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Boys In Heat

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Boys In Heat
Boys In Heat, UlfTone Music, 2003 (1989)
"Dizzy" Dean Davidson Lead & Background Vocals, Rhythm Guitar, Harmonica
Michael Kelly Smith Lead Guitar, Background Vocals
Billy Childs Bass, Background Vocals, Keyboards
Johnny Dee Drums, Persuccions, Background Vocals
Produziert von: Neil Kernon Länge: 63 Min 21 Sek Medium: CD
1. In Motion10. Shine On
2. Standing In The Shadows11. Angel In My Heart
3. Hair Of The Dog12. Left Me Stray
4. Livin' On A Dream13. Long Road
5. She's So LonelyBonus Tracks:
6. Dream On14. Girlschool
7. Long Way From Home15. Long Way To Love
8. Plenty Of Love16. Livin' On The Edge
9. Stevie

We go back in time. A looong way back. Zurück in eine Zeit, als echte Männer ihre Stretchjeans mit dem Nussknacker anziehen mussten, als die Dankeschönliste auf den Platten länger war als die Songtexte und vom Klamottenausstatter bis zum Kokslieferanten alle mit einem herzlichen Gruß bedacht wurden; als die Friseurinnen noch Hairstylistinnen hießen und ihr Handwerk im Pudelsalon erlernten - was sich auf den Coverbildchen ausgesprochen nett ausgewirkte - und dementsprechend der Sänger das Groupie kaum vom eigenen Bassisten unterscheiden konnte, was wiederum zu manch bösem Erwachen geführt hat. Ja, das waren noch Zeiten, als Songs klar strukturiert aufgebaut waren. Hook - Lead - First Verse - Bridge - Second Verse - Hook - Schluss. Da mussten sich die Sänger nicht verbiegen, schließlich ist es dem Mann angeboren, zu kreischen wie in der Folterkammer. Und erst die Balladen. Herzerweichend, himmelschreiend herzerweichend...
Jeder, der etwas auf sich hielt, stand irgendwann mit Slash und Axl auf der Bühne. Selbst so oberpeinliche Altrocker wie David Lee Roth konnten mit der Klorolle in der Hose bei den Blondinen in der ersten Reihe noch Eindruck schinden.
Ja ja, wir sprechen von den gruseligen 80er Jahren. Vokuhila, Oberlippenbart, Goldkette und Mädels, denen man jeden Wunsch von den Lippen ablesen konnte. Wer, zum Kuckuck, legte schon Wert drauf, dass die Frau einen kompletten Satz unfallfrei sprechen konnte? Der Schmollmund war für andere Dinge vorgesehen.

Gute Zeiten, schlechte Zeiten. Eines hatte diese Ära der Sleazer, Poser und Po-sinchen allerdings durchaus: Ein paar Bands stachen aus dem Einheitsbrei heraus und r-o-c-k-t-e-n wirklich. Knallkopfkapellen wie CINDERELLA, POISON, MÖTLEY CRÜE oder eben BRITNY FOX hatten tatsächlich den ein oder anderen Hit am Start. Egal, dass es sich nur um etwas härter gespielten Rock & Roll handelte, auch egal, dass die Musiker im Studio von Stuntmännern ersetzt wurden und gleich total egal, dass sich alles identisch anhörte. Die paar einschlägigen Produzenten machten schon was "eigenständiges" draus und die Magazine druckten Monat für Monat willig neue bunte Bildchen mit debil-böse dreinschauenden Superstars. So kamen wenigstens ein paar Disco-Türsteher auch mal in die Zeitung.

Mit dem Abstand von eineinhalb Jahrzehnten kann man grinsend zurückblicken (und hoffen, dass alle Bilddokumente eigener Verfehlungen vernichtet sind). Und man kann als Plattenfirma ungeniert ein paar der Highlights aus dieser knallbunten Zeit wiederveröffentlichen.
UlfTone Music hat das jetzt mit "Boys In Heat" (oh Gott, was für ein Titel... klingt nach rolligen Katern und brünftigen Hirschkühen) von BRITNY FOX getan und es ist vollkommen okay. Es ist ja nur 'ne CD und kein Video.

Die erste Platte schlug 1988 mit einer Million verkauften Stück gewaltig ein - war aber eher lasch - und als '89 "Boys In Heat" nachgeschoben wurde, war es fast schon wieder vorbei mit dem Hype. Gemessen am Debut ein Flop, trotzdem eine saustarke Hardrock-Scheibe - wenn man sich das gequälte Geschrei von Frontkaspar "Dizzy" Dean Davidson wegdenkt.
Warum ist das so? Ganz einfach, B.F. hatten ein gutes Dutzend astreine Songs geschrieben (angeblich sogar selber) und Producer Neil Kernon (Judas Priest, Kansas, Hall & Oates, Michael Bolten, Cannibal Corpse - knürpsel - u.v.a.m.) verzichtete dankenswertweise auf die damals üblichen Keyboard- und Sülzteppiche, beließ der Band eine gewisse eigene Identität (was halt angesichts der versammelten Klischees noch möglich ist) und die dankten es mit einem gelungenen Mix aus heavy Rock & Roll (könnte man auch Rums-Bums-Metal aus der Schnittmenge KISS-AC/DC-VAN HALEN-AEROSMITH nennen), angenehmen Midtemposongs (so was verkauft Mike Tramp von WHITE LION heute als "Americana") und dem wirklich exzellenten NAZARETH-Cover Hair Of The Dog. Ob sie damit wohl die Frisur vom Drummer meinten?

Drei Bonus Tracks hat man noch draufgepackt und damit eine der insgesamt etwa 15 guten Poser-CDs nochmals auf den Markt geworfen. Man behüte uns bitteschön vor einem Comeback all dieser Gestalten (B.F. haben es offenbar bereits probiert, erfolglos zum Glück), die Zeit ist endgültig vorbei, aber das hier macht richtig Spaß.
Kreische Dizzy Dean wurde übrigens noch einmal bei den Losern BLACKEYED SUSAN (trotzdem eine sehr gute Scheibe) gesichtet, Drummer Johnny Dee schwang zuletzt bei DORO die ehemals blonde, inzwischen Kurzhaarmähne und der Rest der Bande schwelgt irgendwo in West-Hollywood den güldenen Zeiten hinterher, als Männer noch Tunten waren - oder andersrum - und die Ladies keine Fragen stellten...

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 02.01.2004

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