HoR Logo kl CD-Review:

Interstate Blues

El Diablo

Logo Home-of-Rock

El Diablo
El Diablo, Eigenvertrieb, 2005
Jamie Purpora Guitar, Vocals
Jeremy Crowther Drums
Roger Brown Bass
Produziert von: Jamie Purpora Länge: 42 Min 21 Sek Medium: CD
1. Too Far Gone5. Succubus
2. Deny6. Clown
3. Soul Vampire7. I Can Hear The Words Now
4. El Diablo8. Goodbye Old Friend

11 Jahre und 6 CDs schlagen sich Jamie Purpora und seine Band INTERSTATE BLUES aus Los Angeles schon durch. Für eine Independent-Band eine reife Leistung und scheinbar hat Herr Purpora nicht vor, irgendwas an der Situation zu ändern. Und mal ehrlich, würde es Sinn machen? Mit einem kräftigen Mailorder wie CD Baby in den Staaten und jetzt mit Just For Kicks Music in Deutschland hat eine solche Band vermutlich keine schlechteren Verkaufschancen als mit einer lauwarmen Plattenfirma mit mäßigem Vertrieb und noch mäßigerer Promotion - und die Einnahmen pro verkaufter CD sind deutlich höher.
Nur eines ist Purpora auf dem langen Weg abhanden gekommen und das schmerzt: Der vorzügliche Hammondsound von Keyboarder Erik Sabo. Der hatte das vorletzte Album "Southern Lips" (2000) und dessen Vorgänger "Velvet" (1998) ganz maßgeblich mitgeprägt. Das 2003er Werk "White Lightning" ist mir leider nicht bekannt. Jetzt sind INTERSTATE BLUES also ein reinrassiges Trio und, zugegeben, ich hatte einige Hördurchgänge mit dem Verlust zu kämpfen.

Hammond hin oder her, Jamie Purpora ist trotz allem Traditionalismus ein hervorragender Songwriter und die Band verfolgt mit "El Diablo" weiterhin einen hart rockenden Weg irgendwo zwischen DEEP PURPLE, Stevie Ray Vaughan und Johnny Winter. Andere Ähnlichkeiten mit beispielsweise CREAM, einer bluesigen Version von BLACK SABBATH oder einer Brachialausgabe von ZZ TOP sind zwangsläufig, schließlich ist fast jede Band vergleichbarer Bauart von denen beeinflusst.

Purpora hat einen leichten Hang zum Dunklen, Morbiden und Nachdenklichen in seinen Texten und setzt das auch in den schweren, wie eine mächtige Welle dahinfließenden Kompositionen um. "El Diablo" ist keine fröhliche Kopfnick- und Biertrinkmusik, eher mit der Schwermütigkeit eines Warren Haynes vergleichbar, jedoch in weit höherem Maße eingängig. Soll heißen: Auf "El Diablo" finden sich mindestens fünf ausgemachte Ohrwürmer, die man kaum mehr aus dem Kopf bekommt, wenn sie sich erstmal festgefressen haben. Natürlich ist er daneben auch ein ausgemachter Saitenwizard, übertreibt die Zurschaustellung seines Könnens glücklicherweise aber nie. Und er beherrscht all die Tricks, mit denen man die Aufmerksamkeit des Hörers sofort erreicht. Hier ein kleines Quietschesolo, da ein Gitarre-Gesang Wechselspielintermezzo, dort ein Riff - alles aus der kleinen Rock & Roll Suchtberatungsfibel und 100% toxisch.

INTERSTATE BLUES sind eine schöne Konstante im Hardrock geworden und benötigen zum Glück keine albernen Showeffekte oder aufdringlichen Kreischorgien. Hier reichen drei Musiker und ihre Songs zum Spektakel.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 16.09.2005

Sagt uns die Meinung zu diesem Artikel oder ergänzt oder verbessert ihn:

 
© Home of Rock 2001 - 2008, Impressum