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God & Guns

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God & Guns
God & Guns, Roadrunner Records, 2009
Gary Rossington Guitar
Johnny Van Zant Vocals
Rickey Medlocke Guitar
Mark Matejka Guitar
Robert Kearns Bass
Peter Keys Keyboards
Carol Chase & Dale Krantz Rossington Backing Vocals
plus:
Ean Evans
Billy Powell
Perry Coleman
Greg Morrow
Michael Rhodes
Rob Zombie
Bob Marlette
Produziert von: Bob Marlette Länge: 49 Min 57 Sek Medium: CD
1. Still Unbroken7. Floyd
2. Simple Life8. That Ain't My America
3. Little Thing Called You9. Comin' Back For More
4. Southern Ways10. God & Guns
5. Skynyrd Nation11. Storm
6. Unwrite That Song12. Gifted Hands

Tja, dies ist nun die berühmte eine CD zu viel. Die CD, die nie hätte passieren dürfen. Die CD einer Band, die schon lange keine Band mehr ist, bestenfalls eine Arge zum Zweck des Geldverdienens mit beliebig austauschbaren Zeitarbeitern. Schrecklich an dieser CD ist nicht nur die Musik, sondern vor allem, dass es sich um die neue - und hoffentlich endgültig letzte - Platte von LYNYRD SKYNYRD handelt. Obwohl, nein, dies ist nicht LYNYRD SKYNYRD, dies ist eine modifizierte VAN ZANT-Band, nur ohne Donnie Van Zant, dafür mit einem Dutzend bitterlich blutleerer Songs und einer unterirdischen Gitarrenfraktion, die zum allgemeinen Erschrecken immer noch aus Gary Rossington und Rick Medlocke plus Mark Matejka oder irgendwelchen anderen Stuntmen besteht - und dennoch auf "God & Guns" quasi nicht vorhanden ist. Oh Gott, was ist nur passiert, dass sich ausgerechnet LYNYRD SKYNYRD so blamiert?

Vor Monaten schon konnte man die unsäglich einfallslose Single Still Unbroken hören, auf "God & Guns" ist Still Unbroken der Opener und einer der drei besseren Songs. Im Vergleich mit einer schmierigen Ballade wie Unwrite That Song sogar ein Highlight. Es ist ein Desaster ohnegleichen, das SKYNYRD nun auf diesem Nashville-Kaugumminiveau angekommen ist. Mit Floyd, einem zahnlosen Swamp-Blues, geht es direkt ins nächste Kreativloch. Was ist das? Zur stumpfen Produktion kommen unbeschreibliche Keyboardteppiche und ein völlig erstarrt singender Johnny Van Zant. Banaler New Country folgt, dummerweise heißt das Ding auch noch That Ain't My America und es trieft vor und stinkt nach Dummheit und Chauvinismus. Da beklagt Van Zant doch glatt winselnd die Benzinpreise und den mangelnden Dank an die heldenhaften Truppen im feindlichen Ausland. Man könnte sich übergeben angesichts solcher Ausfälle. Reichen denn Vollpfosten wie Charlie Daniels und Ted Nugent nicht für die Nationale U.S.-Idiotenfront? Dagegen war Red White & Blue von "Vicious Cycle" nachgerade ein Bussiliedchen. Der Titelsong God & Guns hat übrigens eine ähnlich minderbemittelte Botschaft wie That Ain't…. Einzig Skynyrd Nation und Comin' Back For More gehen gut ab und zeigen, dass es sich um eine einstmals große Rockband handelt.

Am Songwriting waren Typen wie John 5 und Jeffrey Steele beteiligt (ein Country-Gruselmonster, das sich kürzlich als Fan von Miley Cyrus geoutet hat) und für den Titelsong bekommt sogar noch Hughie Thomasson Credits. Speziell bei den Inputs von John 5 erkennt man, wie verlogen dieses Business ist, denn dieser John Lowery geriert sich ansonsten als ganz schlimmer Unhold, der mit Müh und Not seine Tätigkeit bei Marilyn Manson überlebt hat und nur fies geschminkt auf die Bühne geht. Ach, wisst Ihr was, steckt euch doch euer ganzes albernes Gehabe geschmeidig wohin, LYNYRD SKYNYRD ist exakt gleich unglaubwürdig wie alle anderen an dieser fürchterlichen Produktion beteiligten Menschen.
Man muss wahrhaftig kein ewiggestriger Free Bird-Fan sein, um "God & Guns" zu verabscheuen, im Gegenteil, ein Blick in die zeitgenössische (Southern-) Rockmusik reicht, um die Sinnlosigkeit von Skynyrd-2009 zu erkennen. All die vorgeschobene Anteilnahme am Tod der früheren Mitglieder ist Lüge, denn diese heutige Band ist nicht einmal zu einem anständigen musikalischen Tribut fähig, sie produziert einfach seelenlosen Schrott, der alte Fans anwidern muss und definitiv keinen neuen Anhänger gewinnen wird. Außer er hat abstehende Ohren, Latzhose, den Namen John-Boy und kommt aus einem inzestuösen Kaff in der amerikanischen Provinz.

Die vorliegende Promo-CD enthält keinerlei Info über die wirklich beteiligten Musiker, wahrscheinlich ist aber, dass teilweise noch Aufnahmen mit Billy Powell und Ean Evans verwendet wurden. "God & Guns" ist kein schöner Abschied vom vorletzten Urmitglied und dem sympathischen Bassisten, aber ein Abschied von einer großen Liebe namens LYNYRD SKYNYRD, weil:
That ain't my Skynyrd!

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 07.09.2009

Ich hatte neulich Gelegenheit, mit Frank I. Seclear, Second Class Senior Road Manager Drums von SKYNYRD zu sprechen und ihn nach der neuen CD zu befragen. Er deutete an, dass sich Skynyrd nach all den Tragödien aufs Altenteil zurückziehen will, und zwar als Backing Band "of this famous German Rock Star Pater Muffel!" Es brauchte einige Zeit, bis mir klar wurde, das Peter Maffay gemeint war.
Peter Maffay? Der hatte ja auch schon Alvin Lee in seiner Band - das könnte Sinn machen. Aber warum? Frank meinte, Muffel gucke auf seinen Covern auch immer so finster wie Rossington; habe genauso viele Falten wie Rick M, wenn auch mehr Haare; spreche ein so schönes rollendes R; liebe Harleys...
Hmm, Frank - aber musikalisch?
Ja, da passe das auch. Muffel habe ja früher immer diese abgelutschten STONES-Riffs benutzt, und letztlich seien die Riffs auf der neuen CD von SKYNYRD ja auch in fast allen Fällen recycelt, trotzdem da John 5 soviel Neues beigetragen haben soll.
Aber, Frank, da sind doch Songs wie Little Thing, Skynyrd Nation, Floyd und Comin' Back For More und Storm, die doch einiges an Kraft und Saft haben (wenn auch kaum Neues bieten und mit den eigentlichen Skynyrds kaum was zu tun haben), und am Ende von Gifted Hands gibt's doch auch ein längeres Guitar-/Geige-Duell, was so auf Maffays CDs nicht vorhanden ist.
Naja, meint Frank, sie mussten ja nicht nur das erzkonservative Amerika bedienen (ihre Lieblingsklientel und Geldgeber) sondern auch weiterhin so tun, als ob sie eine sich entwickelnde Rockband sind, zumal nur noch ein Skynyrd übrig ist; da muss man eben auch nach neuen Kunden fischen, ohne die alten zu vergrätzen. Und da hätten sie eben auch diese neuen Songs aufgenommen, aber ihr Herz hänge wirklich eher an diesen Workingman-Songs, die seien ja auch so amerikanisch und ehrlich, und so. Und - die Skyns (nach einigen Bieren fing er an, das so 'fancy' abzukürzen, dass man kaum noch den eigentlichen Namen erkannte) wären ja eigentlich jetzt eine ganz neue Band. Lynskins, oder ähnlich, so wollte man in Zukunft firmieren. Peters Lynskins, Langskins, Langstrumpfs, Y'Know. Everyman's Band eben. "Someone said we could be Pee's Longstrumpfs, or so. Any idea what that means?"
Well, not quite, Frank. Thanks anyway for the talk.

Nachdem wir also wissen, wo es hingehen soll, fragte ich bei Peters Manager XXX (name not disclosed) nach, und der sagte, ja, es hätte Gespräche gegeben, aber Maffay hätte dann bei dem Text von God & Guns auf die Veranda gekotzt, und das wäre es dann gewesen. Er nähme jetzt wahrscheinlich doch die Stones - "Wir nennen sie dann Pete's Wheelchairs". Alle Achtung. Peter!
Zu dem Kotzen wollte er sich nicht näher äußern, aber das braucht er auch nicht - hört euch den Text an, und kurz bevor ihr doch noch alles runterschluckt und euch beherrscht, schiebt ihr This Ain't My America nach - Jungs, das wird eine Fete auf dem Klo. Bevor ich selber dorthin gehe - es ist nicht unbedingt schlimm, einen Text auf die Errungenschaften und Schönheiten seine Landes zu schreiben; aber das so blöd und mit so einem Kalkül zu tun, wie Van the Z das macht - das ist übel.

Würg… ach so, ja; die genannten Songs sind ok; und wenn die CD abgeschabt und billig auf dem Grabbeltisch zu finden ist, kauft sie und schickt ein Foto an die Band. Gebt keinen Cent mehr als 5€ aus - kauft die zurzeit auf dem Markt befindlichen Remasters (und weint eine Träne, denn Lennon hätte im Leben nicht so einen Mist geschrieben), oder die bei uns als Tipps angegebenen CDs - denn die verdienen es - oder eurer Freundin/Freund ein Geschenk. Alles besser.

Dietrich Gastrock, (Artikelliste), 12.09.2009

… und noch ein Statement…

Wohl über kaum eine andere Veröffentlichung ist in diesen Tagen soviel gesprochen, geschrieben, aber vor allem geweint worden wie über LYNYRD SYNYRDs "God & Guns". Jedes weitere Wort sollte deswegen völlig schwachsinnig und überflüssig sein - wenn es sich bei Lynyrd Skynyrd eben nicht um Lynyrd Skynyrd handeln würde. Schließlich ist diese Band mit dafür verantwortlich, dass solche Magazine wie das Home of Rock überhaupt gegründet wurden. Deswegen muss Lynyrd Skynyrd der Platz eingeräumt werden, den sie aufgrund ihrer Vergangenheit verdienen.

Irgendwie ist es merkwürdig: Trotz allem vibrieren einem voller Vorfreude die Nerven, wenn sich eine weitere CD der Südstaatenrock-Urgesteine ankündigt. So auch in diesem Sommer 2009. Nun ist die Platte raus, die Vorfreude ist verflogen und wir haben den Salat. Natürlich war nicht wirklich zu erwarten, die Mannen um Gary Rossington würden mit dem Albumtitel "God & Guns" die blinde Verbohrtheit schießwütiger amerikanischer Kreationisten aufs Korn nehmen, die meinen ihre Freiheit verteidigen zu können, in dem sie am Hindukusch eine Hochzeitsgesellschaft nach der anderen plätten, auch wenn mal der eine oder andere Tanklaster voll des geliebten Benzins kollateral betroffen ist.
Nein, offensichtlich meinen es die Herren diesmal auch in dieser Hinsicht ernst: lese Freds kluge Worte zu That Ain't My America. [Na, bezüglich der klugen Worte sind manche Leser aber ganz anderer Meinung. F.S.] Allerdings ist diese Tendenz nicht das Hauptübel von "God & Guns" - wenn es auch hilfreich wäre zu erfahren, ob Lynyrd Skynyrd so einen Dreck wirklich aus Überzeugung oder aus schnödem Opportunismus zusammenschreiben.
Vielmehr kriegen sie offensichtlich keine guten Songs mehr zustande. Da haben wir eben nicht nur so eine Art Kid Rock-Sommer-Hit-Cover (wirklich traurig, eine solche Volte schlagen zu müssen) namens Still Unbroken, oder den missratenen Versuch einer Swamp-Rock-Nummer mit dem Titel Floyd, die hoffentlich bald für immer im Schlamm versinkt. Nein, wir haben ein ganzes Album voller enttäuschter Hoffnungen, Ideenlosigkeit und der bitteren Erkenntnis, dass es das wohl jetzt gewesen ist.

Wenn man es mit "God & Guns" gut meint, kommt man zu dem Schluss, dass dies nicht mehr geworden ist, als eines der schlechteren .38 SPECIAL Alben. Falls man es allerdings Lynyrd Skynyrd schwerer machen will, als sie es mit diesem Ding ohnehin schon haben, stellt man fest, dass "God & Guns" irgend etwas sein könnte. So identitätslos kommt der Output daher, so unspezifisch. Einzig die markante Stimme Johnny Van Zants verfügt über Wiedererkennungswert.
Gibt es sonst auch nur eine Nuance, die wirklich an Lynyrd Skynyrd erinnert? Nö.
Haben Lynyrd Skynyrd früher mit innerem Feuer Songs gespielt, die ihre Altersgenossen restlos begeisterten, schafften sie es in den 90er Jahren mit Klasse-Alben wie "The Last Rebel" oder "Twenty" der Legende neue, ungewohnte Klasse einzuhauchen. Wo sie jetzt stehen, ist schwer zu sagen: Vielleicht irgendwo zwischen "RoR" (Republican oriented Rock) und "ACoR" (American Charts oriented Rock). Wie auch immer: Schade drum.

Olli "Wahn" Wirtz, (Artikelliste), 13.09.2009

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