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Out Of Mothballs

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Jerkin' Crocus Records
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All Music Guide (englisch)

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Out Of Mothballs
Out Of Mothballs, Jerkin' Crocus Records, 2003
Länge: 42 Min 14 Sek Medium: CD
1. Rock This Place7. Trouble Comin'
2. Picture On The Wall8. Lock And Key
3. Memphis9. Seventh Son
4. Any Little Wing10. Shake It Wild
5. Shine A Light11. Don't Open That Door
6. Little Stories

Preisfrage: Wann lacht der kleine Fred wie blöd ein Dreiviertelstündchen lang und trinkt dazu zwei Weißbier?

Dan Baird ist eindeutig mein absoluter Zahnlücken-Bad-Ass-Hardcore-Rock'n'Roll-Liebling der letzten knapp 20 Jahre. Na klar, es gibt noch ein paar andere dieser Sorte, aber Daniel John Baird ist aufgrund seiner vollkommenen Businessunfähigkeit, seiner konsequenten Verweigerungshaltung gegen jeden zeitgemäßen Kompromiss und seinem grundehrlichen Benehmen seinen Fans gegenüber einfach ein Hero für mich. Schlechtes Beispiel vermutlich, immerhin schafft er es seit dem Ende der GEORGIA SATELLITES in Besorgnis erregender Weise, jedem kommerziellen Erfolg aus dem Weg zu gehen. Alle paar Jahre eine neue Platte, ob solo oder mit den YAYHOOS oder sonst wie - es klingt immer nach ultimativem Spaß, immer wieder eine Tour durch die Clubs und IMMER: Keine Gnade den Weicheiern! Volles Rohr, Arschbacken locker und durch durchs Labyrinth der komplizierten Noten. Lassen wir halt den einen und anderen überflüssigen Ballast weg und beschränken uns aufs Wesentliche: Can you give me an "A" man!

... schreit es und ab geht die Post.
"Out Of Mothballs" ist keine Sammlung neuer Songs! Es handelt sich um Outtakes (!!!) aus den Jahren 1990 bis '93. Also die letzten Röchler der SATELLITES und nicht verwendete Nummern für Dans beide Soloplatten bzw. zwei Beiträge zu einem Soundtrack. In den witzigen und ausführlichen Linernotes schreibt Dan auch bezeichnenderweise zu einer Nummer "No idea why it wasn't on the record". Ich auch nicht und wenn der Mann noch mehr solcher Ramschnummern hat, dann sind wir für die nächsten Jahrzehnte mit Mega-Rock'n'Roll versorgt.

Ich habe es schon früher erwähnt, meine studierende Nichte hat die üble Angewohnheit, am CD-Player die Shuffle Funktion einzuschalten. Prompt startet "Out Of Mothballs" beim ersten Durchgang mit Little Stories und ich hab schon den Verdacht, hier will uns einer veräppeln. Sixtiessound, so Surf-Gedöns, und zwischendurch kräht Terry Anderson gewohnt daneben. Trotzdem, auch da muss ich grinsen. Wer traut sich denn heutzutage noch so was? Und dazu scheppern die Maracas...
Na ja, seitdem läuft die CD ununterbrochen. Immer lauter (man wird schließlich nicht jünger), immer noch mal und noch ein Fitzelchen mehr aufgedreht. Oh yeah, that's boogie!

Wer dies hier liest, hat eh alle SATELLITES- und Baird-Scheiben plus Nebenprojekte zuhause. Oder? Also muss ich nicht viel erklären. Es ist alles wie immer. Nur vielleicht noch einen Zacken kantiger, dreckiger, schmutziger, räudiger, lustiger. Und bei dem einen oder anderen Song ist der Sound nicht ganz HighEnd-kompatibel. Wie Dan schreibt, stammen etliche Nummern von Kassetten aus der damaligen Zeit. Ist aber vollkommen egal, es kracht und rockt und fetzt wirklich ohne Pause und absolut gnadenlos. Trotzdem einige Anmerkungen zu den Songs.
Don't Open That Door hat diesen göttlichen Baird-Chicken-Guitar-Style (und dummerweise bezeichnet er das selber so, ansonsten hätte ich es jetzt erfinden können) und steigert sich in eine Art Rock'n'Roll-Trunkenheit hinein. Besser kann man die Schlussnummer einer CD nicht wählen, man wird automatisch zum Replay gezwungen. Und da geht es mit dem grenzwertigen Rock This Place wieder los. Mann Mann Mann, wer da nicht in die Knie geht ist tot. Ich würde zu gern den Film sehen, in dem dieser Knochenbrecherboogie gespielt wurde. Wohl eher kein Liebesfilm...
Memphis ist ein Grower. Das Teil wächst nämlich in seinen 5 Minuten über sich hinaus und shuffelt ohne Ende, dagegen ist Picture On The Wall ein Melodic-Boogierocker (jetzt hab ich was neues erfunden!) und Lock And Key sollten sich die STONES zur Strafe täglich zehnmal anhören müssen.
Shine A Light kommt als entschlackte und drogenfreie Version von Paul Kossoff und hat dazu einen mächtigen Drum-Rumms. Und dann mein künftiger All-Time-Top-10-Hit: Trouble Comin', wieder aus besagtem Soundtrack, ist vermutlich die brutalste Nummer die Dan jemals geschrieben hat. Oh oh oh, was geht das Ding ab. Ehrlich, mir hüpft das Bier aus dem Glas bei diesem Hammer. Direkt ins Gesicht.
Erwähnenswert ist natürlich noch die grandiose Version von Willie Dixons Seventh Son. Rock & Roll at it's best. Und alle Songs, die ich nicht erwähnt habe, sollen nicht beleidigt sein. Ihr seid großartig, I love you all!

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 08.07.2003

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