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Brass Machine

Live In Montreux

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Live In Montreux
Live In Montreux
Live In Montreux, Eigenvertrieb, 2002
Steffi Zellhofer, Silke Hauck, Sascha Kleinophorst Vocals
Joachim Braun Trumpet
Jens Vollmer Saxes
Joe Denzer Trombone
Frank Schäffer Keyboards
Christof Brill Guitar
Markus Zellhofer Bass
Reiner Dettling Drums
Gäste:
Majka Kiefer, Sonja Volz, Markus Eisel Vocals
Länge: 72 Min 10 Sek Medium: CD
1. Introduction9. Sis ist weg [Die Fantastischen Vier]
2. Child's Anthem [Toto]10. Rock DJ [Robbie Williams]
3. In The Midnight Hour [Commitments]11. Don't Change Horses [Tower Of Power]
4. I Feel Good [James Brown]12. Fallin' [Alicia Keys]
5. Livin' La Vida Loca [Ricky Martin]13. I Will Survive [Gloria Gaynor]
6. Not That Kind [Anastacia]14. Let Me Entertain You [Robbie Williams]
7. I Wish [Stevie Wonder]15. Closing
8. Lady Marmalade [Patti La Belle]16. Don't Let The Sun Go Down On Me [Elton John] plus Hidden Track

Leser, liest Du, wer diesen Artikel geschrieben hat, wirst Du dich folgendes fragen: Jetzt haben die im Home of Rock irgendwas um die 20 ständige und gelegentliche Schreiberlinge. Da sind nun wirklich Musikkenner dabei (wirst Du hoffentlich sagen, Leser!), die über verschiedenste Musik schreiben können und auch was davon verstehen. Warum muss nun ausgerechnet der größte Gitarren-Boogie-Rock'n'Roll-Holzkopf aus diesem Haufen über BRASS MACHINE schreiben?

Wie der Name BRASS MACHINE sagt, ist ein wesentlicher Bestandteil der Band das Gebläse. Und genau darauf stehe ich schon immer. Vorausgesetzt es kommt druckvoll, scharf, akzentuiert und nicht jazzig smooth und sinnfrei dahergesäuselt.
Leser, ich hab den Film "Blues Brothers" nicht umsonst ca. 100 mal gesehen! Und die SILVER BULLET BAND von Bob Seger gehört auch nicht umsonst zu meinen Lieblingen. Und wenn es einem bei Albie Donnelly's SUPERCHARGE die Haare aufstellt, dann mir.

Die BRASS MACHINE spielt mitnichten Bluesrock. Auf der vorliegenden CD covert sich die Band aus der Pfalz durch zeitgemäße Rock-, Soul- und Pop Musik und wenn man sich die Tracklist bzw. die Namen der Originalinterpreten durchliest, kann es einem schon Angst und Bang werden. Aber wollen wir beim Anfang beginnen.

Herz der BRASS MACHINE ist natürlich die dreiköpfige Horn Section. Hervorgegangen aus der Band PEPPERMINT PATTY. Dazu eine satte Rhythmusabteilung, eine Luxus-Hochglanz-Gitarre und gleich drei Sänger/-innen plus nochmals 3 Gastsänger/-innen. Insgesamt 14 (!) Leute standen also im Juli dieses Jahres beim berühmten Jazzfestival in Montreux auf der Bühne.
Als DEEP PURPLE dort vor über 30 Jahren spielten (bzw. aufnahmen), gab es noch Smoke on the water. Den haben BRASS MACHINE unter Garantie restlos weggeblasen.
Zur weiteren Information über die Bandmitglieder empfehle ich die Homepage. Ein who is who der südwestdeutschen Musik.

Um alle Bedenken gleich wegzuwischen: Diese CD ist großartig. Trotz größtmöglicher Besetzung und haarsträubender Songzusammenstellung haben wir es mit über 70 Minuten kurzweiliger funky, soulful, bluesy, groovy Musik zu tun. Glasklarer Sound, eine musikalische Spitzenleistung nach der anderen, mehr als gelungene Interpretationen bekannter Hits.

Ein paar Einschränkungen gilt es natürlich zu machen. Beispielsweise Kollege Martin "Drachenkitzler" Schneider würde sich bei dieser Scheibe schaudernd abwenden. Wenn für ihn Frauen singen sollen, dann bitteschön wispernde Elfen aus dem Zauberwald. Gibt es hier nicht. Steffi Zellhofer, Silke Hauck, Majka Kiefer und Sonja Volz singen MÄCHTIG. Betonung auf "Singen"!
Einen Dave Finnegan von den COMMITMENTS kann man eh nicht kopieren. Also lässt man eine Frau ran, die zwar nicht so röhrt, dafür aber massig Feeling mitsamt ihrer großartigen Stimme einbringen kann.

Ich sagte, dass die Setlist haarsträubend wäre. Mutig ist sie auf jeden Fall. Der Spagat von TOTO zu ANASTACIA über DIE FANTASTISCHEN VIER retour zu JAMES BROWN und dann quer rüber zu ROBBIE WILLIAMS ist auf jeden Fall nicht alltäglich. Außer für Top-40 Copycats. Und genau das sind BRASS MACHINE nicht.

Scharfe Bläsersätze in Verbindung mit einer scharfen Gitarre und scharfen Sängerinnen sind sexy. Nachzuhören auf I Feel Good. James Brown ist bald 70 und immer noch sexy.
OK, bei einer Coverversion von Ricky La Vida Loca Martin habe ich Probleme. Da macht aber Gitarrist Christof Brill einen witzige Ska-Linie dazu und schon funktioniert das Ding ... wenn man es nicht all zu ernst nimmt.

Nochmal Kollege "Drachenbelustiger" Schneider: "Anastacia grunzt wie eine schwangere Kuh." Tut sie nicht! Nur, es geht noch besser! Was Silke Hauck und Christof Brill bei Not That Kind ablassen, ist einfach geil. Funk Rock zum Knochen ausschütteln. Kategorie Chaka Khan, Mother's Finest, Funkadelic, Parliament, Pointer Sisters.
Oder die Sanges-Kooperation Lady Marmalade, im Original von Patti LaBelle. Ein Disco-Soul-Kracher allererster Güte. Hier singen sich 4 Mädels die Seele raus und das geht ab wie Schmidts Katze. Und, ja ich geb das zu, wenn die auch noch so gut aussehen...
Nochmal Qualitäts-Discosound: I Will Survive von GLORIA GAYNOR. Ein Klassiker und ich möchte bitte den Heavy Metal-Headbanger sehen, der von diesem Knaller nicht magisch auf die Tanzfläche gezogen wird um eine John Travolta Show abzuziehen.

Schwächster Song ist wohl Sie ist weg von den Fantastischen Vier. Ich mochte die noch nie und ihre Lieder haben einfach nicht die Substanz, um beispielsweise mit den Klassesongs eines Robbie Williams mithalten zu können. Rock DJ oder Let Me Entertain You sind halt eine ganz andere Gewichtsklasse. Und noch ein anderes Kaliber ist Don't Change Horses (in the middle of a stream) von den großen TOWER OF POWER.

Yo man. So kann das sein. Rock, Pop, Funk, Soul auf einer CD vereint. Papierscharfe Bläser - und hier noch mal der ausdrückliche Lobgesang auf die drei Blähbacken -, exzellente Coversongs, geiler Gesang, schöne Frauen (bitte erspart mir den Macho-Vorwurf, ich steh dazu), feine Live-Performance, tolles Album!

Fred Schmidtlein , (Impressum, Artikelliste), 20.10.2002

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