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| Man Overboard, New West Records/Blue Rose Records, 2009 |
| Ian Hunter |
Vocals, Acoustic & Electric Guitar, Harmonica, Piano |
| Jack Petruzzelli & James Mastro |
Electric Guitar |
| Andy York |
Guitar & Backing Vocals |
| Andy Burton |
Piano & Organ |
| Paul Page |
Bass |
| Steve Holley |
Drums & Percussion |
| Produziert von: Andy York & Ian Hunter |
Länge: 47 Min 27 Sek |
Medium: CD |
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| 1. The Great Escape | 7. Flowers |
| 2. Arms And Legs | 8. These Feelings |
| 3. Up And Running | 9. Win It All |
| 4. Man Overboard | 10. Way With Words |
| 5. Babylon Blues | 11. River Of Tears |
| 6. Girl From The Office | |
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Ian Hunter ist anders als andere Kinder in seinem Alter.
Ersetze nun 'Kinder' mit 'Musiker' und hinterfrage, wie viele Musiker mit 70 Jahren noch nennenswerte Kreativleistungen vollbringen, dann weißt du, warum Herr Hunter anders ist.
Eigentlich verblüffend rasch nach dem 2007er "Shrunken Heads" erscheint dieser Tage mit "Man Overboard" das 12. Solo-Album des großen Charismatikers. Das zwölfte Album seit 1975. Damit wird vielleicht etwas klarer, warum Ian Hunter noch immer vernünftige neue Songs zustande bringt, anstatt zahn- und kraftlos mümmelnd die Erfolgsrezeptur vergangener Jahre zu wiederholen. Ian Hunter ist nicht verbrannt, er hat sich Zeit gelassen und in all den Jahren nie Schnellschüsse auf die Menschheit losgelassen. Insofern verbietet sich auch die Frage nach der Notwendigkeit der Reunion von MOTT THE HOOPLE vom 1. bis 6. Oktober 2009 im Londoner Hammersmith Apollo. Hunter findet die Idee spannend, und damit ist gut. Basta.
Interessant ist folgendes Zitat aus dem Promotext der (mal wieder) neuen Plattenfirma: "Etwas mehr Konstanz und Gradlinigkeit am Ende seiner langen Karriere kann sicher nicht schaden." Damit ist die Geistesverwandtschaft von "Shrunken Heads" und "Man Overboard" gemeint, aber es wird eben auch die Qualität der Werke davor angezweifelt. Darf eine Plattenfirma das? Nein, denn auch wenn ein Künstler subjektiv schwache Werke abliefert, hat er doch sein in dieser Phase Bestes gegeben. Punktuell können Kritiker ihr (ebenfalls subjektives) Urteil abgeben, aber es ist impertinent, wenn man einem Ian Hunter a.) Wankelmütigkeit, b.) schwache Leistungen und c.) eine zu Ende gehende Karriere attestiert. Die ROLLING STONES agieren seit 33 Jahren konstant stagnierend, wenn man "Black And Blue" als letztes künstlerisches Lebenszeichen anerkennt. Was kam danach? Bei dem noch ein paar Jährchen "reiferen" Hunter ging es erst richtig los, als die Gesichtsbaracken um Mr. Krampfhaftjung beschlossen, sich bis ans Ende aller Tage ausschließlich aufs Geldverdienen zu beschränken. Der Unterschied sind diverse Milliönchen auf dem Konto und so grandiose Alben wie "You're Never Alone With A Schizophrenic" von 1979 und die nachfolgenden. Fraglos bedient sich Hunter auch diesmal wieder der epochalen Führungsfiguren STONES, Springsteen oder Dylan, aber er tritt dabei kraftvoller, wortgewaltiger und (akustisch) verständlicher auf als die Stadion-Heroen es unter ihrer goldenen Käseglocke noch können - Ian Hunter ist und bleibt der größte unter den 'kleinen' Songwritern, das belegt "Man Overboard" zweifelsfrei. Da können auch Billy Joel und Randy Newman einpacken.
Nichts, wirklich gar nichts ist experimentell auf diesem Album, aber ein so herrlich entschlackter Akustikstomp wie The Great Escape führt auch den letzten Neuling wundervoll in die Welt des Ian Hunter ein. Klitzekleine und perfekt gesetzte E-Gitarrensprengsel machen Feuer, die seit Jahrzehnten bekannten Nanana-Chöre geben die Würze. Up And Running braucht keinen zusätzlichen Chili, das Ding rockt geradezu bösartig. Ach ja, hätte His Bobness auf "Together Through Life" auch nur einen Song der Güteklasse Man Overboard hinterlassen, das Urteil des Rentnerfressers aus München-Untergiesing/Au wäre gnädiger gewesen.
Die Band ist natürlich prima, subtil, präzise, geschmackvoll, aber vor einem den Babylon Blues schreienden Ian Hunter geht man auf die Knie. Es ist dies einfach nur perfekte Rockmusik, wie man sie als vor vielen Jahren sozialisierter Fan liebt.
Einen Wunsch gäbe es noch: zu Girl From The Office hätte man gerne ein kleines Video. Großer Pop mit anrührendem Inhalt intelligent gemacht, das möchte man den Herren von MTV gerne unter die ignorante Nase halten.
Möglicherweise mag nicht jeder alle 11 Songs, ein oder zwei eher langweilige Nummern sind wohl zu finden und ein dritter hart rockender Song wäre schick gewesen, aber wer sich nach These Feelings nicht endgültig vom Bruce-Boss abwendet, darf weiterhin Eintrittspreise jenseits der Schmerzgrenze für das singende Designer-Flanellhemd bezahlen. Wir nehmen lieber "the real thing" und bedanken uns bei Ian Hunter Patterson für noch ein großartiges Album.
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