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Live In London

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Live In London
Live In London, Steamhammer/SPV, 2002
Ripper Owens Vocals
Glenn Tipton Guitars
KK Downing Guitars
Ian Hill Bass
Scott Travis Drums
Länge: 129 Min 19 Sek Medium: Do-CD
CD 1:
1. Metal Gods8. One On One
2. Heading Out To The Highway9. Running Wild
3. Grinder10. Ripper
4. Touch Of Evil11. Diamonds & Rust
5. Blood Stained12. Feed On Me
6. Victim Of Changes13. Green Manalishi
7. The Sentinel
CD 2:
1. Beyond The Realms Of Death7. Turbo Lover
2. Burn In Hell8. Painkiller
3. Hell Is Home9. Hellion/Electric Eye
4. Breaking The Law10. United
5. Desert Plains11. Living After Midnight
6. You've Got Another Thing Coming12. Hell Bent For Leather

We go back in time... A long way back...
Meine Güte. Was ist das lang her...

1974 gab es die erste LP von JUDAS PRIEST (28 Jahre!). "Sin After Sin" war 1977 ein Hammerteil. Und die folgenden Vinyls waren allesamt geilster Heavy Metal (von 1978 bis 1987 produzierte übrigens Tom Allom, der auch DOC HOLLIDAY gemacht hat). Na ja, was halt damals als Heavy Metal bezeichnet wurde. Mir hat es gefallen, das tut es bis heute. 1986 gab es mit "Turbo" ein umstrittenes - für mich allerdings höchst gelungenes - Album mit zaghaften Synthesizer-Versuchen und dann war es vorbei. Die folgenden Scheiben ("Ram It Down" und "Painkiller") zogen mich nicht mehr hinter dem Ofen hervor. Zu heavy, zu schnell, zu sehr irgend welchen Trends hinterher gehechelt. Und das, wo grade "Painkiller" immer als Göttergabe gepriesen wird... Ich mochte die Platte nie.
Dann war Halford weg. Der neue Sänger interessierte mich nicht, "Jugulator" war schlecht, "Demolition" war ganz schlecht. Und außerdem langweilte mich diese öde, eintönige, immer gleiche Metal-Schiene eh maßlos. Und erst die Klamotten...

In den Magazinen las ich immer, mehr oder weniger amüsiert, die Statements der einzelnen Musiker. "...beste Scheibe aller Zeiten...", "...Ripper ist der beste Sänger den wir je hatten...", "...live killen wir alles und jeden...". Ja ja, schon gut. Ich habe Priest bestimmt 10x gesehen. Damals. Und es war irgendwann LANGWEILIG. Die "live" aufgenommenen LPs waren sowieso reine Studioprodukte und außerdem lebten die Herren eh nur noch von ihrer eigenen Legende (und dem nach wie vor gut verkaufenden Backkatalog).

Und jetzt also das. Vor einem Jahr, im Dezember 2001, wurde vorliegende Doppel-CD aufgenommen (DVD gibt es natürlich auch, man könnte ja doppelt verdienen - deswegen gibt es auch ein paar Videos auf dieser Doppel-CD extra). Ich leg sie auf, mehr oder weniger aus Neugier, denn die Songliste ist ausgesprochen retro, dreh den Regler nach rechts und harre der Dinge.

Uh, wow, das ist fett! Metal Gods, 22 Jahre alt, ballert gewaltig. Geiler Sound, da wurde wohl nicht mehr viel im Studio rumgefummelt - und wenn, dann gut.
Ein erstes und letztes Wort an dieser Stelle zu Ripper Owens: Nein, ich mag seine Stimme nicht besonders. Er bringt die Dinger nicht so rüber wie Halford. Ja, er kann singen. Möglicherweise besser als sein Vorgänger. Scheißegal, Owens ist Gegenwart, Halford war mal und demontiert sich bekanntlich inzwischen reichlich debil selbst. So what!
Heading Out To The Highway von 1981. So GEIL! Und dann Grinder... The Priest is back! K.K. und Glenn bringen Vollbedienung.
Ähm, kann es sein, dass Scott Travis an den Drums ab und an etwas hängt? Oder ist das der moderne Touch? Dann...

Natürlich kommen all die albernen Metal-Klischees daher. Pustewind vor Touch Of Evil, wo Ripper eh (wie öfter) schwer nach Dio klingt, ständige Publikumsanimationen ("What's my name?"..."Ripper!"..." What's my name??"..."Ripper!!"... This is a song called Ripper" - ein Glück, dass Ripper[l] nicht Schnitzel heißt und der Song von 1976 ist und Tim 1967 geboren wurde...). Oder die Harley vor Painkiller. Davon abgesehen kreischt Owens hier wie Udo Dirkschneider.
Andererseits, von diesen Klischees lebt Heavy Metal und die Fans sind wohl die treuesten und besten überhaupt. Man muss sich nur anhören, wie das Publikum bei den Klassikern abgeht. Egal ob bei Green Manalishi, Diamonds & Rust (übrigens zu Beginn in einer Lagerfeuerversion, die mir gar nicht gefällt), Breaking The Law oder dem alles überragenden Living After Midnight (auch wenn's gesanglich etwas "gehetzt" klingt). Die Crowd ist Hell Bent For Leather ohne Ende und ich werd 'nen Teufel tun und das lächerlich machen. Ich sitz ja selber da und bange mit dem Head wie bekloppt.

Also noch mal: Die Setlist ist ein Best Of-Programm mit einigen neuen Songs. Die sind nicht wirklich schlecht, kommen aber mit dem Frühwerk nicht mit. So einfach ist das. Die Evergreens waren, sind und bleiben unschlagbar. Irgendwie drängt sich der Verdacht auf, dass Priest eine Band der Vergangenheit ist. Trotzdem klingen sie auch heute noch geil. Und deswegen ist das hier eine wichtige Platte. Ich glaube, unter den Home of Rock Lesern gibt es viele, die Priest in ihrer "Jugend" mochten und denen es geht wie mir. Lasst uns also das Resthaar gemeinsam schütteln!

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 10.12.2002

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