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| Lightning In A Bottle - A Salute To The Blues, Sony Music Media, 2004 |
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Länge: 111 Min 57 Sek |
Medium: Do-CD |
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| CD 1: | |
| 1. Zelia - Angelique Kidjo w/ Dominic Kanza & Kimati Dinizulu | 8. Men Are Just Like Streetcars - Ruth Brown, Mavis Staples & Natalie Cole |
| 2. See That My Grave - Mavis Staples w/ Keb' Mo', Steve Jordan, Willie Weeks, Kimati Dinizulu | 9. I Can't Be Satisfied - Buddy Guy |
| 3. Gamblin' Man - Honeyboy Edwards | 10. Strange Fruit - India.Arie |
| 4. Love In Vain - Keb' Mo' | 11. Hound Dog - Macy Gray |
| 5. Sittin' On Top Of The World - James Blood Ulmer & Alison Krauss | 12. Midnight Special - John Fogerty |
| 6. Jim Crow Blues - Odetta | 13. Where Did You Get That Sound - Larry Johnson |
| 7. St. Louis Blues - Natalie Cole | |
| CD 2: | |
| 1. Okex Dokex Stomp - Gatemouth Brown | 8. Killing Floor - David Johansen & Hubert Sumlin |
| 2. Coming Home - Bonnie Raitt | 9. Turn On Your Love Light - Solomon Burke |
| 3. The Sky Is Crying - Gregg Allman & Warren Haynes | 10. Down In The Valley - Solomon Burke |
| 4. King Bee - Steven Tyler & Joe Perry | 11. Voodoo Child - Angelique Kidjo w/ Vernon Reid & Buddy Guy |
| 5. First Time I Met The Blues - Buddy Guy | 12. Minnesota Blues - Mos Def |
| 6. Big Chief - Neville Brothers | 13. Boom Boom - Chuck D with the Fine Arts Militia |
| 7. I Pitty The Poor Fool - Shemekia Copeland & Robert Cray | 14. Sweet Sixteen - B.B. King |
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Hin und wieder haben die Amerikaner auch mal ganz vernünftige Ideen. So wurde im letzten Jahr, 2003, vom US-Kongress das "Year Of The Blues" ausgerufen und u.a. ein ambitioniertes Filmprojekt gestartet, bei dem 7 "Dokumentarfilme" unter der Regie der "derzeit kreativsten Filmemacher" (Zitat: Martin Scorsese) entstehen sollten.
Als achter Film kam 2004 die Dokumentation eines einmaligen Konzertes dazu: "Lightning In A Bottle", der am 5. August 2004 in die deutschen Kinos kam. Regie führte Antoine Fuqua und präsentiert wurde er natürlich wieder von Martin Scorsese. Neben einer ganzen Reihe von Weltklasse-Spielfilmen war Scorsese ja auch schon als Regisseur für Musikvideos (u.a. für Michael Jackson) und Konzertfilme wie "The Last Waltz" verantwortlich und eine Liebe zum Blues qualifizierte in zudem für dieses Projekt.
Bei "Lightning In A Bottle" handelt es sich ebenfalls um einen Konzertfilm, der das Konzert vom 7. Februar 2003, in der Radio City Music Hall, New York, präsentiert.
Bei diesem einzigartigen Konzert standen jede Menge an musikalischen Größen aus Rock, Rap, Jazz und, natürlich, Blues auf der Bühne und gaben ein "Salute To The Blues"-Benefizkonzert, dessen Erlös jungen Bluesmusikern zukommen sollte.
Hier liegt nun der Soundtrack zu diesem Spektakel vor, zwangsläufig nur ein Auszug aus dem fünfstündigen Konzert, aber immerhin.
Film, wie Soundtrack, konzipiert als zeitgeschichtliche Reise, beginnt die Musik mit einem noch sehr afrikanisch klingenden Song, vorgetragen von Angelique Kidjo, die mittlerweile die bekannteste afrikanische Künstlerin seit Miriam Makeba ist. Also äußerst lobenswert, dass nicht vergessen wird, wem wir den Blues ursprünglich verdanken.
Den Übergang von den Wurzeln zum Blues markiert Marvis Staples mit dem Song See That My Grave, in dem noch einige Gospel-Einflüsse vorhanden sind.
Viele Musiker finden sich heutzutage nicht mehr, die Robert Johnson noch persönlich kannten. David "Honeyboy" Edwards ist einer von ihnen und wenn man seinem Vortrag lauscht, ist das authentischer Delta-Blues, der immer noch so frisch klingt wie 1969, als er mit FLEETWOOD MAC in Chicago gejammt hat, oder 1942, als er von dem Musikwissenschaftler Alan Lomax für die "Library of Congress" mitgeschnitten wurde.
Da passt der Vortrag von Keb' Mo' natürlich bestens hintendran, wenn der Love In Vain in mehr ursprünglicher Version interpretiert. Immer wieder ein Genuss, und mit inzwischen über 50, ist der "Junge" ja auch langsam im "bluesfähigen" Alter angekommen.
Fast meint man, der Song würde weiter gehen, wenn die Fidel von Alison Kraus ein sehr ähnliches Thema spielt. Es handelt sich aber doch um Sittin' On Top Of The World, welches etwas an die "Slow-Waltz"-Songs von Tom Waits erinnert.
Somit sind wir also im vertrauten Blues angekommen. Die auch schon über 70-jährige Odetta singt eine wunderbare Version des Jim Crow Blues, irgendwo zwischen Gospel und John Lee Hooker, während die begnadete Natalie Cole sich mit dem St. Louis Blues den Mississippi hinunter, Richtung New Orleans bewegt. Wenn sich dann noch Ruth Brown und Mavis Staples dazu gesellen, stehen wirklich drei Blues-Ladys ersten Ranges auf der Bühne und die Stimmung während Men Are Just Like Streetcars ist auch ohne Bilder spürbar.
Buddy Guy, auch schon ein Veteran, hält sich mit I Can't Be Satisfied in der Nähe von Muddy Waters' Original auf ohne zu kopieren. Dazu hat ein Mann seiner Klasse auch keine Veranlassung. Ich selbst habe Buddy bisher selten akustische Gitarre spielen hören und bin über seinen Beitrag darauf ebenso überrascht wie erfreut.
Mit India.Arie folgt eine jüngere Sängerin, was man ihrer Stimme aber nur bedingt anhört, ob des Feelings und des Ausdrucks den sie in die jazzige Ballade Strange Fruit legt.
Eine weitere Vertreterin der "jungen Garde" ist Macy Gray, die man eigentlich eher dem "Neo-Soul" zuordnet. So ist ihre Interpretation von Hound Dog etwas ungewohnt, aber mit Swamp-, R&B- und Soul-Anleihen durchaus interessant gemacht.
Die Akkorde von Midnight Special erkennt man ebenso schnell wie John Fogertys einmaliges Organ. 35 Jahre nach den großen CCR-Hits hat er immer noch eine Klasse-Stimme, mit leichten, altersbedingten Abstrichen zu früher, und den Groove hat er auch immer noch drauf.
Das kurze Where Do You Get That Sound von Larry Johnson ist offensichtlich nicht aus dem Konzert, sondern eine Art Überleitung - klingt aber gut und macht mit seinem Ragtime-artigen Stil Spaß.
Mit Clarence "Gatemouth" Brown startet die zweite Scheibe mit einer weiteren Legende. Der inzwischen über 80-jährige hat schon so viele Stile und sowohl allein wie in Big Bands gespielt, dass ihm, selbst in diesem hohen Alter, ein bläsergetriebener Blues-Swing wie der Okex Dokex Stomp immer noch locker-flockig von den Fingern geht.
Bonnie Raitt kennen viele erst seit ihrem 89er Erfolgsalbum "Nick Of Time", bzw. ihrer Zusammenarbeit mit dem späten John Lee Hooker. Bonnie hat aber schon in den 60ern und frühen 70ern den Blues gespielt und "inhaliert", mit etlichen schwarzen Musikern die mit ihr damals bei Warner Brothers unter Vertrag waren. Natürlich spielt sie hier Slide-Gitarre und erinnert mit Coming Home an vielleicht den prägnantesten Musiker dieser Spielart: Elmore James. Let's Boogie!
Da stülpt sich auch Warren Haynes gerne das Glasröhrchen über den Finger und liefert zusammen mit Gregg Allman eine schwer groovende Version von The Sky Is Crying. An sich ist mir dieser Song echt schon zu ausgelutscht, aber hier selbst für mich noch erbaulich. Klar, dass bei diesen Typen die Spielzeit des Songs gleich mal über die sieben Minuten-Grenze rausgeht.
Inwieweit dieses Konzert Einfluss auf die musikalische Zukunft von AEROSMITH hatte (das Konzert fand ja schon ein Jahr vor dem Release ihres "Blues-Albums" statt), lässt sich heute schwer sagen, aber hörbar Freude an King Bee hatten Steven Tyler und Joe Perry allemal. Der Sänger spielt seine typisch klingende Blues-Harp und lässt, engagiert wie immer, seine noch typischen Gesangsvariationen hören, während sein Partner an der Gitarre gewohnt solide die Saitenarbeit verrichtet.
Inzwischen geht's also schon etwas flotter und z.T. auch heftiger zu. Buddy Guy steigert sich, jetzt an der E-Gitarre, stimmlich wie spielerisch in ein intensives First Time I Met The Blues, während die NEVILLE BROTHERS mehr für einen, nicht weniger mitreißenden, Dance-Rhythmus mit Latin-Einflüssen bei Big Chief sorgen.
Etwas gemäßigter, wie er halt so ist, eröffnet Robert Cray das folgende I Pitty The Fool, in das aber gleich mehr Schwung und Power kommt, als die Tochter von Johnny Copeland, Shemekia Copeland, den Gesang übernimmt. Gerade mal 23 Jahre alt, ist sie schon eine geniale Shouterin, von der man mit Sicherheit noch hören wird. Das lockt sogar den Robert etwas aus der Reserve.
David Johansen kennt man zunächst mal aus seiner Zeit als Frontmann der NEW YORK DOLLS, oder auch später als "Buster Poindexter", als er alte R&B-Songs veröffentlichte. Seine raue Stimme klingt hier etwas nach Eric Burdon, aber das tut einem Chicago-Blues wie Killing Floor nur gut.
Was soll man über Solomon Burke sagen? Der Mann ist ebenso Kult wie gut! Wenn man ihn hier mit Turn On Your Love Light hört und mit welcher Energie (Jahrgang 1936!) der agiert, möchte man keinen Mick Jagger und keine BLUES BROTHERS einen Wettstreit mit diesem Herrn aussetzen. Verdientermaßen ist er einer der wenigen, die auf diesem Album mit mehr als einem Song vertreten sind. Auch Down In The Valley klingt, als hätte man eine R&B-Party direkt aus den 60ern in die Halle importiert. Bei diesem Rhythmus waren mit Sicherheit alle auf den Beinen!
Angelique Kidjo ist zurück auf der Bühne und zusammen mit Buddy Guy und Vernon Reid an den Gitarren zelebriert sie einen mörderischen Funk-Soul-Dance-Groove zu Voodoo Child. Natürlich machen auch die beiden Gitarristen ausgiebig auf sich aufmerksam.
Mos Def hält sich zwar vom Schema her beim Minnesota Blues noch an den Blues, aber sonst sind sowohl afrikanisch beeinflusste Gesänge als auch moderne Rhythmiken, an Rap und Hip-Hop angelehnt, untergebracht.
Chuck D verwandelt John Lee Hooker's Boom Boom in einen "Anti-War-Song" und so ist man zusammen mit dem Rapper und Public Enemy sowohl politisch als auch musikalisch in der Gegenwart angekommen. Tatsächlich passt der Rap-Gesang sogar recht gut zu diesem Song, der in "no boom boom" umgedichtet und mit ein paar Hip-Hop-Elementen versehen wird, die aber auch Blueser vertragen dürften.
Mit dem letzten Song geht es dann wieder zurück und zu einem der ganz Großen des Blues: Mr. B.B. King und sein legendäres Sweet Sixteen. Es ist eigentlich unsinnig, aber unwillkürlich denke ich: Der klingt mehr nach Clapton als der Eric selber heutzutage. Natürlich ist hier die Henne am Werk und wie eh und je hat er einen unverkennbaren Ton, wenn er seine "Lucille" sprechen lässt. Immer noch erste Sahne!
Dieser Soundtrack ist also keine Versammlung und ABM von abgehalfterten Musikern, sondern ein toller Überblick über mehrere Dekaden des Blues und seines Umfeldes, bzw. seiner "Kinder".
Wer die Chance hat, sollte sich den Film reinziehen. Den anderen bleibt immer noch der Soundtrack.
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