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Welcome To JudasVille
Welcome To JudasVille, I Scream Records, 2004
Berry Hoogveldt Vocals, Guitars
Sander van Baalen Drums
Selim Lemouchi Guitar
J.J. Slijk Bass
Gast:
Bartman Double Bass (Fade Away)
Produziert von: Vince Destructo Länge: 38 Min 50 Sek Medium: CD
1. Excuse Me7. Come On Pretty Baby
2. Midnight Hour8. Frisco Breeze
3. 99 Bad Angels9. Tie Me Up
4. King Of Lies10. Fade Away
5. Put Me Down11. Dancing On Nothing
6. Hey Hey Hey

Wie viele Schweinerocker mag es wohl geben? Für meinen Geschmack viel zu viele. Und fast alle eint die Unfähigkeit, richtige Songs zu schreiben. Entweder man bezieht sich auf frühe Punkbands oder auf aktuelle Krawallkapellen aus Skandinavien. Dann wird drauflosgeschreddert was die Saiten hergeben, möglichst prollig rumgeplärrt und dem Hörer jederzeit das Gefühl größtmöglicher Trunkenheit vermittelt. Spätestens nach 10 Minuten langweilen mich diese dilettierenden Trendhopper in aller Regel. Man kann Rock & Roll natürlich interpretieren wie man will, aber ein bisschen Respekt möchte man schon erwarten. Ich persönlich hätte außerdem gerne Melodien und Hooklines, die länger als 3 Sekunden im Ohr hängen bleiben.

Genug genörgelt, jetzt haben wir ja JUDASVILLE. Eine neue Band aus Holland, die ihren ersten kurzen Longplayer vorlegt.
Die erste Nummer erweckt noch Misstrauen, trotz transparenter Produktion und erträglicher Geschwindigkeit ist Excuse Me kein echter Hingucker. Apropos Geschwindigkeit, so richtig Highspeed fahren die Wohnwagenurlauber eigentlich durchgehend nicht. Wie angenehm, man kann dann nämlich den - kurzen aber durchaus ansprechenden - solistischen Leistungen folgen, ohne sich eine Zerrung im Ohr zuzuziehen. Ergo: Punk ist auf "Welcome To JudasVille" eher nicht zu finden, vielmehr haben wir es mit einer ganz außerordentlichen Packung melodischen Rock & Rolls zu tun, die in mindestens 7 von 11 Fällen neben satten Riffs auch noch richtig klasse Melodien bietet. Holla, einen Ohrwurm wie 99 Bad Angels muss man erst mal hinkriegen. Nennt es von mir aus Rotzrock, ich sage Boogie dazu. Andere Holländer, wie z.B. Herman Brood oder NEW LEGEND (die Band mit Carl Carlton), hat man ja auch nicht als Rotzrock bezeichnet, bloss weil sie Rock & Roll mit Hirn, Herz, Eiern und Anspruch gemacht haben.

1993 gab es eine kurzlebige schwedische Band namens REBELENE. Deren einziges Album hieß "In The Middle Of Nowhere" und "Welcome To JudasVille" erinnert nicht nur wegen der Ähnlichkeit der Sänger frappierend an die erfolglosen Schweden (die seinerzeit übrigens als Sleaze Band verkauft wurden - wie sich die Schubladenetiketten im Zeitalter der Kleingeister doch ändern können...), sondern auch wegen den simpel-eingängigen Mitsingrefrains und den für durchschnittliche Punkbands nicht spielbaren zweistimmigen Gitarrenattacken. Beispielsweise in Put Me Down und Frisco Breeze klingt die Chose mehr nach THIN LIZZY oder einer wilden Southern Band (1880 fallen mir spontan ein), denn nach geifernden Punks.
Übrigens, dass bei Fade Away der Basser von PETER PAN SPEEDROCK rumort, ist mir reichlich wurst. Fakt ist, dass er mit seinem Gebolze den Song runterzieht. Keine Ahnung, warum gleich zwei deutsche Webzines in ihren CD-Besprechungen dieses Ereignis in gleichlautenden Worten bejubeln müssen. Die Band heißt zwar JudasVille, aber muss man sich deswegen direkt die Worte klauen?

Klasse CD einer Band, die sich hoffentlich in der Zukunft nicht als Rohrkrepierer herausstellt oder ihren Sound in Richtung Ackerbau und Viehzucht verändert.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 19.12.2004

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