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Death Magnetic
Death Magnetic, Mercury/Universal/Warner Bros., 2008
James Hetfield Vocals, Guitar
Kirk Hammett Guitar
Robert Trujillo Bass
Lars Ulrich Drums
Produziert von: Rick Rubin Länge: 74 Min 42 Sek Medium: CD
1. That Was Just Your Life6. Cyanide
2. The End Of The Line7. The Unforgiven III
3. Broken, Beat & Scarred8. The Judas Kiss
4. The Day That Never Comes9. Suicide & Redemption
5. All Nightmare Long10. My Apocalypse

Wir leben in einer von Beratern beratenen Beratungsgesellschaft. Zum Beispiel erzählt uns der Ernährungsberater, dass Fastfood nicht gesund ist - was sich eindrücklich in der Zahl der von jedem Deutschen pro Jahr verzehrten Tiefkühlpizzen niederschlägt: 96. So sagt es jedenfalls das Statistische Bundesamt. Bedenkt man die sicherlich nicht geringe Menge derjenigen Menschen, die wenig bis überhaupt keine gefrorenen Teigteile zu sich nehmen, muss es Millionen Konsumenten geben, die sich so gut wie ausschließlich mit Dr. Oetkers Abfallprodukten satt essen.
Es gibt auch Unternehmensberater. Die unternehmen immer das gleiche, nämlich erklären sie dem Unternehmer, dass er sein Unternehmen dringend restrukturieren muss. Das kostet natürlich eine Menge Beratungsgebühr, aber die spart sich der Unternehmer bequem an Personalkosten, denn die Restrukturierung hat zur Folge, dass sich das Unternehmen über kurz oder lang selbst auflöst und nur noch die Strategen aus der Organisationsabteilung übrig bleiben - jedenfalls bis sie in einem Schwarzen Loch (Berufsberatung bei der Arbeitsagentur) verschwinden. Angeblich haben Schwarze Löcher mit Energie zu tun, die konnte aber bislang weder bei Unternehmensberatern noch der Arbeitsagentur nachgewiesen werden. Völlig ungeklärt ist auch die Frage, was Unternehmer zu ihrem Beruf befähigt, wenn sie Unternehmensberater dazu brauchen. Vermutlich hat der im DAX notierte Großkonzern den einzigen fähigen Mitarbeiter bei der letzten Restrukturierung versehentlich entlassen und braucht deswegen die Beratung des Unternehmensberaters. Aber das führt jetzt zu weit.
Die einzige Firma, die nicht beraten darf ist die Deutsche Bahn. Deswegen wollte Herr Mehdorn einen Bedienzuschlag für Fahrkartenkäufer einführen, denn beraten wird man am Bahnhofsschalter grundsätzlich nicht und bedient ist man nach der üppigen Wartezeit gründlich. In diesem Fall war Herr M. aber schlecht beraten, flugs kam nämlich der dringende Rat von Frau Merkel, diese Idee in den Eimer zu treten. Frau M. befindet sich gerade im Vorwahlkampf und hat offenbar Berater, die ihr von weiteren unpopulären Maßnahmen abgeraten haben, nicht dass doch noch Volkes Zorn die christlichen Demokraten ins Fegefeuer des Oppositionsdaseins befördert. Guter Rat war in diesem Fall nicht teuer, Merkel hat nämlich eine Flatrate von der Deutschen Telekom, der Anruf von M. bei M. war kostenlos.
Es gibt auch Spielerberater. Die erklären Fußballspielern, dass sie unbedingt blonde Strähnen auf dem gegelten Kopf haben müssen, damit bei der nächsten Gelegenheit ein Werbevertrag mehr herausspringt. Es gibt in Deutschland nur knapp 250 Spielerberater, deswegen ist diese Beratungsform hier nur am Rande erwähnt. Unbestätigt bleibt das Gerücht, dass es auch Spielerfrauenberater gibt. Dieses Thema sollte professionellen Eheberatern vorbehalten bleiben.
Ein wesentlich wichtigeres Feld der Beratung ist den Finanzberatern zuzuschreiben. Der F.-Berater rät gerne zu Geldanlagen in Form von Hedge-Fonds, deren Dickicht niemand auf der Welt bisher durchschaut hat, weswegen diese Fonds auch Hecken-Fonds heißen und keinesfalls etwas mit einer Saucengrundlage zu tun haben. Manche Finanzberater empfehlen eine Versicherung bei der Allianz Versicherung, was garantiert eine prima Sache ist, denn die Allianz Versicherung hat soeben das in den letzten sieben Jahren ausgesaugte Mündel Dresdner Bank für 10 Milliarden Euro verkauft. Allerdings nicht an den ursprünglichen Interessenten aus China, weil die Manager des ehemals zweitgrößten Kreditinstituts Deutschlands nicht mit Stäbchen speisen wollten (s. a. "Ernährungsberater", "Unternehmensberater" ff.).
Nicht zu vernachlässigen sind heutzutage Erziehungsberater. Nur solche psychologisch geschulten Fachkräfte sind in Zeiten der zunehmenden Debilisierung Globalisierung noch in der Lage, völlig überforderten Eltern und ihren hyperaktiven ADS-Sprösslingen den Weg zum gestandenen Berater zu weisen. Man muss den Erziehungsberater demzufolge als Ur-Berater aller Berater der kommenden Generationen zur Kenntnis nehmen.

Doch auch wir haben eine beratende Funktion. Zum Beispiel beraten wir Sie, lieber Leser, bei der Auswahl ihrer Unterhaltungsmusik. Das tun wir gerne, denn auch wir hören bisweilen Musik und fassen Kauf- oder Nichtkaufempfehlungen in leicht zu verstehende Sätze.
Nun begab es sich just gestern, dass die nicht mehr ganz jugendliche Heavy-Metal-Band METALLICA ihr neuestes Werk in die Shopping-Malls expedierte, was auch für uns Post-Geburts-Berater die erste Möglichkeit war, die CD zu hören, denn Vorabexemplare für Musikberater gab es nicht - landet postwendend eh alles illegal im Internet (sagte der Verkaufsberater der Plattenfirma).
Kleiner Exkurs: Shopping-Malls erkennt man daran, dass an den Schaufenstern der Shops (veraltet auch Geschäft genannt) große Plakate mit dem Aufdruck "Sale" kleben, damit der zu beratende Kunde weiß, dass hier etwas verkauft wird. Exkurs Ende.
Die neue CD der Heavy-Metal-Band METALLICA heißt "Death Magnetic", dauert fast 75 Minuten, wurde produziert von Rick Rubin, der ein höchst erfolgreicher Karriereberater solcher seelenverwandter Künstler wie Johnny Cash und SLAYER war, und es ist so was von dermaßen scheißegal, wie die Musik auf "Death Magnetic" klingt, dass man sich jedes beratende Wort schenken könnte. Wenn, ja wenn, wir nur ein einziges Mal die dumme Klappe halten könnten. Aber egal, dieses Produkt wird in den kommenden Tagen von so vielen Millionen Menschen gekauft werden, dass weder Arzt noch Apotheker nach ihrem Rat gefragt werden müssen. METALLICA haben keine Nebenwirkungen mehr, Risiko gibt es auch nicht mehr, Thrash-Metal ist ab sofort ein homöopathisches Hausmittelchen für Greti und Pleti, für Berater aller Art, für Omas 95. Geburtstag, für Mathematiklehrer und für all diejenigen, die an die unbefleckte Empfängnis glauben.

"Death Magnetic" ist die logische Fortführung von "Kill 'em All" von "Ride The Lightning" von "Master Of Puppets" von "… And Justice For All" von "Metallica" von "Load" von "ReLoad" von "St. Anger" und nicht von "Garage Inc." "Death Magnetic" ist Thrash und BON JOVI, brillant und abgewichst wie der schlimmste Unternehmensberater aller Zeiten, brutalstmöglich eingängig und gefühllos wie ein abgestorbenes Bein, perfekt eingespielt (obwohl der Schlagzeuger immer noch Lars Ulrich heißt) und beinahe noch perfekter auf völlige Unglaubwürdigkeit getrimmt, mit tödlich grandiosen Gitarren veredelt und vom magnetischen Willen zu den nächsten 15 Millionen verdienten Dollar getrieben. Kurz: Eine CD für ALLE, nur nicht für diejenigen, die MOTÖRHEAD für die ehrlichste Band der letzten 30 Jahre halten.
Und nun gehet hin und kaufet das erste familienfreundliche Thrash-Metal-Album aller Zeiten.

Das Beratermagazin, (Impressum, Artikelliste), 13.09.2008


 
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