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| Mighty High, Blue Rose Records/ATO Records, 2007 |
| Warren Haynes |
Guitar & Vocals |
| Matt Abts |
Drums & Percussion |
| Danny Louis |
Keyboards, Trumpet & Guitar |
| Andy Hess |
Bass |
| Gäste: |
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| Willi Williams & Toots Hibbert |
Additional Lead Vocals |
| Michael Franti |
Freestyle Vocals |
| Machan & Elaine Caswell |
Background Vocals |
| Pam Fleming |
Trumpet |
| Jenny Hill |
Saxophone |
| Buford O'Sullivan |
Trombone |
| Gordie Johnson |
Rhythm Guitar |
| Produziert von: Warren Haynes & Gordie Johnson |
Länge: 66 Min 55 Sek |
Medium: CD |
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| 1. I'm A Ram | 8. Unblow Your Horn |
| 2. Rebel With A Cause (Featuring Willi Williams) | 9. Unthrow That Spear (Featuring Michael Franti) |
| 3. Horseflies | 10. So Ram So Rong |
| 4. The Shape I'm In | 11. Outta Shape |
| 5. Play With Fire (Featuring Michael Franti) | 12. Reblow Your Mind |
| 6. Hard To Handle (Featuring Toots Hibbert) | 13. Plasticine Era (Featuring Willi Williams) |
| 7. Hard To DubYa | |
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Hatte sich jemand um GOV'T MULE Sorgen gemacht? Hörte man nach den letzten wenigen Europa-Konzerten leise Kritik? Fanden gar einige Hardcorefans das letzte Album "High & Mighty" nicht unendlich genial? Tja nun, allen kann man es nicht recht machen, der, gelinde gesagt, aus den Kinderschuhen entwachsenen Jam-Gemeinde ohnehin nur schwer. Und genau der haut Warren Haynes völlig ungeniert ein ganz übles Ding vor die Backe.
"High & Mighty" wurde zu "Mighty High" und es ist, böse böse, Reggae! Gut, nicht nur Reggae, da ist auch viel Dub und etwas Jam und eine Ladung Rock mit dabei, aber kann das einem Mulehead gefallen?
In der Tat konnte man sich nach "High & Mighty" Gedanken machen, ob Haynes diesen Standard halten kann. Der Schwerarbeiter und omnipräsente Genius war an einem Niveau angekommen, das eine Steigerung kaum noch möglich machte. Aber Stillstand ist nicht Haynes' Sache, also dreht er sich einmal um die eigene Achse und macht was er schon lange tun wollte. Live tat er es sowieso seit Zeiten und dokumentierte dies auf der dreiviertelstündigen (!) EP (?) "Mule On Easy Street" vom Oktober 2006. Natürlich gab es auf "High & Mighty" auch noch Unring The Bell, das schon seinerzeit zu manchen allergischen Reaktionen geführt hatte - und hier in der Extrem-Version als Rebel With A Cause und zwei weiteren Mixes aufersteht. "Mighty High" ist aber ein deutlich anderes Kaliber, gegen das "Mule On Easy Street" oder Unring… geradezu Sunshine-Reggae waren.
Es geht los mit einer hemmungslosen Roots-Version von Al Greens I'm A Ram. Roy Buchanan hatte die Nummer mal auf der Liste, die diskutablen BIG SUGAR ebenfalls, und deren Mastermind Gordie Johnson ist für die Aufnahme hier zuständig. Was für ein Groove, was für eine - MULE-typische - Präzision, was für individuelle Glanzleistungen - und alles gepaart mit der ebenfalls typischen Power von GOV'T MULE. Knapp acht Minuten pure Musikleidenschaft.
Leider, für die Puritaner, geht es so weiter. Die Dub-Version von Unring The Bell/Rebel With A Cause mag weh tun, aber sie zeigt in Willi Williams einen überraschend vitalen Reggae-Oldtimer, und sie geht an die Grenzen dessen, was eine weiße Band mit einem Reggae-Song machen kann. Fraglos werden (Rock-) Grenzen überschritten, aber in solch makelloser Perfektion Dub-Reggae zu hören, sollte für jeden Musiklehrling Pflicht sein.
Schwieriger mag das bei Horseflies sein. Dub in Reinform. Dub (dubbing) meint nichts anderes, als bestehende Songstrukturen zu verfremden, zu overdubben, sie zu verändern, teilweise mit zusätzlichen Instrumenten zu ergänzen, oder Instrumente oder Gesang auszublenden. So wurde aus Like Flies eben Horseflies, und es ist fürwahr anstrengend. Jedoch: Wo immer die Schlagzeugarbeit von Matt Abts herstammt, es ist unglaublich, welchen Groove ein Drummer erzeugen kann.
Kein bisschen weniger anstrengend ist anfangs die Psych-Funk-Acid-Version von THE BANDs The Shape I'm In. Doch aus der vorgeblichen Mühseligkeit entwickelt sich wiederum ein Spannungsbogen zwischen Maxi-Rhythmus und purer Faszination am Andersartigen. Die Musiker muss man nicht extra loben, es ist perfekt, wie die Band agiert. Tut sie auch in den ursprünglich live aufgenommenen Titeln Play With Fire von den ROLLING STONES und dem staunenswerten Hard To Handle von Otis Redding. Beide Aufnahmen wurden "gedubbt". Es wurden Gesang und Instrumente von anderen Aufnahmen verwendet, es wurde im Studio gezaubert, aber welch unglaubliche Faszination geht vom Ergebnis aus.
Zusätzliche Vocals und teilweise wahnwitzige Bläsersätze befördern etliche Nummern endgültig über jede gültige Rock-Grenze, machen die CD aber auch zu einer aufwühlenden Erfahrungsreise. Es gibt nicht viele Künstler, die so viel Mut zur Innovation ihrer eigenen Musik aufbringen, und bei den meisten scheitern die Versuche mangels Glaubwürdigkeit und/oder Konsequenz. Warren Haynes steht nicht unter Verdacht, er hat sich lässig aus der Zwickmühle zwischen eingeforderter Konstanz und eigenem Anspruchsdenken befreit und wird demnächst sicherlich wieder ein "normales" GOV'T MULE Album vorlegen. Für diesmal ist ihm ein Geniestreich der anderen Art gelungen.
Der Grammy für das beste Reggae-Album 2007 ging übrigens an die überaus langweilige Platte "Mind Control" von Stephen Marley. Tja, Warren, den richtigen Vater müsste man haben…
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