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Dreamboat Annie Live

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Dreamboat Annie Live
Dreamboat Annie Live, Eagle Vision/Records, 2008
Ann Wilson Vocals, Flute, Percussion, Megaphone
Nancy Wilson Guitars, Vocals, Harmonica, Mandolin
Ben Smith Drums, Percussion, Tympani
Craig Bartock Guitars, Banjo, Backing Vocals
Debbie Shair Keyboards, Percussion, Backing Vocals
Ric Markmann Bass, Didgeridoo
Darien Sahanaja Vocals, Percussion, SFX, String Conductor, Vocal Arrangements
Jeffrey Foskett & Libby Torrance Vocals
The Stockholm Strings:
Malin-My Nilsson & Andreas Forsman Violin
Erik Holm & Nora Roll Viola
Anna Landberg Dager & Lena Bergstrom Cello
Produziert von: Carol Peters & Bill Cracknell Länge: ca. 96 Min (DVD) & 73 Min 32 Sek (CD) Medium: DVD & CD
1. Introduction (DVD)Encore (DVD):
2. Magic Man12. Mistral Wind
3. Dreamboat Annie (Fantasy Child)13. Goodbye Blue Sky
4. Crazy On You14. Black Dog
5. Soul Of The Sea15. Misty Mountain Hop
6. Dreamboat Annie16. Love, Reign O'er Me
7. White Lightning & WineBonus Features (DVD) - Live at the L.A. County Fair:
8. (Love Me Like Music) I'll Be Your SongMistral Wind
9. Sing ChildStraight On
10. How Deep It GoesBonus Tracks (CD) - Live at the L.A. County Fair:
11. Dreamboat Annie (Reprise)Love Alive & Isolation

Ist man ein HEART-Fan, wenn man a.) die LPs "Dreamboat Annie" und "Little Queen" liebt plus b.) die Songs Barracuda und Magic Man auf jeder dritten selbstgebrannten Party-Compilation zu Tode gespielt hat, jedoch c.) einen Gutteil des restlichen Ausstoßes der fulminanten Schwestern eher skeptisch betrachtet, weil da dann doch arg viel amerikanischer Schmus und Mainstream-Pop passiert? Oder ist man in diesem Fall nur ein hoffnungsloser Fall von starrsinnigem Rocker?
Egal, Nancy und Ann Wilson gingen vor genau einem Jahr den Weg, den auch schon Ronnie James Dio mit "Holy Diver Live" beschritt, nämlich einen Klassiker des frühen Schaffens Jahrzehnte später in Originalreihenfolge live aufzuführen und das Ergebnis auf DVD und CD zu veröffentlichen. Im Fall HEART ist es die atemberaubende erste LP "Dreamboat Annie", die im schönen Orpheum Theatre zu Los Angeles "nachgespielt" wurde.
Diese Versuche können aus geriatrischen Gründen schlimm in die Hose gehen, sind andererseits ohne Zweifel eine große Chance, weil erstens eine Menge junger Menschen mit Material konfrontiert wird, das sie bisher bestenfalls aus Papas Plattenschrank kennen, und für die alten Fans ist es die Gelegenheit, endlich alle Songs der verehrten Schallplatte live zu genießen. Außerdem bekommt man ein Konzept anstatt eines der üblichen Greatest Hits Programme.
Wie sieht das Ergebnis bei HEARTs "Dreamboat Annie" aus?

Als vor 30 Jahren in den Rockdiscos Magic Man gespielt wurde, übrigens vorzugsweise in einem Set mit AC/DC, LED ZEPPELIN und gerne Alex Harvey, ging das Publikum sofort steil. Eine solche Frauenstimme mitsamt einem derartigen Donnersound im Background kannte man nicht.
In den die DVD einleitenden Worten sprechen die Schwestern unter anderem über Frauenrollen in der Rockmusik seinerzeit. Als Europäer kann man ihnen nicht ganz folgen, vielleicht waren wir schon damals viel weiter als die Amerikaner, auf jeden Fall waren HEART selbst in unseren megaharten Machorockerkreisen (die härtesten von uns waren damals stramme 16) von Anfang an als astreine Abgehband akzeptiert.
2007 starten HEART ihr Retrokonzert also mit Magic Man und… das Publikum geht steil. Was für eine Power, was für eine Wucht, was für ein Gesang, und Nancy sieht an ihrer Gitarre immer noch oh so wundervoll aus. Magic Man ist einer der, natürlich, magischen Momente, in denen klar wird, dass wirklich geniale (Rock) Musik nicht alt und überkommen sein kann. HEART haben gewonnen, komme im Anschluss was auch immer.

Natürlich ist der "Rest" des Konzerts festgelegt, aber nach diesem Einstieg kann nichts mehr schief gehen. Crazy On You zeigt Nancy als sensationelle Artistin an der akustischen Gitarre und als Arschtreterin, Soul Of The Sea ist was es immer war, nämlich DIE Ballade, die LED ZEPPELIN nie geschrieben haben. Die STOCKHOLM STRINGS malen dazu dezente aber eindrückliche Geigenformationen und die Band neben den beiden Chefinnen läuft zur Hochform auf.
Die Band. In früheren Jahren war HEART mit bekannteren Namen bestückt. Mark Andes (SPIRIT, FIREFALL, JO JO GUNNE), Denny Carmassi (MONTROSE, Sammy Hagar, WHITESNAKE etc.) oder zuletzt Mike Inez (Ozzy, ALICE IN CHAINS) sind ein paar ehemalige Mitglieder. Heute bauen die Wilsons vorwiegend auf die Besetzung der letzten CD "Jupiter's Darling" aus dem Jahr 2004, und fahren damit mehr als gut. Speziell Gitarrist Craig Bartock lässt aufhorchen, aber auch der völlig unspektakulär aussehende Schlagzeuger Ben Smith macht mit seinem zurückhaltend-präzisen Drumming Laune. Am Keyboard gibt es mit Debbie Shair eine ganz neue Nase, aber eine mit lustigen Zöpfen und dem Feeling für die alten Songs. Und zuletzt ist mit Darien Sahanaja im Hintergrund ein kleiner "Musical Director" am Werk, der manche Fäden zusammenzuhalten scheint. Außerdem sieht er ein wenig wie Prince aus.

Nun sind 40 Minuten Spielzeit der Originalplatte natürlich nicht abendfüllend, also gibt es zur Zugabe ein paar Coversongs und Mistral Wind vom 78er-Album "Dog & Butterfly". Um es deutlich zu sagen: An die Intensität eines White Lightning & Wine (Opener der zweiten LP-Seite von "Dreamboat Annie") kommt die Band dabei nicht mehr heran. Warum? Es sind nicht die eigenen Songs! Dennoch, Ann Wilson packt den Hörer mit ihrer unglaublichen Stimme so am Schopf, dass man ohne Unterlass erschauert. Zum Beispiel für FLOYDs Goodbye Blue Sky ist die Band zu amerikanisch, Ann hingegen göttlich. Black Dog lässt den finalen Gitarrenexzess vermissen, obwohl Ann wiederum in einer unbegreiflichen Leichtigkeit brilliert. Der Misty Mountain Hop funktioniert gleich im Anschluss reibungs- und abnutzungslos, das Solo von Nancy Wilson und Craig Bartock ist perfekt, und ganz zum Schluss steigert sich Townshends Love, Reign O'er Me aus "Quadrophenia" zum erhofften Orgasmus. Was für eine Sängerin.

Bonus Material gibt es auch, Interview und Statements der Ladies natürlich, Meinungen von Fans. Alles unwichtig, es zählt nur der Hammereindruck des Konzerts. Und genau deswegen hat man sich die DVD zu kaufen, weil der Sound auf der CD nicht in 5.1 kommt und obwohl es mit dem glänzenden Love Alive von "Little Queen" und Isolation zwei zusätzliche/abweichende Songs gibt.
Applaus, Applaus, Applaus.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 18.04.2008

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