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| A Dramatic Turn Of Events, Roadrunner, 2011 |
| James LaBrie |
Vocals |
| Mike Mangini |
Drums |
| John Myung |
Bass |
| John Petrucci |
Guitars |
| Jordan Rudess |
Keyboards |
| Gast: |
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| Paul Northfield |
Spoken Words on Beneath The Surface |
| Produziert von: John Petrucci |
Länge: 77 Min 06 Sek |
Medium: CD |
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| 1. On The Backs Of Angels | 6. Outcry |
| 2. Build Me Up, Break Me Down | 7. Far From Heaven |
| 3. Lost Not Forgotten | 8. Breaking All Illusions |
| 4. This Is The Life | 9. Beneath The Surface |
| 5. Bridges In The Sky |
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Ob sich die DREAM THEATER-Jungs eigentlich bewusst sind, welche Symbolik ins Cover ihrer neusten Scheibe interpretiert werden kann? Wird der (Draht)Seilakt mit dem neuen Mann funktionieren? Wird der neue Drummer sich auf dem Seil halten? Oder schmiert Flug DT 11 ab? Da im Hause DT nichts ohne Überlegung geschieht, nehme ich mal an, sie wissen genau, warum das Cover so aussieht, wie es aussieht und wahrscheinlich sind sie schon jetzt auf die mannigfaltigen Interpretationen gespannt.
Wenden wir uns dann also besser der Musik zu. DTianer sind eine eingeschworene Gruppe und waren am Boden zerstört, als Mike Portnoy - Bandgründer, Sprachrohr, Marketingmann, Bandvisionär - seinen Ausstieg bekannt gab. Ich auch! Was soll jetzt nur aus den Königen des progressiven Metals werden? Entsprechend gespannt habe ich "Die dramatische Wendung der Ereignisse" in den Player geschoben und mich nach knapp 9 Minuten bzw. dem ersten Song wohlig grinsend zurückgelehnt. Jetzt ist mir wieder klar, was ich bei "Systematic Chaos" und "Black Clouds & Silver Linings" trotz aller Klasse vermisst habe. Nämlich genau das, was bei On The Backs Of Angels durch die Membranen geschickt wird: eine differenzierte Aufnahme, bei der alle Instrumente gleichwertig brillieren dürfen. Um das zu verstehen, muss man sich die beiden letzten Alben anhören: nach "Octavarium" waren sie zwar technisch nach wie vor unschlagbar, kompositorisch aber eher Mittelmaß. "Chaos" und "Clouds" waren eher Donnerwetter denn filigrane Gebilde. Es wurde gerifft, geknüppelt, Gas gegeben und ein Druck erzeugt, der - bei der richtigen Lautstärke - auch einen Bunker zum Wanken gebracht hätte.
Ganz anders Veröffentlichung # 11. Sie startet mit einer Nummer, die durchaus auf "Octavarium" seinen Platz gehabt hätte, vielleicht sogar auch auf "Falling Into Infinity". Es ist wieder mehr Melodie denn Riffing zu erkennen. James LaBrie singt mehr, als dass er shoutet und bietet, wie auch in den folgenden acht Songs, eine blitzsaubere Melodieführung. Jetzt weiß man wieder warum der Mann ein guter Sänger ist! Dass er beim folgenden Build Me Up, Break Me Down kompositorisch seine Finger mit im Spiel hatte ist eindeutig zu erkennen. Hört Euch seine "Elements Of Persuasion"-CD an und ihr wisst, was ich meine. Sample-Einstieg, geiles Riffing, geiler Refrain - RAMMSTEIN meets DT - Herz wat willze mehr!?! Lost Not Forgotten gauckelt durch das Pianointro einen Schmusesong vor, was sich aber im Laufe der folgenden 10 Minuten entwickelt, ist ein typisches DT-Monster: vertrackt, schnell, gut. This Is The Life lässt die ersten orgasmischen Tränen in die Augen schießen. Ich weiß nicht, ob das ein vergessener Song der "Scenes From A Memory"-Sessions ist, aber so emotional klangen DT seitdem nicht mehr. Bridges In The Sky wird durch einen Schamanen eingeröhrt - wer hat so eine Stimme? -, bevor ein gregorianischer Chor diesen ablöst. Sobald die Amerikaner dann das Zepter wieder an sich reißen, bekommt die Welt eine Lektion aus dem progressiven Metaluniversum erteilt. So ist das Quintett auf dem besten Weg, ihre Vormachtstellung weiter auszubauen. Komplex, tierische Soli auf Gitarre und Keyboards und dem Schamanen gehört der Schlussakkord.
Outcry, das vorletzte lange Stück auf der CD, scheint sich mit den politischen Umwälzungen zu beschäftigen, die derzeit auf dem Globus stattfinden. So überraschend und spannend wie die Wendungen in diesen Ländern, so ist auch dieser Song aufgebaut. Musikalisch eine dramaturgische Glanzleistung und, sollte meine textliche Interpretation stimmen, Thematik und Musik in einer astreinen Konstellation. Jordan Rudess und James LaBrie gönnen dem geneigten Hörer nach diesen ohrgastischen Nummern eine Erholungspause mit Gesang, Klavier und Streichern. Far From Heaven, die Nummer zum kurzen Durchatmen, bevor es mit Breaking All Nations weitergeht. Die einzige Nummer, an der John Myung textlich beteiligt war, lässt den Bass in den Strophen herrlich laufen, bevor DREAM THEATER in vollem Glanz erstrahlt. Da werden Querverweise zu ELP und PINK FLOYD aufgebaut, immer mit den typischen DT-Trademarks versehen. Beneath The Surface beginnt tröpfelnd, macht aber nichts, weil Gitarre und Gesang dem Tröpfeln Einhalt gebieten. Ob das kurze ELP-mäßige Lucky Man Keyboardsolo gewollt ist? Keine Ahnung! Aber normalerweise geschieht bei DT nichts unbeabsichtigt. Insgesamt lassen die letzten 5 ½ Minuten den Dreher #1 nach Mike Portnoy ruhig ausklingen.
Fazit: diejenigen, die vor lauter Gedonner und Gedampfe bei den letzten Scheiben glückselig ins Bett gegangen sind, werden sich mit "A Dramatic Turn Of Events" schwertun. Für mich gilt: halb so viel geballert, ist mehr getroffen. Mike Mangini fügt sich erstaunlich gut ins DT-Gefüge ein, wenn auch mit weniger Fill-Ins, Tom-Läufen oder sonstigen perkussiven Spielereien als sein Vorgänger. Soundtechnisch vermisse ich diesen (leider) erstmal nicht, seine Livepräsenz dürfte allerdings schwer zu toppen sein. Der 11. Output der Frickelbrüder atmet erstaunlicherweise eine für mich schon länger vermisste Leichtigkeit, ohne an Komplexibilität und technischer Versiertheit zu verlieren. So werden DT auch in den nächsten Jahren noch die Könige auf dem Progmetal-Thron sein. Drahtseilakt gelungen! Flieger nicht abgeschmiert.
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