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CD-Review:
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Ich sprach neulich mit Thomas Glück, dem Besitzer des bereits früher erwähnten "Musikladen Frankfurt, beim Kauf der remasterten STONES-CD "Exile On Main Street" und BLACK SABBATHs "Mob Rules" und "Heaven And Hell" (da wußte ich noch nichts vom Ableben Ronnie James Dios) über's Geschäft, und wie die Umsätze seit Jahren für solche kleineren Geschäfte stetig sinken. Die Kundschaft stirbt weg, die Künstler ebenso, und bald gibt es nur noch Downloads (oder wie meine Frau sagte: "Ich hab eh nur immer Singles gekauft, bis man dann unbedingt ganze LPs abnehmen musste. Geldschneiderei!"). Lichtblicke im düsteren Einerlei sind Bands wie MOLLY HATCHET, die eben über die Jahre einen festen Fankreis gewonnen haben, und somit dem "Musikladen" eine feste Abnahme garantieren. Eine Marke eben. Finster blicken tun sie immer noch, die Review kann man sich - siehe oben, die Leute kaufen eh - sparen - was soll's? Nun, wie schrieb ich in dem Editorial zu Ronnie James' Tod: "Also, einmal tief durchatmen, sich vornehmen, die noch Verbliebenen mehr zu würdigen - es gibt nicht mehr so viele große Stars...". Nun denn: hier offeriert eine leibhaftige, mittlerweile legendäre Band, sogar mit einem Originalmitglied (!), ihr neuestes Werk - würdigen wir.
Los geht's, reingestampft kommt Been To Heaven Been To Hell, und los rumpelt der Boogie-Zug, home to Jacksonville (Anklänge an Gator Country und Sweet Home Alabama sind erwünscht, textlich zumindest). Die Slide heult, irgendwo sind ein paar Keyboards, und von Dave Hlubek hört man solistisch (hier und auf dem Rest der CD, wenn ich mich nicht irre) nicht viel; ist aber egal, prima Boogie-Stampfer, genau wie Track 2 Safe In My Skin, ein Ei gleicht dem anderen. As Heaven Is Forever ist eine weitere Ballade, eher langweilig und Standard, und Tomorrows And Forevers, fast schon auf Pop-Niveau, erinnert an die "Lightning Strikes Twice"-Zeit, wobei Phil irgendwie Probleme mit den richtigen Tönen hat. Vengenance lässt mit seinem flächigen Keyboard-Intro einen weiteren Southern-Pop-Song befürchten, bis dann nach etwa einer Minute doch noch ein Rocker mit einem clever arrangierten Mittelteil mit verschärftem Gitarrensolo draus wird. In The Darkness Of The Night, ein weiterer etwas melodramatisch-düsterer Boogie, der allerdings nicht so ganz den Hintern hoch kriegt, allerdings zeigt, dass HATCHET nach zusätzlichen Ausdrucksmöglichkeiten suchen, und Bobby soliert sich in den Himmel. Zum Abschluss der Titeltrack Justice mit Free Bird-ähnlichem Tempowechsel in der zweiten Hälfte, und wieder keinem Zweifel daran, wer bei HATCHET jetzt das Ruder in der Hand hält. Fazit: Wer die CD kauft, braucht sich mit niemandem darüber zu streiten. Bis auf einige Luschen im Mittelfeld ein sehr solides, rockendes, gut komponiertes, prima produziertes Teil von dieser Combo älterer Herren (schau mal das Foto!), die ihre Grenzen und die ihrer Fans kennen, und denen auf hohem Niveau Ware liefern. Inwieweit neuere Bands wie HOGJAW, die ja gerade mit ihrem zweiten Opus an den Start gehen, die YANKEE SLICKERS oder REBEL PRIDE den Southern Rock fortführen oder gar erneuern (will das wirklich einer?), bleibt abzuwarten. Dietrich Gastrock, (Artikelliste), 20.05.2010
Ein echter Durchhalter ist Bobby Ingram auf jeden Fall. Spätestens nach der letzten Tour hätte man keinen Pfennig mehr auf ihn und HATCHET gesetzt, zu kläglich war der Versuch, den verfetteten Dave Hlubek als Kassenmagnet zu benutzen, ihn dann aber aus dem Scheinwerferlicht zu nehmen (was angesichts des unfassbaren Umfangs des ehemals wildesten aller Hatchet-Axtschwinger eine Leistung ist) und die übliche Ingram-Soloshow abzuziehen. Zu hören war der Dicke eh nicht, ab und an ließ er seine Finger ganz flink fliegen, sodass man erahnen konnte, was er eventuell noch draufhaben könnte. Diese Tour Ende 2008 war für etliche Langzeitfans ein Freundschaftskündigungsgrund. Und doch steht Bobby Ingram im Mai 2010 tatsächlich mit der CD "Justice" am Start, diesmal sogar mit neuen Songs und wieder bei der in Deutschland beheimateten SPV unter Vertrag. Dem Mann gebührt Respekt. Es gibt in der endlosen Geschichte von MOLLY HATCHET kein zweites Album, das so zwiegespalten ist wie "Justice". Selbst das ungeliebte Ingram-Frühwerk "Lightning Strikes Twice" (1989) ist leichter zu beurteilen als "Justice", denn "Lightning…" hatte nur zwei Seiten: eher schwachbrüstige Boogies und reichlich missratene Mainstream-Versuche. "Justice" hingegen bietet deftige Boogies, eine gelungene XXL-Trademark-Hymne, unerhebliche Lückenfüller und ein paar Griffe ins sprichwörtliche Klo. Fast scheint es, als ob Ingram ein wenig verzweifelt versucht, dem im letzten Jahrzehnt völlig eindimensional gewordenen Hatchet-Sound ein paar neue Klangvariationen anzufügen. Dass er sich dabei etliche Male in der von Southern Rockern verachteten 80er-AOR-Kiste bedient, macht "Justice" am Ende zu einem mittelprächtigen Album. An einer Tradition wird Bobby Ingram niemals vorbeikommen, nämlich der der unbedingt benötigten Southern-Hymne. Mit dem Titelsong Justice ist ihm diesmal ein würdiger Vertreter gelungen, auch wenn die Zutaten natürlich allesamt bekannt und abgenudelt sind. Der Dialog zwischen Galvin und Ingram ersetzt die fehlende zweite und dritte Gitarre anständig und die für Hatchet-Verhältnisse luftige Produktion sorgt für eine angenehme Atmungsfreiheit. Das abschließende eineinhalbminütige Gitarrenduell (Ingram vs. Ingram) ist selbstverständlich große Südstaatenkunst. Hoffentlich werden live für Justice ein paar der alten Epen geopfert. Stattdessen wäre dann nämlich auch Zeit für die neuen Vollgas-Rocker Been To Heaven - Been To Hell, Safe In My Skin und American Pride, das trotz dem dämlichen Titel ein echtes Boogie-Juwel ist (der obige Vergleich mit POISONs Unskinny Bop trifft übrigens exakt ins Schwarze). Bei diesen drei Songs stimmt wirklich alles, sogar Phil McCormack nervt nicht mit aufgesetztem Gebrüll sondern singt beinahe melodisch, auf jeden Fall aber songdienlich. Auffallend bei diesen Songs ist Ingrams relative Zurückhaltung. Er bratzt nicht alles nieder was sich ihm als möglicherweise spielbare Note in den Weg stellt, gibt vielmehr sich selbst und Galvin die Gelegenheiten für kleine aber überaus feine Soloeinlagen. Genau so will man MOLLY HATCHET hören (und vielleicht auch wieder sehen), doch leider sind es nur viereinhalb grandiose Songs geworden, nicht wie früher acht, neun oder zehn. Nach dem in seiner Härte nicht mehr zu übertreffenden "Warriors Of The Rainbow Bridge" ist "Justice" ein geradezu differenziertes Werk geworden, die genannten Höhepunkte reihen sich auch nahtlos in die Kette der Hatchet-Klassiker ein, aber als Album ist "Justice" kein Meilenstein geworden. Doch es bleibt uns nichts anderes übrig, als MOLLY HATCHET 2.0 auch im Jahr 2010 zu akzeptieren, denn es gibt keine Alternative. Seit Jimmy Farrars Schlaganfall ist GATOR COUNTRY nicht mehr existent. Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 22.05.2010
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