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Phoenix
Phoenix, Frontiers Records, 2008
Geoff Downes Keyboards
Steve Howe Guitars
Carl Palmer Drums, Percussion
John Wetton Lead Vocals, Bass
Länge: 69 Min 19 Sek Medium: CD
1. Never Again8. Parallel Worlds / Vortex / Déyà
2. Nothing's Forever9. Wish I'd Known All Along
3. Heroine10. Orchard Of Mines
4. Sleeping Giant / No Way Back / Reprise11. Over And Over
5. Alibis12. An Extraordinary Life
6. I Will Remember YouBonus Track:
7. Shadow Of A Doubt13. An Extraordinary Life (Acoustic Remix)

Als im vergangenen Jahr die Reunion-Tour schlechthin stattfand, da pilgerten viele Fans zu den Events. ASIA in Originalbesetzung, das machte neugierig und ließ hoffen, dass die Heroen des Prog uns nun endlich wieder das um die Ohren hauen, was sie groß gemacht hat und für was sie stehen.
Für was stehen die eigentlich? Steve Howe (Ex-YES), bekannt für sein filigranes Gitarrenspiel in Kompositionen, die jenseits der Spiellänge von über 15 Minuten liegen, Schlagzeuger Carl Palmer (Ex-EMERSON, LAKE AND PALMER), der Mann mit dem großen Gong hinter seiner Schießbude, mit schwindeligen Takten, dass es dem Hörer schwer fällt, exakt und fußwippend zu folgen. Die Legende John Wetton (KING CRIMSON) am Bass, der, das muss man allerdings zugeben, auf zahlreichen Solo-Alben eine Menge an guter Ideen verbraten hat und zusammen mit Geoff Downes (Ex-BUGGLES), Keyboards, zuletzt mit dem gemeinsamen Projekt "Icon" ausschließlich nur noch melodischen Rock ablieferte. ASIA machten Hoffnung, gerade weil sie auf der abgelaufenen Tour neben dem originalen Bandmaterial Klassiker wie In The Court Of The Crimson King oder das instrumentale Fanfare For The Common Man in die Setlist implementiert hatten.

Wer auch immer auf guten Progressive Rock gehofft hatte, wird enttäuscht sein. Nach Auskunft des Booklets waren alle vier Musiker an den Kompositionen beteiligt, so dass man den melodischen Köpfen Wetton/Downes nicht die alleinige Schuld geben kann. Eigentlich hätte man das wissen müssen oder können, nämlich spätestens seit dem Zeitpunkt, als bekannt wurde, dass "Phoenix" bei Frontiers Records erscheinen wird. Obwohl man sich eigentlich gar nicht vorstellen kann, dass das Label bei so schwergewichtigen Namen überhaupt Einfluss nehmen kann und will. Die Jungs können es sich doch aussuchen.
Wie sich also die Zeiten doch ändern. Die Hochzeit des klassischen Progs ist vorbei, und die Erfahrungen hatten gezeigt, dass Songs wie Heat Of The Moment eine Menge Kohle in die Kassen fließen lassen können. Was sollten ansonsten für Beweggründe dafür vorliegen, dass ASIA auf ihrem 3. Studioalbum in Originalbesetzung einem flauschigen, eingängigen, niemals sperrigen radiotauglichen Rock frönen? Na klar, das ist AOR par Excellanze, die prägnante und zugeschnittene Stimme von John Wetton scheint ein Garant für nette Melodien zu sein. Immer nach dem Motto "Wer hat die größte Tastenburg vor sich stehen", begleitet uns das Quartett von Anfang (Never Again) bis zum Ende mit pompösen und bombastischen Synthiesounds. Wir hören ein Plagiat der Formation ASIA aus den 90er-Jahren, nichts anderes.
Wenn man sich nun dessen bewusst ist, und vor allen Dingen bereit ist, das Spielchen mitzuspielen, dann kann man zu dem Schluss kommen, dass wir hier ein herrlich lockeres und professionelles Album vorliegen haben. Steve Howe präsentiert uns selbst in einer Weichspülernummer wie Sleeping Giant / No Way Back / Reprise elegante Gitarren, die Chorgesänge in Alibis werden bei einer späteren Live-Darbietung mächtig elektronische Unterstützung bekommen müssen. Keine Angst, das funktioniert, wie uns die Band unlängst bei der BUGGLES-Nummer Video Killed The Radio Star bewies.

Wir können diesen Silberling drehen und wenden, wie wir möchten. Spätestens bei der Ballade Parallel Worlds / Vortex / Déyà ist uns allen klar, dass "Phoenix" ein sauber polierter Rundling geworden ist, der jeden hart gesottenen Prog-Fan vergraulen dürfte. Die einzige Frage, die bleibt, ist folgende: Reicht diese Schmuseplatte, im Bereich des AOR ohne große Schwächen, aus, um den nachhaltigen Eindruck zu vermitteln, dass ASIA von nun an wieder ein gewaltiges Wörtchen im Musikzirkus mitreden werden?
Ich bin mal gespannt, wer bei der nächsten JOURNEY-Tour im Vorprogramm spielen wird. Vielleicht klinkt sich ja auch Ex-SURVIVOR Jim Peterik mit seinem Projekt PRIDE OF LIONS ein.
Schönes melodisches Scheibchen, geiler Sound, mehr aber auch nicht!

Ralf 'Jogi' Ruhenstroth, (Impressum, Artikelliste), 12.04.2008

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