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Mitch Ryder

Live Talkies

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Easter In Berlin 1980

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Live Talkies & Easter in Berlin 1980
Live Talkies & Easter In Berlin 1980, Repertoire Records, 2011
Billy Csernits Keyboards
Mark Gougeon Bass
Joe Gutc Guitar
Wilson Owens Drums
Mitch Ryder Vocals
Rick Schein Guitar
Produziert von: Tom Connor & Mitch Ryder Länge: 121 Min 41 Sek Medium: Do-CD
CD 1: "Live Talkies"
1. It's All Over Now8. Tough Kid
2. Corporate Song (It's Not For Me)9. Red Scar Eyes
3. Bang Bang10. Long Tall Sally/I'm Gonna Be/A Wheel Someday
4. Subterranean Homesick Blues11. Liberty
5. Wicked Messenger12. Ain't Nobody White
6. Er ist nicht mein Präsident13. True Love
7. Take Me To The River
CD 2: "Easter In Berlin 1980"
1. Long Hard Road5. Liberty
2. Ain't Nobody White (Can Sing The Blues)6. Nice & Easy
3. War7. True Love
4. Corporate Song8. Tough Kid

Der nächste Streich aus dem Hause Repertoire: Ryders "Live Talkies". Live im Studio ohne Zuhörer aufgenommen, aber eben nach einer Tour im Vollbesitz der Livekräfte und der Energie, die aus Tracks eben DIE Tracks macht. Wie schon bei den Studio-CDs ist die Band hervorragend, die Gitarristen geben wohl ihr Bestes, und so ist diese CD ein Best Of, aufgepeppt und livehaftig. Damit wäre die Review eigentlich geschrieben, wenn man nicht noch erwähnen will, dass die Band mit dem schnellen Funk Liberty ihre Probleme hat und Nice And Easy und True Love so dahin dümpeln und den Kohl nicht wirklich fett machen, also nicht gebraucht werden. Aber die anderen Tracks sind von ganz hervorragender Qualität. Und nach dem Rockpalast-Konzert damals eben so nah an 'Live' wie ging.

Wirklich große Klasse ist der Spieler mit den rot unterlaufenen Augen aus den Red Scar Eyes, der Ryder aus dem Spiegel heraus anschaut. Und wer schaut einen immer aus dem Spiegel heraus an? Richtig - man selbst. Ryder singt hier den Song über sich und seine an seinen Fehlern zerbrochene Liebe. Großes Kino, auch lyrisch. Insgesamt ist die CD sehr empfehlenswert - wenn da nicht bei der Neuauflage die zweite CD wäre, eine Aufnahme vom Osterkonzert in der Opernhalle in West-Berlin 1980. Ryders Band als Vorgruppe zu THE POLICE und Dave Edmunds, der damals auch auf der Höhe seines Ruhmes war - naja, schon ein bisschen dahinter. POLICE waren aber zweifelsohne die Superstars, unverständlicherweise. Was also bleibt Ryders Mannen bei so einer Konstellation übrig, als mit 'all guns ablaze' und röhrendem Auspuff auf die Bühne zu rauschen und den anderen die Rücklichter zu zeigen? Nichts. Also machen sie genau das. Das Ergebnis? Kann man sich vorstellen - bei so einer Einstellung geht alles in die Hose vor lauter Verkrampfung!

Und genau das … passiert nicht. Was passiert ist, dass die beiden Gitarristen (Gutc im rechten Speaker an der Slide) zum Höhenflug ansetzen und im wahrsten Sinne des Wirtes alles niedermähen, was ihnen vors Griffbrett kommt. Das ist so gewaltig, dass diese CD ohne Zwischenstopp in meine persönliche Live Top Ten aufgestiegen ist. Man HÖRT und FÜHLT, wie die beiden sich gegenseitig be- und anfeuern und zu immer neuen Soloausflügen anstacheln - vorangetrieben vom Rhythmusteam Gougeon/Owens.
Ab den ersten paar Takten von Long Hard Road und Gutc' Slide stehen einem die Haare zu Berge. Der schnelle Funk Liberty ein Problem? Blödsinn. Nice And Easy belanglos? Nicht in dieser Version. Ausfälle? Keine. Als alter WISHBONE-ASH-Fan ist man ja von zwei Lead-Gitarristen einiges gewöhnt, und "Live Dates" ein Heiligtum. Aber ganz ehrlich: diese Ryder-Band in dieser Form hätte Powell/Wisefield, die post-"Live Dates" ASH Version schlechthin, erbarmungslos von der Bühne geblasen. Und Edmunds oder POLICE hätte ich an diesem Abend auch nicht sein mögen. Rock und Blues Rock at ist definitely best.
Stellenweise duelliert sich Ryder mit seinen Urschreien mit Schein an der Lead, und bei War gibt es dann kein Halten mehr und die Band lässt keinen Wiederstand mehr zu.

Der Sound der "Talkies" ist sehr gut (eh schon seit der ersten Veröffentlichung damals), der des Livekonzerts gut und fehlerfrei. Das Booklet ist sehr informativ und unterhaltsam geschrieben. Wer ein Herz für 'klassische' Rockmusik hat, MUSS sich das hier holen, selbst wenn er damit die "Live Talkies" zum dritten Mal kauft. Sich vorzustellen, dass Ryder diese Band zwei Jahre später auflöste, weil sein neuer Partner in Crime John 'Cougar' Mellencamp meinte, das optische Erscheinungsbild der Leute sei für die Bühne nicht gut genug, bereitet immense Schwierigkeiten - es war aber tatsächlich so.

Dietrich Gastrock, (Artikelliste), 11.04..2011

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