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CD-Review:
NormahlInri 21 |
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Jawohl! Die Vorzeigepunks aus dem Land der Häuslesbauer, Viertelesschlotzer und handgschabter Spätzle sind zurück und legen nach langjähriger Pause mit "Inri 21" ein neues Album vor. Was haben wir sie vermisst. Ohne NORMAHL ist die deutsche Punkszene so komplett wie die Speisekarte einer gutbürgerlichen schwäbischen Boiz, auf der koine Mauldasche ond Buabaspitzle z'fenda send. Neun Jahre sind seit dem letzten Studioalbum "Auszeit" ins Land gezogen, doch wenn man sich "Inri 21" zu Gemüte führt, dann scheint es fast, die Zeit sei stehen geblieben. Die Rebellen aus dem Muschterländle setzen immer noch musikalisch auf simplen, aber sehr effektiven, arschtretenden melodischen Punk der flotteren Gangart (Stichwort: oins, zwoi, drei, vier... schreddeldäng!!!) und links-alternative Texte, grad so wie ene dr Schnabl gwachsen isch. Spießertum, Staat und Kirche bekommen eine volle Breitseite verpasst, natürlich in plakativen Parolen verpackt, teilweise von entwaffnender Naivität strotzend, ohne mit kleinen, fiesen Seitenhieben auf die eigene Punkszene zu sparen.
Es gibt viel zu viele Menschen,
die halten es für Glück, Wenn sie 365 Tage am Stück Wie ein Esel jeden Schlag von ihrem Herren akzeptiern Um dann irgendwann als Vollidiot in einer Klapse zu krepiern (Und darum bleib ich Punk)
In dieses Land wurden wir geboren
Gar nicht lange nach tausendjähriger Nacht den großen Krieg hatten andere verloren und genau die saßen wieder an der Macht und heut reden Deine Enkel auch schon wieder von Leitkultur und großdeutscher Idee und das Einzige, was Du hier noch zu bieten hast, ist deine Dummheit und die kommt nicht von BSE (Dora D.)
Sicherlich ist das nicht wirklich große Lyrik, aber es sind ansprechende Statements, frei von der für die Handygesellschaft typischen Oberflächlich- und Gleichgültigkeit. Bedenklich, um noch einmal den Bogen zur Vergangenheit zu schlagen, dass es immer noch die gleichen Themen sind, die NORMAHL auch heute noch anprangern müssen. Muss ich noch mehr sagen? Vielleicht, dass auch Wolf Biermanns Große Ermutigung (da kommt dann sogar ein Hauch von TON, STEINE, SCHERBEN auf) und Tommy Baiers Der letzte Cowboy sich hervorragend in das Gesamtkonzept einfügen. Auf "Inri 21" präsentieren sich NORMAHL in bestechender Form und viele der darauf enthaltenen Songs verdienen es in einem Atemzug mit Bandhymnen wie Punk ist keine Religion, Deutsche Waffen, Schlägerpolizist oder Keine Überdosis Deutschland genannt zu werden. Lediglich die Fun-Punk-Fraktion in der Fangemeinde kommt etwas zu kurz, aber seien wir mal ehrlich: In Zeiten wie diesen wäre ein Konzeptalbum zum Thema 'Physische und psychische Reaktionen eines Homo Punkicus auf die überdosierte Anwendung legaler und illegaler Drogen' doch etwas fehl am Platz. Martin Schneider, (Impressum, Artikelliste), 21.03.2003
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