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Frank Zappa

The Torture Never Stops

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The Torture Never Stops
The Torture Never Stops, Eagle Vision, 2010 (1982)
Frank Zappa Guitar, Vocal
Ray White Vocal, Guitar
Tommy Mars Keyboards, Vocal
Scott Thunes Bass, Vocal
Chad Wackerman Drums
Ed Mann Percussion, Vocal
Bobby Martin Keyboard, Sax, Vocals
Steve Vai Guitar, Vocal
Länge: ca. 117 Min Medium: DVD
1. Black Napkins16. The Meek Shall Inherit Nothing
2. Montana17. Dumb All Over
3. Easy Meat18. Heavnely Bank Account
4. Beauty Knows No Pain19. Suicide Chump
5. Charlie's Enormous Mouth20. Jumbo Go Away
6. Fine Girl21. Stevie's Spanking
7. Teen-Age Wind22. The Torture Never Stops
8. Harder Than Your Husband23. Strictly Genteel
9. Bamboozled By Love24. The Illinois Enema Bandit
10. We're Turning AgainBonus:
11. Alien OrificeTeen-Age Prostitute (live)
12. FlakesCity Of Tiny Lites (live)
13. Broken Hearts Are For AssholesYou Are What You Is (Video)
14. You Are What You IsDiscographie, Fotogalerie etc.
15. Mudd Club

Zappa besprechen ist eine Strafe. Nicht nur, dass man sich das Zeug anhören bzw. in diesem Fall auch ansehen muss, nein, man zieht sich auch noch ganz automatisch den Zorn von mindestens 99% aller Zappalogen zu, weil ein falsches Wort über ihren Helden immer zu finden ist. Also kommt hier gleich zu Beginn die Erklärung: Der Autor versichert an Eides statt, dass er im Folgenden weder das Genie Frank Zappa noch eines seiner Werke, speziell das hier vorliegende Bild- und Tondokument "The Torture Never Stops" verunglimpfen möchte. Außerdem bittet der Autor um Gnade und Verzicht auf strafrechtliche Verfolgung, falls einem Fachmann eine Formulierung nicht gefällt oder gar ein inhaltlicher Fehler vorliegt. Vielen Dank.

Wenn das erste falsche Wort der Halbsatz "dass man sich das Zeug anhören bzw. in diesem Fall auch ansehen muss" gewesen sein sollte: Bitte Ironiemodus einschalten. "The Torture Never Stops" ist ein außerordentlich gut verträgliches Filmdokument und für sein hohes Alter von 29 Jahren ausgesprochen gut erhalten. Dass man sich durch zwei Stunden Zappa nichtsdestotrotz arbeiten muss, ist hoffentlich unbestritten. Der Banddirektor und Tyrann hat wohl nie in seinem Leben auch nur einen Ton dem Zufall überlassen, so improvisiert vieles auch klingt, entsprechend anstrengend ist auch dieses Konzert.
"The Torture Never Stops" entstammt dem dritten von drei Halloween-Konzerten Ende Oktober 1981 in New York, die beiden anderen wurden offenbar von MTV gesendet. Spektakuläres bekommt man selbstverständlich nicht zu sehen, nur sieben hochkonzentrierte Premiummusiker, die sozusagen von des Meisters Notenblatt ablesen und ihre Parts geradezu wahnwitzig perfekt abliefern. Es ist atemberaubend, was Zappas Band #8 (so die Geschichtsschreibung) leistet, auch wenn man beispielsweise den damals erst 21-jährigen Schlagzeuger Chad Wackerman gerne fahrlässig am zehn Jahre älteren Kraftbolzen Terry Bozzio maß. Zappa hatte immer nur Weltklassemusiker um sich, die seinen strikten Vorgaben folgen mussten. Entsprechend bizarr sind auch auf dieser DVD manche Ausflüge Zappas. Wo er die Band dirigiert und bis in die letzte Note gängelt, bietet er selbst verschiedentlich reine Gitarrenanarchie. Sekunden später wird das Orchester wieder mit dem Taktstock angefuchtelt. Der war schon ein Vogel.
Sehr schön ist, dass man auf "The Torture Never Stops" einen jungen Steve Vai erleben kann, der genau wie alle anderen Musiker vollkommen unter der Ägide des Chefs steht. Keine einzige Note zuviel wird ihm zugestanden. Würde sich Vai doch nur heute an solche Beschränkungen halten. Stevie's Spanking war keine schlechte Idee ;-)
Ebenfalls erwähnenswert sind der Gitarrist und Sänger Ray White, der seine Soulstimme mehrfach überaus wirkungsvoll einsetzen darf, sowie der Bassist Scott Thunes, der, heute gerade 50 Jahre alt, inzwischen leider aus dem Musikbusiness ausgestiegen ist, obwohl er wohl einer der kreativsten Bassisten in Zappas vielen Bands war.
Das gebotene Programm ist ein für Zappa eher populär gehaltenes und speist sich zu einem guten Teil aus der "kommerziellen" Phase ab 1979, also den Platten "Sheik Yerbouti", "Joe's Garage", "Tinseltown Rebellion" und vor allem dem gerade erschienenen "You Are What You Is", ein wenig Promotion musste schon sein. Die Trilogie "Shut Up 'N Play Yer Guitar" war ausgenommen, es waren eh schon genügend Gitarrensoli im Set eingebaut. Insgesamt ist "The Torture Never Stops" also eine leicht verdauliche Zappa-DVD, die auch für Anfänger interessant ist, denn die Kombination aus anhörbarer Musik, exorbitanter Bühnenpräsenz und technischem Können ist natürlich ein Fall für den - privaten oder schulischen - Musikunterricht. Dazu noch der herrlich abseitige Humor (Suicide Chump) des Mannes mit der markanten Nase - fertig ist ein Spaß auf höchstem Niveau.
Zappa nimmt sich sogar Zeit, von der Bühne herunter Devotionalien zu signieren, setzt sich absurde Antennen und Helme auf den Kopf und spielt mit einem aus dem Publikum gereichten Slip, tja, Broken Hearts Are For Assholes

Wer Zappa und Band einfach nur live sehen möchte und nicht auf die ganz verkopften Werke besteht, ist bei "The Torture Never Stops" eindeutig richtiger als bei der qualitativ und quantitativ um Längen schwächeren Live-DVD "Does Humor Belong In Music?" aus dem Jahr 1984. Genial war Frank Zappa auch mit seiner "Popmusik" der frühen Achtzigerjahre, normale Musikfreunde können gut und gerne auf den späteren E-Musik-Crossover und den früheren MOTHERS-Wahnsinn verzichten. Mit den zwei aus irgendwelchen Gründen in den "Extras" versteckten Nummern dürfte das Konzert übrigens vollständig sein, also insgesamt beinahe 2 1/4 Stunden Vollbedienung. Außerdem gibt es noch das Video zu You Are What You Is. Die Photogalerie ist wie fast immer verzichtbar.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 15.12.2010

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