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Excuse Me

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Spice Records
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Excuse Me
Die CD gibt es im Home of Rock zum Hören und Kaufen
Excuse Me, Eigenvertrieb / Spice Records, 2002
Peter Scheerer Guitars, Vocals
Harry Reuter Drums
Gäste:
Hans Steinle Bass, Vocals (Dust My Broom)
Ludwig Seuss Piano & Organ (Dust My Broom & I Will Not Follow)
Produziert von: Dogs Welcome & Michael Müller-Jin (aufgenommen im Charisma Studio in München) Länge: 62 Min 36 Sek Medium: CD
1. Shooting Star (4:10) Ohr7. Dinosaur For You (5:36)
2. Smile (5:36) Ohr8. Rise And Shine (5:34)
3. Baby Said... (6:28)9. Excuse me (4:27)
4. Thoughtful Song (5:39)10. The Way She Planned It (4:55)
5. Dust My Broom (4:45)11. The Thought That Counts (5:03)
6. Here I Stand (4:19) Ohr12. I Will Not Follow (5:26)

Münchner Gschichten!
Damals in den 70ern...Domicile, Marienkäfer, Schwabinger Straßenfeste, bekiffte und besoffene Sonntage im Theatron, Big Apple (für Kenner: Da Apfe), Sugar Shack, Crash, Rigan Club (mittendrin der Richard), x Plattenläden, Kleinkunst, Superstars, Willy Michl, Romy's Finest, die Spider Murphy Gang, Nick Woodland...
Sogar bis in die späten 80er war noch eine lebendige Szene da. Viele Metaller, einige nie enden wollende Blueser und leider immer weniger Clubs.
Dann war es irgendwann nur noch ein inzüchtiges Häuflein Aufrechter, die immer und immer irgendwo auftauchten, grad wieder ein neues Wahnsinnsprodukt am Start hatten, aber aufgrund schlimmer Managementprobleme dann doch nie auf die große US-Tour gingen.

Den Höhepunkt erlebten fast alle der Münchner Musikerpolizei/-mafia entweder als Support irgend eines Superstars (bevorzugt im Kongresssaal des Deutschen Museums), oder bei Gottschalks Pop-nach-8 Radiosendung, oder bei einer Session mit Udo L. mit anschließendem Totalabsturz an einem Hotelpool. Wer das nicht geschafft hat, war zumindest irgendwann mit Mick J. oder Freddie M. in der gleichen Bar gesessen und durfte der Barbara Valentin in den Ausschnitt schauen.

Viel ist nicht übrig geblieben von der damals so berühmten Münchner Szene. Ein paar Studio-Asse, der eine oder andere Profimusiker, viele Platten, die ganz kurz vor dem Welthit dann doch hängen geblieben sind und jede Menge kaputter Träume.
Und doch, es gibt sie noch. Die Münchner Musiker, die sich nie wirklich dem Schicki-Micki-Rummel verschrieben haben und bis heute immer wieder in Erscheinung treten.
PETER SCHEERER und HARRY REUTER sind solche. Wer sich damals in München rumgetrieben hat, ist einem der beiden zwangsläufig irgendwann irgendwo begegnet.

Scheerer und Reuter haben nun das Projekt DOGS WELCOME gegründet. Als Unterstützung haben sie sich den HANS STEINLE am Bass und den LUDWIG SEUSS am Piano ins Studio geholt. Beide auch nicht unbekannt. Der Seuss hat zum Beispiel die Münchner Southern Rocker CREEPY LAYNE pianobetrieben, später und bis heute Rock'n'Roll bei der SPIDER MURPHY GANG geklopft und macht seit Jahren gute Boogie-Woogie/Cajun/Groove-Soloscheiben. Ein Weltmeister auf den schwarzen und weißen Tasten.

"Excuse Me" kommt völlig unvorbereitet daher. Zuerst fällt das Cover auf (dicker Hund mit Papiertüte auf dem Kopf), dann die phantastischen Linernotes von Sonja Angerer und schließlich hat man die CD im Player.
Uah, was für ein Bums. Bonham am Schlagzeug? Und überhaupt, wie kriegt man im Jahr 2002 einen solchen Sound hin? Tief, warm, kräftig, voluminös. Ach so, die CD ist analog aufgenommen.

Was ist das? Retro Rock? Klar, auch. Aber eigentlich noch viel mehr. Logisch, Shooting Star könnte von einer der ganz großen Monsterbands sein. Und die Monsterbands waren nun mal in den 70ern. Aber schon mit Smile zeigt sich eine andere Seite. Lou Reed? So gut hat der aber nie gespielt. Zwischen wilden Gitarrenausbrüchen und klassischen Bassfiguren baut sich ein phantastischer Song auf und dann wird 400 Sekunden lang geshuffelt, dass es eine Pracht ist. Baby Said.... Oder die Coverversion von The Thought That Counts. Im Original von den britischen Ur-Wavern THE COMSAT ANGELS. Brachial schön.

Sehr eindrucksvoll sind immer wieder die instrumentalen Glanzleistungen. Man vergisst, dass hier "nur" ein Trio am Werk ist. Und trotzdem stehen immer die Songs weit im Vordergrund, also kein selbstverliebtes Technikgewichse.

Fast deplaziert wirkt folgerichtig Dust My Broom. Wenn nicht die gnadenlose Bluesgitarrenpower und die schöne Hammond wären. Dadurch haben wir dann doch einen klasse Song, der ins Konzept passt. Gut, singen kann der Steinle nicht so besonders, aber das konnte ROBERT JOHNSON auch nicht.

Auch mit über 40 kann man noch zornig sein und schreien. Dazu braucht es keinen selbstzerstörerischen Nirvana-Curt. Schaut her: Here I Stand! Selbst wenn ich ein Dinosaur For You sein sollte. Das rockt so mächtig und frisch und echt. Schee, sagt der Münchner.
Wie gut "Alternative Rock" klingen könnte, wenn die ausführenden Musiker ihre Instrumente beherrschen würden, zeigt der Titelsong Excuse Me. Die DOGS verstecken wahre Perlen in dieser Nummer. Irgendwie schaut auch der Bowie ums Eck.

Diese Platte ist 1. rund, 2. geil, 3. perfekt und hat zur Folge, dass 4. sie ab sofort im Home of Rock verkauft wird. Zu "Lesen - Hören - Kaufen" kommt in diesem Fall noch "Staunen" über eine tolle Rock-CD.

Epilog. Viel hat sich geändert in München seit damals. Zwei Dinge nicht: Gute Bassisten sind immer noch Mangelware und Übungsräume gibt's auch nicht.
Sollte einer unserer Leser einen Bassisten und/oder einen Übungsraum haben: Bitte melden!

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 25.03.2002

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