HoR Logo kl DVD-Review:

Joe Cocker

Live At Montreux 1987

Logo Home-of-Rock
Startseite > CD-Reviews > Joe Cocker > Live At Montreux 1987

Live At Montreux 1987
Live At Montreux 1987, Eagle Vision, 2005
Joe Cocker Vocals
Charles Girodano Piano
Ric Cunningham Saxophone, Keyboards
Cliff Goodwin Guitar
Eric Parker Drums
John Troy Bass
Larry Marshall Organ, Keyboards
Maxine Green & Janice Hughes Vocals
Länge: ca. 73 Min Medium: DVD
1. Dear Landlord8. Seven Days
2. You Can Leave Your Hat On9. Shelter Me
3. Feeling Alright10. With A Little Help From My Friends
4. Civilised Man11. You Are So Beautiful
5. Inner City Blues12. Watching The River Flow
6. Just Like Always13. Guilty
7. Up Where We Belong

Irgendwie hat er wieder die Kurve gekriegt, damals. Ja ja, seine so genannten Comeback-Platten wie "Sheffield Steel", "A Civilised Man" oder "Cocker" waren schon gut, eben ausgerichtet für den "Offizier & Gentleman"-Mainstreamkonsumenten und den heimlichen "9 ½ Wochen"-Voyeur, der sich schon immer einen Strip von Frau Basinger gewünscht hat und dann doch nur Helga in der Schürze bekam.
1987 war Joe Cocker 43 Jahre alt und eigentlich, nicht ganz unähnlich zu Eric Burdon, ein Relikt aus vergangenen Zeiten. Alt, kaputt und alkoholsüchtig - oder wenigstens latent gefährdet es wieder zu werden. Aber es waren die 80er, da nahm sich die VW-Golf-Schicki-Generation gerne den einen und anderen ehemals wilden Rocker als Maskottchen und ließ ihn, so er sich denn wenigstens halbwegs ins Radioformat einfügen wollte, ein wenig nach seiner Pfeife tanzen. Medizinisch ist dieses Phänomen als Tina-Turner-Syndrom bekannt. Natürlich war Tina Turner nicht alkoholsüchtig, aber dafür die Mutter Theresa des Pop - geschlagen und auferstanden aus Ruinen. Wie Cocker eben, und den holten sich die Spießer aus der Schweiz 1987 zu ihrem Festival nach Montreux. Und sie waren alle angemessen berührt vom Auftritt des desaströsen Chaoten Joe Cocker.

Aber warum eigentlich? Die Band war durchschnittlich und gnadenlos seelenlos, die beiden Frauen am (Backing-) Gesang produzierten sich als krähende Selbstdarstellerinnen (voran die eigentlich angesehene Maxine Green), Cocker fühlte sich vermutlich so alt wie er aussah, und das waren deutliche 20 Jahre mehr als in seinem Pass stehen, von der heutigen Night of the Proms-Streichelzoo-Berühmtheit war er eh noch weit entfernt und ob er auf den Grammy für sein Up Where We Belong-Duett mit Schmalznudel Jennifer Warnes wirklich stolz war - obschon das ein toller Beitrag zur Schuldentilgung aus vergangenen Zeiten war -, bleibt dahingestellt.
Irgend jemand hat in diesen Jahren die Weichen für Cockers späte Karriere gestellt und das ist für ihn vermutlich nicht das schlechteste gewesen. Für den Fan des frühen Joe Cocker ist die 87er Darbietung peinsam und teilweise sogar unerträglich. Ein Schlagzeuger, der sich als SCHLAGzeuger darstellt, ein Gitarrist, der sich in sämtlichen Posen des Rockgottes gefällt und darüber jegliches Gefühl für die Songs seines Brötchengebers vergisst und nur billige Gitarrenonanie-Klischees erfüllt, die angesprochenen Klageweiber und dazwischen Cocker, der wie gewünscht With A Little Help From My Friends brüllt und You Are So Beautiful schmachtet.
Ach ne, greift doch lieber zu "Mad Dogs & Englishmen" von 1970, da bekommt ihr einen echten Säufer und Bukowski des Rock mitsamt entfesselter Band, vornedran Leon Russell und eine Sängerin namens Rita Coolidge, die all den Coversongs wirklichen Soul verlieh. Mit dem glattgebügelten Abziehbild von 1987 braucht man sich nicht abquälen - außer man steht auf Freakshow, Vokuhila und Realschullehrerkultur.

Die Veröffentlichungen aus der Serie "Live At Montreux" sind größtenteils löblich und teilweise sogar historisch wertvoll. Das hier ist Crap für Autoradiohörer. Allerdings in guter Bild- und Tonqualität.

Format: DVD 5
Bildformat: 4:3
Tonformat: DTS Digital Surround Sound; Dolby Surround 5.1; PCM Stereo
Sprache: Englisch

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 13.09.2005

Sagt uns die Meinung zu diesem Artikel oder ergänzt oder verbessert ihn:
Startseite > CD-Reviews > Joe Cocker > Live At Montreux 1987

 
© Home of Rock 2001 - 2008, Impressum