Stelle vier, fünf unabänderliche Tatsachen der Rockhistorie. Zum Beispiel waren die BEATLES "leider" einflussreicher als die STONES, John Bonham und Keith Moon waren größer als ihre Bands LED ZEPPELIN und THE WHO - beide waren ohne ihre suchtgequälten Schlagzeuger nicht mehr lebensfähig. Des Weiteren gilt, dass der schlechteste Gitarrist aller Zeiten, nämlich Chuck Berry, gleichzeitig der wichtigste Gitarrist des Rock & Roll ist, genau wie wir alle ohne Elvis Presley vermutlich nicht in Jeans herumlaufen würden. Und AC/DC ist … die verdammt größte, beste, geilste Rockband dieses Planeten - aber nicht die intellektuellste. Nach AC/DC wird nichts mehr sein wie vorher, keine laute Band wird jemals noch Wichtigkeit, Größe und Können der aus Australien ausgewanderten Australien-Einwanderer erreichen. Das ist kein Kulturpessimismus, das ist die gute Nachricht für alle, die in den letzten 35 Jahren dabei waren.
Jetzt, wo die Karriere der fünf älteren Männer langsam auf die Zielgerade einbiegt, ist alles noch ein bisschen gigantischer und deutlich teurer als früher, aber wenn es eine Band wert ist, sich in Unkosten zu stürzen, bitte, wer denn sonst? Das dachten sich Ende 2009 auch 200.000 Argentinier inklusive ein paar tausend Weltreisender und kauften sich Tickets für die drei Konzerte im Estadio Monumental Antonio Vespucio Liberti aka River-Plate-Stadion in Buenos Aires. Bereut hat das ganz sicher keiner, auch wenn die Kosten den Jahresetat eines normalen Langhaar-Argentiniers deutlich gesprengt haben. In den knapp zwei Stunden der DVD "Live At River Plate" sieht man ausschließlich glückliche, enthusiastische, singende, headbangende und weiblicherseits sehr attraktive Gesichter, die nicht wie bei anderen Altrockern gecastete Models sind, sondern zu The Jack und all den anderen Jahrtausendsongs einfach nur ausflippen. Eine gute Entscheidung, diesen Konzertfilm in Südamerika aufzunehmen, das Publikum geht ganz anders ab als unser hiesiges Event-Volk und ist beinahe alleine den Kauf wert. Was Wunder, hierzulande setzt sich eine Stephanie zu Guttenberg leuchtende Hörnchen aufs hohle Birnchen und plagiiert eine Rockerbraut.
Nun bleibt nur noch die Performance der Band zu beurteilen.

Viel ist dazu naturgemäß nicht zu sagen. Wer AC/DC auf der letzten Tour gesehen hat weiß, dass es immer noch unendlich rockt, auch wenn wohl einige Europa-Gigs leichte Ermüdungserscheinungen offenbarten. Für die unfassbar begeisterte Crowd in Buenos Aires gaben Brian, Angus, Malcolm, Cliff und Phil alles. Vor allem bei den Rhythmus-Stoikern Williams und Rudd ist immer mal wieder ein faszinierter Blick auf die ausgelassene Menschenmasse zu sehen, während sich Malcolm Y. mit seinem gewohnten Minimalminenspiel seiner Aufgabe widmet und einfach nur der weltbeste Rhythmusgitarrist ist. Angus tut was er schon immer tut, also spielen, hüpfen, rasen und schwitzen bis zum Exzess, und Brian Johnson tanzbärt sich mit seinen irgendwie immer kürzer werdenden Beinen in alle Herzen. Dass er nach wie vor beinahe behände ins Seil der Hells Bells springt, wird nur Unwissende überraschen. Das Bühnenbild ist mit all seinen Videowänden, den eingespielten Filmchen, dem Licht und den Kanonen, dem schier endlosen Laufsteg inklusive Teleskop-Freilaufkoppel für Angus, der dampfenden Lokomotive und der fußwippenden Rosie selbstverständlich ein Ereignis für sich, doch am Ende erlebt man nur diese kleine, unbeschreiblich hart arbeitende Rock'n'Roll-Band, die AC/DC trotz aller Gigantonomie immer geblieben ist. Die Setlist ist so normal wie erwartbar, immerhin vier Nummern von "Black Ice" haben es auf die DVD geschafft, der Rest ist Musikgeschichte.

Es gibt viele Videos und DVDs von AC/DC, "Live At River Plate" muss man genau wie die übrigen haben, denn dieses "Alterswerk" ist neuerlich eine Explosion der Rock'n'Roll-Lebensfreude. AC/DC ist schon lange "larger than life", aber näher dran am wirklichen Leben der Fans ist keine andere der wenigen verbliebenen Supergroups. Hier stört nicht mal das oft zwei- oder dreigeteilte Bild, anders ist ein solches Spektakel visuell nicht darstellbar.
Dem Vernehmen nach soll es mindestens noch ein weiteres Studioalbum plus Tour geben, und falls nicht, erlebt man hier den besten denkbaren Abschied.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 08.05.2011

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