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Neil Young

Le Noise

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Le Noise
Le Noise, Reprise Records, 2010
Neil Young Vocals & Guitar
Produziert von: Daniel Lanois Länge: 38 Min 01 Sek Medium: CD
1. Walk With Me5. Angry World
2. Sign Of Love6. Hitchhiker
3. Someone's Gonna Rescue You7. Peaceful Valley Boulevard
4. Love And War8. Rumblin'

Und noch ein Altmeister mit einer neuen Platte. Ja, das Weihnachtsgeschäft wirft seine Schatten voraus. Nun wird dem ollen Neil Young der ganze Weihnatskappes vermutlich herzlich egal sein, aber die Plattenfirmen legen darauf natürlich Wert, also kommen die Superstars ab Ende September reihenweise mit ihrem neuen Zeug um die Ecke. Immerhin aber mit was Neuem und nicht der x-ten Best Of Kruschzusammenstellung. Young tappt dabei mal wieder aus der Reihe und schmeißt uns mit "Le Noise" ein Album vor die Füße, das im Gegensatz zu Claptons "Clapton" sicher nicht schwiegermutterkompatibel ist, sondern womöglich sogar Young-Anbeter vors weise Köpfchen stößt. Fangen wir mal so an:

Ziemlich genau vor 29 Jahren kam das - bis heute ungeliebte - Album "Re-ac-tor" mit CRAZY HORSE auf den Markt. Darauf war ein Song namens T-Bone vertreten, und der hatte über seine neun Minuten Spieldauer genau zwei Sätze anzubieten: "Got mashed potatoes - Ain't got no T-Bone". Das ganze untermalt von ziemlich infernalischem Lärm. Neil Young bringt derlei dadaistischen Unsinn mit Leichenbittermiene ans Volk und überlässt diesem auch die Deutung der ach so bedeutungsschweren Worte (Rap-id Tran-sit hatte kaum mehr Wörter und Sinn, dafür das wohl bestgerollteste "R" der Rockgeschichte). Vermutlich lacht er sich heimlich krumm und schief darüber, womöglich ruft er manchmal auch Bob Dylan an und kichert gemeinsam mit dem über die neuesten Entschlüsselungsversuche der Musikprofessoren. Aber zurück zu "Le Noise".
Fast scheint es, als ob sich mit dieser CD für Neil Young der Kreis der Minimalkunst schließt. Die Texte der acht Lieder sind zwar ergiebiger als bei T-Bone, dafür krawallt der Kauz diesmal ganz alleine durchs Unterholz. Nur sein "Gesang" und die Gitarre sorgen für 38 Minuten, ähm, Unterhaltung. Als Soundtüftler hat er sich Daniel Lanois geholt, der neben seinem Hang zum Wohlklang bekanntermaßen auch abgedrehte Töne mag und die Arbeit an "Le Noise" vermutlich als willkommene Abwechslung zu seinem Tun mit U2 oder Dylan sah. Und ja, das Wortspiel "Lanois - Le Noise" ist aber auch so was von originell.
Lanois hat den gesamten Technikfundus zum Einsatz gebracht und lässt "Le Noise" in seinen besten Momenten wie das Werk einer ganzen Band klingen, kann aber naturgemäß den ein, zwei schwächeren Kompositionen nicht über den Hügel der Langeweile helfen. Young selbst erzählt ein paar Geschichten, manche interessant, manche gewohnt kryptisch, spielt dazu die Holzfällergitarre und überlässt den ganzen Rest seinen Jüngern, die "Le Noise" sicher wieder in die Nähe anderer sakraler Monumente wie Notre-Dame de Paris, "Live Rust" oder "Zuma" rücken werden. Dazu passt auch das graue Pappcover: Young zwischen zwei Säulen im gleißenden Strahl der Erleuchtung. Besser kann man sich kaum inszenieren. Obwohl, die Star-Wars-Mönchskutten in "Rust Never Sleeps" waren schon auch ganz gut.

Einer, der ein ganzes Konzeptalbum über den Umbau eines alten Autos schreiben kann ("Fork On The Road", 2009), darf auch Noise machen. Genie kommt von genieren, wer sich wegen nichts mehr geniert ist ein solches. Insofern erübrigt sich jede Kritik an diesem und jedem anderen Werk eines Neil Young ohnehin. Ich mag "Le Noise" jedenfalls, meine Mama vermutlich nicht.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 23.09.2010


 
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