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| Live At Rockpalast, Eagle Vision, 2009 |
| Meat Loaf |
Vocals |
| Jim Steinman |
Piano, Backing Vocals |
| Karla DeVito |
Lead Female & Backing Vocals |
| Bruce Kulick |
Guitar |
| Bob Kulick |
Guitar |
| Paul Glanz |
Keyboards |
| Steve Buslowe |
Keyboards |
| Joe Stefko |
Drums |
| Rory Dodd |
Backing Vocals |
| Produziert von: WDR |
Länge: ca. 105 Min |
Medium: DVD |
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| 1. Great Boleros Of Fire | 7. River Deep, Mountain High |
| 2. Bat Out Of Hell | 8. Johnny B. Goode (Reprise) |
| 3. You Took The Words Right Out Of My Mouth (Hot Summer Night) | 9. Two Out Of Three Ain't Bad |
| 4. All Revved Up With No Place To Go | 10. All Revved Up With No Place To Go (Reprise) |
| 5. Paradise By The Dashboard Light | Bonus: |
| Introducing The Band | Interview mit Meat Loaf & Jim Steinman |
| 6. Johnny B. Goode | |
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Olle Rockpaläste gibt es inzwischen im Wochentakt. Schon lange beschränkt man sich nicht mehr nur auf die legendären Rockpalast Nächte, es kommen immer mehr Einzelkonzerte auf den Markt. Diesmal ist es MEAT LOAF, mit einem Auftritt von 1978 in Offenbach. Dass der Rockpalast dort aufgenommen hat, dürften vermutlich nur intimste Palastkenner wissen, umso schöner ist die Überraschung, den mit damals 31 Jahren noch wirklich dicken Texaner in seiner mit weitem Abstand allergrößten Phase nun in den Konservenschrank stellen zu können.
Wenn man das Rockpalast Archiv besucht, kann man sich eine kleine Vorstellung davon machen, was uns in Zukunft hoffentlich noch alles auf den Tisch kommen könnte.
Ein paar Einschränkungen muss man bei dieser DVD akzeptieren. Der Sound ist nicht schlecht, entspricht wohl den technischen Möglichkeiten des WDR im Jahr 1978, aber das Bild ist wie leider oft bei diesen historischen Fernsehaufzeichnungen heutzutage nicht mehr akzeptabel. Halbwegs scharf ist nur wer gerade voll ausgeleuchtet wird, der Rest verschwindet in einem diffusen Schwarzrotlicht. Für Hochauflösungs-Fetischisten ist das hier also nichts, aber wer die explosivste Tour zum besten Album von Marvin Lee Aday und seinem Spiritus Rector Jim Steinman erleben möchte, der wird zugreifen müssen.
Dieses beste Album ist natürlich "Bat Out Of Hell", der Wahnsinnshit mit den Jahrhundertsongs am laufenden Band. Natürlich haben Steinman und Aday Geschichte mit dieser LP geschrieben und einen monströsen Verkaufserfolg erzielt, aber der arme Meat Loaf hat sich danach viele Jahre an einem auch nur ansatzweise ähnlich genialen Nachfolger abgearbeitet - und ist naturgemäß gescheitert. Heute, mehr als 30 Jahre später, sind seine Tourneen maßlos überteuert und eine potentielle Enttäuschung. Leid müssen einem die beiden selbstredend nicht tun, schließlich kommen 99,999% aller Künstler niemals in die Nähe eines solchen Geniestreichs und Kontostands. "Live At Rockpalast" ist für irgendwas um die 15 Euro zu haben. Damit kauft man ein Stück Weltkulturerbe. Allerdings sollte man das Originalalbum schon auch besitzen und mögen, dann wird man mit diesem Konzertvideo seinen Spaß haben.
Für die Tourneen zu "Bat Out Of Hell" konnte natürlich nie das Studiopersonal verpflichtet werden, aber mit Meat Loaf trieben sich 1978 Bruce und Bob Kulick, Jim Steinman und die mehr als spannende Karla DeVito auf den Bühnen herum, um nur die bekanntesten Namen zu nennen. Und was diese Band aufführte, war Rocktheater von bis dahin nicht gehörter und gesehener Güte. Spätere Aufführungen waren opulenter inszeniert, wer Meat Loaf in den Achtzigern gesehen hat, kann das bestätigen, aber die giftigste Rock'n'Roll-Show war in dieser Besetzung zu sehen.
Gehen wir einfach mal in den ersten Zugabenblock. Johnny B. Goode war angesagt, und die beiden Kulicks spielten neben einem komplett ausflippenden Meat Loaf die vermutlich schärfste Double-Lead aller Versionen dieses Berry-Gassenhauers. Oder das folgende River Deep, Mountain High. Karla DeVito und Meat Loaf teilweise in der falschen Tonlage, aber in einem wahren Schreirausch, und dazu wieder Bruce und Bob mit zweistimmigen Gitarreneinlagen, die einen jeden Rockfan heute noch von den Beinen holen. So wie die Offenbacher Stadthalle tobte, wird man jetzt vor dem Fernseher begeistert sein. Gut, der Dicke sprach vor dem Finale einen Toast auf Frankfurt/Germany aus, aber selbst das nahmen ihm die Offenbacher nicht mehr übel. Der Koloss gab alles in diesen 90 Minuten, schwitzte wie üblich wie ein Wasserrohrbruch und erlaubte sich, ebenfalls wie üblich, diverse Stimmentgleisungen, aber wen könnte das bei einer solchen Herzblut-Darstellung inklusive Purzelbaum stören? Dieses Walross warf sich tatsächlich über die Bühne, unfassbar.
Davor gab es fast das gesamte "Bat…"-Album bei diesem - wenn man dem witzigen Interview von Jörg Gülden glauben darf - ersten Konzert Meat Loafs in Europa überhaupt. Gülden war übrigens der großartige Dr. Gonzo von den Zeitschriften "Sounds" und "Musikexpress". Er verstarb im Mai dieses Jahres.
Hochkonzentriert und trotzdem mit aller Wucht ging die Band ans Werk, ließ sich vom "Erzähler" Steinman in die Story führen und packte das Publikum sofort mit den drei zur Verfügung stehenden Mitteln: Power-Rock & Roll, Theatralik und Sex. Für den Sex war natürlich ausschließlich die Bulette persönlich zuständig, dezent unterstützt von der Schauspielerin und grandiosen Sängerin Karla DeVito. Ellen Foley war zwar blonder und keine schlechtere Sängerin, die dunkelhaarige DeVito konnte live aber in jedem Moment vollkommen überzeugen. Das Outfit jener Jahre trägt heute zwar eher zur Belustigung bei, aber im Gegensatz zu den Kerlen in der Band konnte sich die Schöne nach ein paar Songs einfach ihrer Trainingsanzugjacke entledigen und rückenfrei entzücken.
Wichtig bei der Performance von "Bat Out Of Hell" ist die Schauspielkunst, wer geht schon freiwillig mit solchen verschwitzen Massen in den Clinch. Frau DeVito hat das absolut überzeugend hinbekommen, und dabei auch noch eine fantastische Figur abgegeben. In den besten Momenten sang sie das haarige Monster auch noch prima in die Ecke. Außerdem sieht eine rockende Frau einfach besser aus als ein Typ mit Minipli.
Die Kulicks, beide längst keine Newcomer mehr, gaben zusammen mit dem exzellenten Bassisten Steve Buslowe und Joe Stefko am Schlagzeug die hart rockende Band zum Bühnengeschehen, Steinman sorgte für die erzählerischen Zwischentöne und im Paket war diese erste Inkarnation des NEVERLAND EXPRESS eine Detonation. Nummern wie All Revved Up And No Place To Go stehen bis heute in einer Linie mit Großtaten von beispielsweise QUEEN, auch wenn der Tonmeister das Gitarrensolo ziemlich verbaselt hat.
Nach einer halben Stunde waren gerade mal drei Songs gespielt, aber niemand käme auf die Idee, dass es langweilig gewesen wäre. Danach kamen ausführliche Solo-Präsentationen, aber immer noch wird es nicht öde, denn diese Menschen konnten noch Soli spielen, bei denen das Volk den Boogie tanzte. Ganz großer Rock & Roll war das, vergleichbar mit dem Exzess bei 157 Riverside Avenue auf dem grandiosen Livealbum "You Get What You Play For" von REO SPEEDWAGON.
Und dann: Auftritt Fett gegen Erotik. Meat Loaf und Karla DeVito zelebrieren Paradise By The Dashboard Light. Ein aufgeladeneres Duett gibt es in der Rockgeschichte nicht. Mit Worten ist diese Liveperformance nicht zu beschreiben, die zeitgenössischen Videos zu den Songs und die später aufgenommenen glatt polierten Shows sind nichts gegen dieses Dokument aus Offenbach. Und um es nicht zu vergessen: Meat Loaf war ein begnadeter Sänger und Schauspieler.
Wer diese erste "Bat-Tour" selbst gesehen hat, ist gesegnet von der Gnade der frühen Geburt und braucht die DVD zur Gedächtnisauffrischung, alle anderen dürfen jetzt erst teilnehmen an einem so nie mehr wieder gebotenen Rock & Roll Spektakel. 1978 ist lange her, man soll auch nicht der Vergangenheit nachweinen, aber mit diesem Konzert hat Peter Rüchels Rockpalast einmal mehr ein wichtiges Dokument der Nachwelt vermacht.
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