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Ian Gillan

Live In Anaheim

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All Music Guide (englisch)

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Live In Anaheim
Live In Anaheim, Thompson Music/Edel Records, 2007
Ian Gillan Vocals & Harmonica
Rodney Appleby Bass & Background Vocals
Randy Cooke Drums
Michael Lee Jackson & Dean Howard Guitars
Joe Mennonna Keyboards, Saxophone & Background Vocals
Gast:
Michael Bradford Guitar (Rivers Of Chocolate, Smoke On The Water, Trouble & Knocking At Your Back Door)
Produziert von: Nick Blagona Länge: 102 Min 46 Sek Medium: Do-CD
CD 1:
1. Second Sight6. Wasted Sunsets
2. No Laughing In Heaven7. Not Responsible
3. Into The Fire8. No Worries
4. Hang Me Out To Dry9. Rivers Of Chocolate (aka G Jam)
5. Have Love Will Travel10. Unchain Your Brain
CD 2:
1. Bluesy Blue Sea6. Men Of War
2. Moonshine7. Drum Solo
3. Texas State Of Mind8. Smoke On The Water
4. Sugar Plum9. Trouble
5. When A Blind Man Cries10. Knocking At Your Back Door

Man müsste längst Sir zu ihm sagen, aber vermutlich wäre ihm das eher unangenehm, weil man sich als Sir nicht mehr im persönlich bequemsten Schlabberoutfit auf die Straße trauen kann und schon gar nicht barfuss auf den Bühnen irgendwelcher mittelgroßer Clubs herumtänzeln sollte, von den Besuchen im Lieblingspub ganz abgesehen. Und am Schluss kommen noch horrende Forderungen von abgelegten Gattinnen auf einen zu. Frag nach bei Sir McCartney. Ian Gillan mag es mehr entspannt und gemütlich, nimmt sich gerne mal einen Urlaub von PURPLE und spielt mit Freunden seine Lieblingslieder. Das hat er vor zwei Jahren mit der CD "Gillan's Inn" gemacht und sich anschließend die Kernbesetzung dieses 40-Jahre-Ian-auf-der-Bühne Jubiläumsalbums geschnappt und 25 Konzerte in Amerika und Kanada gebucht. Im House of Blues in Anaheim wurde am 14. September 2006 eines dieser Konzerte aufgenommen und gefilmt. Die DVD erscheint wohl demnächst, aber in diesem Fall darf man sich getrost beide Formate genehmigen, weil so viel Gaudi selten ist.

Bekanntlich wird man von Livemitschnitten von DEEP PURPLE und sämtlichen Ablegern in den letzten Jahren inflationär überschüttet, aber bis vielleicht auf "Live At Montreaux" hinterlassen alle einen leicht faden Nachgeschmack. Mal stimmt der Sound nicht, mal ist die Performance lustlos bis fragwürdig, meist hört man nur die schon zigfach veröffentlichten Standards. Darauf hatte Gillan diesmal keinen Bock und bastelte sich eine Spaß-Setlist. Auch wenn Smoke On The Water nicht fehlen darf, es sind so viele selten bis nie gehörte Zuckerl in den knapp eindreiviertel Stunden enthalten, dass man konzentriert bleiben muss, um die Reise durch die Musikgeschichte fehlerfrei nachvollziehen zu können. Besonders auffallend ist, dass Gillan nach wie vor nicht gewillt ist, sich ausschließlich auf der Vergangenheit auszuruhen, er baut neue Nummern ein, auch wenn die "nur" vom Soloalbum seines Gitarristen Michael Lee Jackson stammen und eine davon, Have Love, Will Travel, auch noch ein Richard-Berry-Cover aus dem Jahr Schnee ist.
Ebenfalls auffallend ist die enorme Qualität der Band, die selbst besagtes Smoke On The Water kackfrisch und anmachend abliefert. Mit Schrecken erinnert man sich an manche Version früherer Gillan-Kapellen, die oftmals im Holzhackerstil jeden Groove der Klassiker erschlugen. Besonders hervorzuheben ist auf "Live In Anaheim" Joe Mennonna an den Keyboards, mit einigen formidablen und niemals aufdringlichen Ideen, und das nicht nur bei Smoke…. Ab und an bläst er auch noch ins Saxophon und belebt die Sache zusätzlich. Gillan erklärt zwischendurch, dass er Mennonna bei den Aufnahmen zur LP "Accidentally On Purpose" (GILLAN & GLOVER, 1988) kennen lernte. 20 Jahre später hat er ihn in seinen Tourbus gesteckt.

Die GILLAN-eigenen Klassiker wie No Laughing In Heaven, Unchain Your Brain oder Men Of War hat man nie so seriös und trotzdem knallig gehört, die Zeiten des Heavy Metal sind gottlob vorbei, jüngere Kompositionen von den Soloalben wie Hang Me Out To Dry, okay, "Toolbox" ist auch schon 17 Jahre alt, zeigen endlich ihre Größe, die sie aufgrund der Nichtbeachtung in den Neunzigern nie entfalten konnten, und die dazwischen gestreuten Oldies und Gimmicks machen die Performance zur Party. Die Band drückt dem Hörer rechts einen funky Jam rein, knallt ihm links ein Kleinod wie Bluesy Blue Sea auf die Backe (was für ein Unterschied zur Darbietung auf "Live Wembley 17th December 1982" ) und stellt ihn mit einem Rock'n'Roll Uppercut in Form von Trouble wieder gerade hin, um ihm zum Schluss kräftig wohin zu treten. Knocking At Your Back Door.
Es ist nicht nur die beste Gillan-Band bisher, es ist auch seine mit Abstand beste Liveplatte. Außerdem ist Sir Ian immer noch ein Sangesgott. Und wenn er über seine Trinkgewohnheiten erzählt, klingt das fast so lustig wie der 90. Geburtstag von Miss Sophie in "Dinner for One".

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 27.03.2008

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