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Southern Spirit

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Southern Spirit
Southern Spirit, Eigenproduktion, 2000
Fokko "Skinny" Kras Lead Vocals, Guitar
Foppe Hof Guitar
Harry Hof Drums
Richard van der Zee Bass, Vocals
Produziert von: Gasoline Länge: 53 Min 27 Sek Medium: CD
1. Cross To Bear (4:09)7. Carry On (9:16)
2. When You're Gone (5:32)8. All We Got (3:49)
3. That Day, I Lost A Friend (5:29)9. My Hometown (6:20)
4. Over For Me (5:12)Bonus Track:
5. Born To Be A Fool (5:30)10. Southern Ground (3:32)
6. Take It Easy (4:49)

Am 06. August 2002 starb Sänger und Gitarrist Fokko "Skinny" Kras bei einem Motorradunfall.
R.I.P. Skinny!

Die beiden letzten Jahre waren gute Jahre für den Southern Rock.
Gut, manche Oldtimer-Band hat irgendwie ausgedient, aber dafür gibt es einen Haufen spannender Newcomer.
Catawompus, Alligator Stew, Lizard (nicht mehr ganz neu, aber dafür besser denn je), Iron Horse (nicht wirklich southern, aber knackig), Dan Baird (wieder da) und etliche andere bringen wieder richtig Spaß.

Und GASOLINE ebenfalls. Die Band kommt aus den Niederlanden, besteht seit 1992 (in unveränderter Besetzung!) und hat, nach 2 Demos und ihrer Debut CD "One Good Day", jetzt ihren zweiten Longplayer draussen.

"Southern Spirit" ist keine leere Worthülse. Diese Platte IST southern!
Sie fährt sofort ein, animiert zum Zuhören, fasziniert mit tollen Einfällen, langweilt nicht die Bohne, obwohl man durchwegs traditionellen Southern Sound hört, und sie besticht mit ganz hervorragenden Musikern.

Vorne weg ist man begeistert vom Sänger. Fokko "Skinny" Kras hat eine phantastische Stimme. Irgendwo zwischen Gregg Allman, Bruce Brookshire und (vor allem) Warren Haynes röhrt er sich durch die Songs.
Dazu kommen beide Gitarren, entweder extra scharf (bei den elektrischen Songs), oder ganz hervorragend gefühlvoll akustisch. Erstere Nummern erinnern immer wieder an Blackfoot, ZZ Top (in einem anderen Leben zu einer anderen Zeit), Lynyrd Skynyrd und die Allman Brothers, die akustischen sind eher in der prä-Haynes Ära bzw. Skynyrd zur "Last Rebel" Zeit anzusiedeln.

"Southern Spirit" ist keine Hochgeschwindigkeits-Haudrauf-Boogie-Platte. Dafür sind die Songs viel zu ausgearbeitet, vertrackt und gut gespielt.
Viele viele zweistimmige Gitarrenparts (elektrisch, akustisch oder "geslidet"), meisterhaftes Drumming und der Verzicht auf jeglichen Schmalz, sorgen für 53 Minuten puren Southern Rock. Und zwar ohne irgendwelche (New) Country Einflüsse und Fender Gitarren.

Den Zusatz im Booklet All Songs recorded allmost live at Harry's Bedroom" kann ich nicht ganz glauben. Sicher, man hört, dass es sich nicht um eine 3 Millionen Dollar-Produktion handelt, aber eine 2 1/2 Zimmer Wohnküche mit Schlafkoje dürfte diesen Sound auch nicht hergeben. Ich halte das für Understatement.

Es ist sehr schwer, einzelne Songs herauszuheben. Dafür ist die Platte zu homogen. Aber der Opener Cross to bear, mit seinem Gitarrensperrfeuer, That day, I lost a friend, ein wunderschöner Song über "Skinny's" Vater mit Gänsehautgarantie, Take it easy und All we got als Lagerfeuersongs mit traumhaften akustischen Gitarren, der Bonus Track Southern ground (natürlich geklaut, aber das gut) und das neunminütige Carry on, das Warren Haynes als Inspiration verwenden dürfte, wenn ihm für seine Gov't Mule nichts mehr einfällt, sind meine Lieblingssongs.

Damit würdige ich die anderen Songs nicht herab. Die Platte hat keinen einzigen Durchhänger. Alle Songs sind selbst geschrieben, sind auf absolut überdurchschnittlichem Niveau und geben der Langeweile, trotz recht langen Spieldauern, keine Chance. Man höre nur mal den tollen Bass bei My hometown, der sich mit den Schulbuch-Gitarren eine heiße Schlacht liefert.

"Southern Spirit" ist eine zeitlose Platte, die in meinen persönlichen Southern Rock Top 10 der letzten Jahre ziemlich weit oben rangiert. Super!

Jetzt schreibe ich knapp 500 Wörter über eine CD aus Holland und habe nicht ein einziges Wort über Rudi Carrell, Wohnwagen, Edamer, seltsames Gemüse, Coffee Shops oder Tulpen verloren. Toll! Gell?

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 05.10.2001

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