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Holy Diver Live
Holy Diver Live, Eagle Rock, 2006
Ronnie James Dio Vocals
Doug Aldrich Guitars
Rudy Sarzo Bass
Simon Wright Drums
Scott Warren Keyboards
Länge: 113 Min 54 Sek Medium: Do-CD
CD 1:
1. Stand Up And Shout6. Straight Through The Heart
2. Holy Diver7. Invisible
3. Gypsy8. Rainbow In The Dark
4. Caught In The Middle9. Shame On The Night
5. Don't Talk To Strangers
CD 2:
1. Tarot Woman5. Heaven & Hell
2. Sign Of The Southern Cross6. Man On The Silver Mountain
3. One Night In The City7. Long Live Rock 'N' Roll
4. Gates Of Babylon8. We Rock

Schwer zu sagen, warum Dave Ling, immerhin ein anerkannter britischer Musikjournalist, sich in den Liner Notes um glatte 10 Jahre vertan hat, bzw. so verwirrend schreibt, dass der unbedarfte Leser die Entstehung dieser Doppel-CD auf den 22. Oktober 1995 datiert. Mangelnde Sorgfalt der Plattenfirma wohl, kaum zu glauben, dass Ling wirklich so desolat unterwegs ist.
Anyway, aufgenommen wurde diese Reminiszenz an das Epochalwerk "Holy Diver" aus dem Jahr 1983 auf jeden Fall im letzten Herbst und liegt jetzt zuerst als Doppel-CD, später noch als DVD vor. Prompt erhebt sich die internationale Kritikerschar und pöbelt, dass Ronnie James lange nicht mehr die Stimme von annodunnemals hätte, dass Jimmy Bain, Vinny Appice und vor allem Vivian Campbell keinesfalls von der letztjährigen Besetzung zu ersetzen waren, dass "Holy Diver Live" insgesamt miserabel klingt.
Das ist alles Humbug. Die CD hat Schwächen und Längen, Doug Aldrich kann man mögen oder eben nicht (inzwischen ist er eh raus und als Vollzeitkraft bei WHITESNAKE), Herr Padavona hat alleine aus biologischen Gründen nicht mehr die gesamten 100 Prozent seines Stimmvermögens von 1983 zur Verfügung, die restlichen 95% reichen aber allemal um nahezu jeden Schreihals heutiger Tage ins Reich der Drachen und Dämonen zu pusten, und, zugegeben, die Keyboards des Jahres 2005 klingen teilweise schaurig, genau wie die Aufnahmequalität nicht unbedingt aktuellem Standard genügt. Grund genug, die CD zu verabscheuen?

Auf CD 1 ist das komplette "Holy Diver" Album in richtiger Reihenfolge archiviert. Wer DIO seinerzeit live gesehen hat, wird anerkennen müssen, dass die Qualitätsunterschiede so groß nicht sind. Die Band reproduziert die alten Meisterwerke perfekt und natürlich fehlerfrei, wir haben es nicht mit einer Schülerband zu tun, Aldrich beeindruckt am Stück, Ronnie James Dio überwältigt mit seinem Charisma und der nach wie vor unverwechselbaren Stimme, selbst Schlagzeug-Schlachtross Simon Wright legt seinen gewohnten AC/DC-Simpel-Beat ab und prügelt ein ordentliches Solo. Allerdings muss man erkennen, dass ein, zwei Nummern über die Jahre doch etwas Staub angesetzt haben und heutzutage nicht mehr wirklich aktuell tönen. Oder sind es einfach die Songs, nämlich Gypsy und Caught In The Middle, die mir persönlich schon damals nicht die liebsten waren?
Wo Ronnie James Dio seine Stimme erhebt, bleibt kein Platz für Zweifel. Auch wenn das Konzept, sich selbst Jahrzehnte später 1 zu 1 zu covern, nicht unbedingt innovativ ist, ich wäre gerne an diesem Abend im Londoner Astoria dabei gewesen.

Die zweite CD bebt ebenfalls nicht vor Neuigkeiten, hier werden die Großtaten aus den Tagen mit RAINBOW und BLACK SABBATH wiederbelebt, doch auch dieser Nostalgietrip gelingt ohne Grund zum Murren.
Ah, doch, einen gäbe es: Die ganz frühen Tage mit der wunderbaren Band ELF wurden wieder ausgespart. Wir werden wohl High-Class Boogies wie Dixie Lee Junction oder Hoochie Coochie Lady in diesem Leben nicht mehr live erleben dürfen.
Wer will, darf auch hier wieder an der aktuellen Band herummäkeln, denn zweifelsfrei waren Blackmore und RAINBOW bzw. Tony Iommi und SABBATH die seinerzeit besten Spielkameraden für Dio und niemand könnte sie jemals ersetzen. Damen und Herren, all dies ist so lang her, dass die Erinnerungen längst verblasst sind und wir ganz einfach froh und glücklich sein dürfen, diese Jahrhundertsongs gut (bis sehr gut) gespielt und mit Ronnie James Dio in grandioser Altersform nochmals genießen zu dürfen. Mir läuft es jedenfalls bei Tarot Woman, Heaven & Hell, Man On The Silver Mountain oder We Rock nach wie vor in Schauern durchs Gebein.
Long Live Rock 'N' Roll!

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 24.04.2006

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