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Hell In A Handbasket

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Hell In A Handbasket
Hell In A Handbasket, Sony Music, 2011
Meat Loaf Vocals
Justin Avery Piano, Organ, Keyboard, Synthesizer, Backing Vocals
Paul Crook Electric & Acoustic Guitars, Keyboard, Synthesizer, Loop Programming
Randy Flowers Electric & Acoustic Guitars, Backing Vocals
David Luther Saxophone, Backing Vocals
John Miceli Drums, Percussion
Danny Miranda Electric & Upright Bass
Patti Russo Lead & Backing Vocals
Gäste:
Bruce Bowden Pedal Steel (Stand In The Storm)
Caitlin Evanson Fiddle (Live Or Die)
Jerry Flowers Backing Vocal (Mad Mad World)
Ginny Luke Violin (Party Of One)
Jamie Muhoberac Keyboard, Synthesizer (All Of Me, Another Day & Our Love & Our Souls)
Glen Duncan Mandolin (Forty Days)
Produziert von: Paul Crook Länge: 52 Min 40 Sek Medium: CD
1. All Of Me7. California Dreamin' - feat. Patti Russo
2. Fall From Grace8. Another Day
3. The Giving Tree9. Forty Days
4. Mad Mad World/The Good God Is A Woman And She Don't Like Ugly - feat. Chuck D.10. Our Love & Our Souls - feat. Patti Russo
5. Party Of One11. Stand In The Storm - feat. John Rich, Lil John & Mark McGrath
6. Live Or Die12. Blue Sky

Meat Loafs neues Album "Hell In A Handbasket" kann man nur richtig verstehen, wenn man das letztjährige "Hang Cool Teddy Bear" berücksichtigt, welches wir seinerzeit leider ignoriert haben. Herr Aday hatte sich, möglicherweise endgültig, von seinem "Lebenspartner" Jim Steinman getrennt und legte urplötzlich eine vollkommen normale, beinahe schmalzlose, basisch rockende CD vor, die zwar urkonservativ - aber fetzig war. Wo Steinman von Richard Wagner inspiriert war und immer mehr Richtung Musical abdriftete, hörte man beim "neuen" Meat Loaf wundersamerweise Zitate von Mellencamp, Springsteen und Nachfolgern, Rap-Einlagen wie einst von RUN D.M.C. oder den BEASTIE BOYS, trockene Gitarrenriffs am laufenden Band und ein paar Soloeinlagen von Steve Vai und Brian May.
Natürlich liefen die 28 Millionen Käufer von "Bat Out Of Hell" Sturm gegen eine derartige Vereinfachung ihres Lieblings-Dicken. Aber der war erstens längst nicht mehr dick und zweitens hatte man ihm sowieso seit Jahren vorgeworfen, die alten Opern nicht mehr adäquat singen zu können. Die Zeit der vier Oktaven ist natürlich längst vorbei und die letzten Tourneen offenbarten einige bittere Stimmschwächen, aber in der ungleich weniger aufwändigen "stripped down" Neuerfindung reicht es allemal noch um zu beeindrucken, speziell im Studio.

Im ersten Moment wirkt "Hell In A Handbasket" wie die Resteverwertung von "Hang Cool Teddy Bear", zu ähnlich scheint die Konzeption zu sein, die Songs sind, spontan beurteilt, noch weniger spektakulär als im letzten Jahr, es gibt wieder ein bisschen Rap, dafür keine ganz namhaften Gäste, wenn man Rapper wie Chuck D. (PUBLIC ENEMY) oder Lil John beziehungsweise den Country-Sänger John Rich als Rockfan nicht so auf dem Schirm hat wie Vai und May.
Aber bald erkennt man die Unterschiede zwischen den beiden Platten. Der diesmal produzierende Paul Crook hat eine andere Herangehensweise als zuletzt Rob Cavallo (GREEN DAY), er ist als Gitarrist und Keyboarder im NEVERLAND EXPRESS näher dran als ein externer Produzent und hat der Scheibe einen leicht wärmeren Sound verpasst als Cavallo es bei "Hang Cool…" tat. Außerdem sind diesmal die Songwriter gänzlich andere. Vielleicht könnte man sagen, "Hell In A Handbasket" ist mehr Meat Loaf als "Hang Cool…", ohne jedoch ein Hybrid aus "Bat"-Zeiten und dem Jahr 2011 zu sein. Das Album ist beim Bruch mit der Vergangenheit sogar noch konsequenter als der überraschende Vorgänger, erklärt aber bestens, wie Meat Loaf schon seit gut zwei Jahrzehnten hätte klingen müssen, um sich Sinnlosigkeiten wie "Bat II" und "III" zu ersparen.
Sonderpunkte gibt es für das traumhafte Piano im ansonsten eher laffen Opener All Of Me, den straighten Trab in The Giving Tree ebenso wie für den satten Rock von Tom Cochranes Mad Mad World und den darin integrierten Chuck D.-Sprechgesang The Good God Is A Woman And She Don't Like Ugly. Modern ist das natürlich nicht, aber für Meat und seine alten Fans nachgerade eine Revolution. Weit vorne ist auch der düstere Rocker Party Of One, der auch einem Alice Cooper zu Gesicht stehen würde. Obwohl, Live Or Die hat mit der Geige von Caitlin Evanson ebenfalls etwas angenehm Bedrohliches. Ob California Dreamin' unbedingt nötig war, nun ja, die vier Minuten dauern auch nicht länger als andere vier Minuten und es gibt sicher immer noch Fans von THE MAMAS & THE PAPAS. Patti Russo, die immer noch überwältigend schöne Sängerin, hätte für ihr erstes Duett mit Meat auf dieser CD allerdings einen besseren Song verdient. Die Ballade Our Love And Our Souls ist zwar langweilig, lässt ihr Können aber deutlich werden.
Der einzige echte Ausfall ist das synthetisch auf Bombast getrimmte Another Day. So ist Meat Loaf nicht mehr.

Meat Loaf war immer eine Karikatur auf den eigentlichen Sinn des Rock'n'Roll, nach dem epochalen 77er-Debut sogar eine im wahrsten Sinne des Wortes zunehmend verfettete und unglaubwürdige Karikatur, jetzt ist er im reifen Alter zu einer zwar leicht angestaubten, dafür mit hartem Strich gezeichneten Figur geworden. Nicht schlecht für einen, den man viele Jahre als Schmierenkomödianten für Hausfrauen bezeichnete.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 05.12.2011

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