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Pilgrimage

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Pilgrimage
Dominik Clayton
Pilgrimage, Eigenvertrieb, 2004
Dominik Clayton Guitars & Vocals
Marcel Mader Drums & Percussion
Gerd Harder Bass
Produziert von: Dominik Clayton Länge: 45 Min 50 Sek Medium: CD
1. Dreams7. Hipshake
2. Listen Here!8. D's Shuffle
3. Time Ain't Gonna Heal My Heart9. Mama, Mama
4. Treat Me Right10. Someday After A While
5. I'll Play The Blues For You11. I'll Be Your Fool
6. Troubles

The Blues had a baby. Der Balg heißt Thomas Gottschalk und behauptet standhaft, 50 Jahre alt zu sein. Dem alten Herrn Blues ist der Sprössling schon lange hochnotpeinlich, er hat ihn enterbt (was nichts macht, denn der missratene Bastard verdient reichlich mit Werbung für... Gummibärchen - doppelt peinlich).
Glücklicherweise war der Papa in seine jungen, mittleren und auch späteren Tagen ein äußerst viriles Kerlchen und hat in manchen Bars, Hinterhöfen und Betten einen ganzen Haufen illegitimer Nachkommen gemacht. Ich meine, wer könnte auch solchen Traumfrauen wie Mrs. Rhythm, Fräulein Boogie oder der ihrer Ehe mit dem weißhäutigen Langweiler Roll entfliehenden Frau Rock aus dem Weg gehen? ICH nicht und der Blues konnte es auch nie.
Inzwischen bin ich seit vielen Jahren mit dem Alten ganz gut befreundet, wir haben schon manche Diskussion ausgetragen und trinken lässt es sich mit ihm auch ganz gut. Bisschen tatterig ist er geworden, aber manchmal haut er noch gewaltig auf die Kacke und man glaubt es kaum, die Ladies stehen immer noch auf ihn. Vor kurzem erst hat er eine abgeschleppt... aber hallo. Um ehrlich zu sein, diese Frau Clayton hat dem rüstigen Rentner schon geholfen. Die Treppe rauf und rein ins Taxi. Aber danach muss es ziemlich abgegangen sein.

Gut, "kürzlich" war etwas übertrieben. Es ist schon fast 21 Jahre her. Aber Zeit spielt bei zeitloser Musik und speziell beim Blues keine große Rolle. Auf jeden Fall ist der kleine Herr Blues jetzt volljährig und darf schon ganz alleine mit der Gitarre spielen.
Erziehung ist schwer. Manchmal geht in ganz frühkindlichen Stadien etwas entscheidendes schief und aus einer möglichen Karriere als Blues'n'Boogie-Rock & Roll-Hero wird nichts. Solche Leute werden dann Astronauten, Bundeskanzler, Fußballer oder Schreiberlinge. Jedoch, Reichtum und Popularität ist nicht alles, der junge Herr Clayton hat sich für die Karriere als Musiker entschieden. Ob es ihm was bringt, wird sich in den nächsten fünf Jahrzehnten entscheiden. Auf jeden Fall reißt er mit dem Anfangsriff seiner ersten CD seinen älteren Halbbrüdern ROLLING STONES und FACES ordentlich den Hintern auf und wechselt dann zwanglos in einen mächtigen Boogierhythmus. Viele Leute behaupten, dass Gummistiefel beim Poppen einen Sohn bewirken. Was haben der Blues und die Frau Clayton wohl gemacht? Ich will es gar nicht wissen. Jedenfalls ist aus dem Dominik ein astreiner Rocker geworden.

Aufmüpfig ist er auch, dieser Dominik Clayton. Er bricht mit einem ganzen Haufen Traditionen. Zum Beispiel spielt er den Blues nicht in der in Mitteleuropa anerkannten Lenor-Kuschelweich-Hausfrauenvariante und den professoralen Taktzählern im blauen Pullunder haut er zwar die blauen Noten hin, aber die kommen zwischendurch reichlich laut und auch mal in der Mitte stranguliert. Ein Einfluss von Tante Rock.

Der größte gitarristische Einfluss auf junge Bluesmusikermenschen war in den beiden letzten Jahrzehnten sicherlich Stevie Ray Vaughan. Woher der seine Eingebungen hatte ist bekannt, aber in diesem Fall irrelevant. Dominik Clayton hat dem guten Stevie auch auf die Finger gehört, jedoch schafft er es mit Leichtigkeit, ihn nicht zu kopieren, sondern ihm mit einer Verbeugung seine Referenz zu erweisen. Außerdem spielt Dominik nicht nur leichtgewichtige Fender Gitarren, er hängt sich gerne auch eine dicke Paula oder eine andere Gibson älteren Baujahrs um den Hals.
Apropos Leichtgewicht. Bei einigen jungen Bluesrockern stört mich manchmal die Leichtgewichtigkeit ihrer eigenen Songs und der unbedingte Willen, sich an Klassikern zu versuchen. Dominik Clayton covert Freddie King (Someday After A While) und zieht dabei die Saiten ordentlich in die Länge. Außerdem greift er sich noch das alte Hipshake und macht selbst im Studio mehr draus als manche abgebrühte Coverband auf der Bühne. Do the hipshake... schon wieder sind wir irgendwie beim Sex gelandet.
Ansonsten dichtet und komponiert Clayton eigenhändig. Natürlich ist es Blues, Boogie, Rhythm & Blues und Rock & Roll. Wer das nicht mag, wird seine Pfoten eh weglassen, für alle anderen ist "Pilgrimage" ein wahrer Jungbrunnen. Und leichtgewichtig sind seine Eigenkreationen schon gar nicht!

Dominik Clayton ist 20 Jahre alt, kommt aus Köln und hat eine ausgesprochen zupackende Band um sich. SO (und nicht anders) macht Blues in seinen verschiedenen Spielarten im Jahr 2004 Spaß.
Irgendwann, wenn seine Stimme nach 1.000 verrauchten Clubs und mindestens ebenso vielen Erfahrungen klingt, wird es eine "Best Of" von ihm geben und einige Songs dieses Debuts werden darauf enthalten sein.
Sehr starke Scheibe!

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 11.08.2004

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