|
|
| Over The Edge featuring Mickey Thomas, Frontiers Records, 2004 |
| Mickey Thomas |
Lead & Background Vocals |
| Biggs Brice |
Drums |
| Kenny Wilkerson |
Bass |
| Fabrizio Grossi |
Bass, Keyboards, Additional Guitars, Background Vocals |
| Rob Vanni, JM Scattolin, Neal Schon, Richie Kotzen, Steve Lukather |
Solo Guitars |
| Francis Benitez, Josh Johnston |
Background Vocals |
| Produziert von: Fabrizio Grossi |
Länge: 47 Min 10 Sek |
Medium: CD |
|
 |  |
| 1. Over The Edge | 6. Forest For The Trees |
| 2. One World | 7. The Man In Between |
| 3. Thief | 8. Cover Me |
| 4. Surrender | 9. Turn Away |
| 5. Eyes Wide Open | 10. Glory Day |
 |
"...nothing else than a wet dream for all melodic rock lovers!" steht im Presseinfo zu dieser Platte. Vorsicht! Solche Aussagen können leicht zu nothing else than a shot in the knee werden. Diese Platte ist nämlich nur dann ein wet dream, wenn der Hörer seinen Teppich mit Tränen tränkt und die Soße dann mit einem fettigen Lappen aufzuwischen versucht. Wo dabei allerdings der dream bleibt... keine Ahnung.
Mickey Thomas ist derjenige, der JEFFERSON STARSHIP zu STARSHIP machte und sie auch kurzzeitig mit Achtziger-Mainstream in die Charts hievte. Das Ergebnis war bekanntlich grausam (We Built This City, Nothing's Gonna Stop Us Now und als Krönung Sara) und der Absturz für das Raumschiff um so desaströser.
Immer mal wieder tauchte Thomas in den Neunzigern auf irgendwelchen Platten auf und jetzt hat er sich von diversen bekannten Namen offenbar Überbleibsel aus deren Archiven geklaut um sie auf seinem Soloalbum zu verbraten. Ach was, braten. Bestenfalls auf kleiner Flamme dünsten. Krankenhauskost, salz- und gewürzlos, zerkocht bis auf das allerletzte Vitaminchen und geeignet für jeden Kukidentkonsumenten.
"Over The Edge" ist dermaßen um jede Ecke, dass man den Glauben verlieren könnte. Ja Herrgott, wer will denn heute noch solchen Hausfrauen-Konsens-Lenor-Pop-Schmonzens hören? Nicht einen einzigen Song hat Herr Thomas selbst geschrieben, seine Stimme mag zwar durchaus angenehm sein, aber in dieser X-Beliebigkeitsarie allererster Güte klingt er wie der Verzapfer des nächsten Disney-Soundtracks. Und selbst Nemo hat mehr Zähne im Fischmaul als diese Windelweichausscheidung.
Gleich fünf mehr oder weniger namhafte Gitarristen bietet die CD auf und trotzdem kriegt es weder Neal Schon noch Richie Kotzen und gleich gar nicht Steve Lukather hin, den Songs ein klein wenig Rock-Attitüde zu verpassen. Immer gleiche Soloselbstbefriedigungen, permanent sich wiederholender Bassrhythmus (wahrscheinlich direkt von STARSHIPs "Knee Deep In The Hoopla" gesampelt) und über allem Thomas' verwechselbares Hochton-Stimmchen vermischt mit Hu-Hu-Schubidu Backgroundgejaule.
Solche Musik funktioniert ausschließlich dann, wenn die Songs passen, eine nette Hookline und ein ordentlicher Chorus am Start sind und eine amtlich rockende Band sich schafft. Dies hier ist allerdings ein so offensichtliches Studioprojekt, dass einen die verwendeten Pro-Tools direkt anspringen. Und die Songs sind... siehe oben... Resteverwertung.
Zugegeben, drei Nummern gehen wenigstens als Zwischendurch-Berieselung durch. The Man In Between und der Titelsong. Aber auch die sind in den vergangenen Jahrzehnten etwa 17.000 Mal wiedergekäut und neu verdaut worden. Wenn gar im Neal Schon/Jack Blades-Song Surrender anfangs ein paar markante Gitarrentöne auftauchen, werden die sofort gnadenlos ins Nirwana gemischt und mit Einheitssoße zugekleistert.
Ganz gruselig wird's bei Kaufhausmusik wie Cover Me oder Glory Day (was für ein abartiger Synthetik-Sound). Alexander K. ist dagegen purer Progressive Metal.
"Geht nicht gibt's nicht" sagt eine Fernsehwerbung. Das hier geht gar nicht und gibt es trotzdem. Pure Verschwendung und ein Sargnagel für die grade wieder leicht geöffnete Melodic Rock Schublade. Ich weiss nicht, was das Frontiers Label geritten hat, diesen Mensch unter Vertrag zu nehmen.
Als Bonus gibt es noch ein Video und ein Interview. Hab ich mir erspart.
Sagt uns die Meinung zu diesem Artikel oder ergänzt oder verbessert ihn:

|