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Extended Versions - The Encore Collection

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Extended Versions - The Encore Collection
Extended Versions - The Encore Collection, BMG Music, 2002
Jimmy Farrar Vocals
Dave Hlubek Guitar
Duane Roland Guitar
Steve Holland Guitar
Banner Thomas Bass
Bruce Crump Drums
Länge: 43 Min 27 Sek Medium: CD
1. Beatin' The Odds (3:28)6. Dead Giveaway (3:24)
2. Flirtin' With Disaster (5:41)7. Lady Luck (3:45)
3. Gator Country (6:23)8. It's All Over Now (3:40)
4. Bounty Hunter (2:51)9. One Man's Pleasure (3:31)
5. Dreams I'll Never See (7:01)10. Let The Good Times Roll (3:45)

Irgendwann kommen sie alle ans Tageslicht. 20 Jahre nachdem sich die Raubkopierer die Hacken nach diesen Aufnahmen abgelaufen haben, und die Aufnahmen längst historischen Wert erlangt haben, kommt nun auch BMG auf den Trichter und wirft Live-Aufnahmen von Hatchet aus der Mk.II Phase, also mit Jimmy Farrar, auf den Markt.
Erfreulich ist das, denn die Bootlegs waren teilweise in miesem Sound.
Unerfreulich ist das, denn die Aufmachung dieser CD ist lieblos und schlecht.

Ein müdes Blättchen liegt bei, keine Infos über Aufnahmeort und -zeit, keine Bilder und das auf dem Cover ist auch nicht besonders gut. Dazu kommt, dass die angegebene Internetseite mit mehr Infos zu diesem Release (und anderen Veröffentlichungen aus der "Extended Versions"-Reihe) nicht existiert. Man fragt sich, was das dann soll. Wollen die ihre Produkte nicht verkaufen? Dann hätte man sich den Rohstoff sparen können.

"Beatin' The Odds" ist meine absolute Hatchet-Lieblingsscheibe. Leider gibt es, bis auf Beatin' The Odds, keine weiteren Songs von dieser LP. Kein Sailor (wohl mein Für-Immer-Lieblingssong), kein Few And Far Between. Schade. Dafür gibt es von "Take No Prisoners", Farrars Schwanengesang bei Hatchet, Lady Luck und Dead Giveaway. Der Rest der 10 Songs stammt vom Debüt und von "Flirtin' With Disaster". Man kann also vage schlussfolgern, dass zumindest ein Teil der Aufnahmen 1981, bei der "Take No Prisoners"-Tour gemacht wurden (siehe untenstehenden Nachtrag).
Irgendwie bezeichnend für die Band, dass sie sich bereits 1981 auf die sichere Seite verlegt haben. Man schöpfte aus der eigenen Geschichte (die ja noch nicht so lang war), anstatt die aktuellen Songs des aktuellen Line-Up zu präsentieren.

Der Sound der CD ist absolut korrekt, deutlich besser als auf den bekannten Bootlegs. Farrar war ein toller Sänger, allerdings mit ähnlichen Schwächen, wie auch DJB sie hatte, also immer mal wieder ein kleiner Ausrutscher. Auffallend ist die hervorragende Arbeit von Bassist Banner Thomas und Drummer Bruce Crump. Die beiden waren einfach der Backbone von Hatchet.
Aber was diese CD zu einem unverzichtbaren Kauf macht, sind selbstverständlich die Gitarren. Beatin' The Odds rauscht noch relativ LP-getreu daher, aber bereits bei Flirtin' With Disaster (auch noch falsch geschrieben auf dem Cover) lassen Hlubek, Holland und Roland derart die Äxte qualmen, dass man nur staunen kann. In der Dreiviertelstunde dieser CD bekommt man so viele Gitarrenbreitseiten verpasst, wie 95% aller anderen Bands in ihrem ganzen Leben nicht hinkriegen. Ach, eigentlich ist das schon in den 12 Minuten von Flirtin'... und Gator Country der Fall.

Hat man sich dann unter den Riff-Wänden von Bounty Hunter wieder herausgegraben, kommt man zur Reha ins Dreams...-Land.
Keine Reha ohne Belastungstest. Die Band rockt bei den folgenden Nummern derart fanatisch, dass jedes Blutdruckmessgerät explodiert. Haarsträubende Soli, Farrar, der sich die Seele aus dem dicken Körper brüllt, pure, blutige Power bricht sich ihren Weg.

Hatchet hatten live offenbar bereits damals einen Keyboarder dabei. Hörbar (und leicht störend) bei Lady Luck. Das wird aber locker wett gemacht von den wirklich wahnwitzigen Gitarren.
It's All Over Now donnert in Lichtgeschwindigkeit daher. Jede Band dieser Erde muss nach einem solchen Konzert völlig ausgepowert sein. Bedenkt man, wie viele Tourneen Molly Hatchet spielten, ist es ein Wunder, dass die Band diesen Irrsinn so lange durchgehalten hat.

Banner Thomas zählt One Man's Pleasure mit seinem pumpenden Bass ein und wieder folgt ein Riffgewitter, das sich gewaschen hat. Und zum guten Schluss, wenn der gealterte Hörer bereits völlig erschöpft in den Seilen hängt, geben sie uns mit Let The Good Times Roll den Gnadenschuss.

Der Hatchet-Maniak hat natürlich sämtliche "posthumen" Veröffentlichungen, inklusive der "Live At The Agora Ballroom" von '79, den diversen Radioshows und sonstigen Bootlegs. Aber trotzdem muss man diese CD einfach haben. Da hilft kein Meckern über die lausige Aufmachung, kein Lamentieren über die relativ kurze Spielzeit, kein Bemängeln der Setlist. Es sind die einzigen offiziellen Aufnahmen mit Jimmy Farrar.

Die einzige Bezugsquelle in Europa ist mal wieder Jürgens Bärchen Records Mailorder.
Leser! Du wirst nicht umhin können und diese CD sofort bestellen müssen!

Nachtrag: Dirk, der Betreiber der deutschen Molly Hatchet Fanseite hat uns über Jimmy Farrar's Frau folgende Information beschafft.
Die Aufnahmen dieser CD entstanden am 05.12.1981 im Palladium, Los Angeles, anlässlich einer "Toys for Tots" Show. Molly Hatchet gaben an diesem Abend 2 (!) Konzerte und die Songs wurden beiden Shows entnommen. Die Shows erlösten 10.000 US-Dollar und einen LKW voll mit Spielsachen.
Eigentlich kein Grund, die Herkunft der Aufnahmen zu verschweigen. Aber BMG wird die Erlöse dieser CD sicher nicht spenden...

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 18.08.2002

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