HoR Logo kl CD-Review:

RPWL

World Through My Eyes

Logo Home-of-Rock
Startseite > CD-Reviews > RPWL > World Through My Eyes

Link Homepage & Kaufen:
Offizielle RPWL Homepage
Link Homepage:
RPWL @ MySpace.com
Link Homepage:
Kalle Wallner @ MySpace.com
Link Homepage:
Blind Ego @ MySpace.com
Link Kaufen:
www.amazon.de
Link Plattenfirma:
Tempus Fugit
Link Plattenfirma:
InsideOut Music
Link Vertrieb:
SPV
Mehr Info:
All Music Guide (englisch)

Unser Disclaimer
World Through My Eyes
RPWL
World Through My Eyes, Tempus Fugit/InsideOut Music/SPV, 2005
Stephan Ebner Bass
Jürgen 'Yogi' Lang Vocals, Keyboards
Manfred Müller Drums
Karlheinz Wallner Guitar
Gast:
Ray Wilson Vocals
Produziert von: Jürgen 'Yogi' Lang Länge: 68 Min 14 Sek Medium: CD
1. Sleep (7:10)7. Day On My Pillow (4:22)
2. Start The Fire (5:06)8. World Through My Eyes (10:04)
3. Everything Was Not Enough (8:42)9. Wasted Land (4:52)
4. Roses (5:39)10. Bound To Reach The End (6:39)
5. 3 Lights (7:30)Bonus Track:
6. Sea-Nature (8:10)11. New Stars (6:30) (nur auf der Special Edition)

Hat sich die Erdachse verschoben und wurden damit auch die Gezeiten verändert? Wird der Winter nun zum Sommer gemacht, oder werden uns zukünftig Orkane und Flutwellen tyrannisieren? Haben etwa außerirdische Kräfte ihre Hände dabei im Spiel! Vielleicht sind sie sogar schon unter uns, getarnt als kleine grüne plappernde Krokodile oder als singende, tanzende Mad Max Klone in Plastikgewändern und treiben die Menschen in den Konsumrausch. Das würde zumindest die derzeitigen oberen Plazierungen in den deutschen Charts erklären. Ist es zum Glück doch nur eine reine Fiktion? Um nicht solchen suizidalen, apokalyptischen Gedanken nachzuhängen, sind einfach die gewissen Momente im Leben wichtig. Eine musikalische Seelenmassage könnte hier beispielsweise sehr von Nutzen sein, warum nicht sogar aus bayerischen Landen.

Wer denkt, daß die Weißblauen Weltmeister im Weißwürsteverzehren und Maßkrügestemmen sind, liegt mit der Meinung völlig richtig. Wer bisher dachte, daß sie nur Mundartmusik darbieten können, liegt diesmal völlig falsch. Spätestens mit dem Erscheinen eines Quartetts aus dem oberbayrischen Freising wurden diese Thesen grundsätzlich erschüttert.
[Ansonsten ist natürlich alles richtig. Wir Bayern leben auf Bäumen, gehen gebückt und wählen Stoiber. Red.]
Die Rede ist von RPWL, die ursprünglich einmal als PINK FLOYD-Coverband durch die Klubs tingelten und die sich bis heute zur besten einheimischen Artrockband gemausert haben.
Nach fast drei Jahren kreativer Pause liegt nun das neueste Werk "World Through My Eyes" vor, mit dem sie sich ganz sicher endgültig auf dem überregionalen Markt der anspruchsvollen Rockmusik etablieren werden.

Ein wichtiger Unterschied zu ihrem letzten regulären Studioalbum "Trying To Kiss The Sun" (Juli 2002) erschließt sich beim ersten Hören: Die Eingängigkeit des Songmaterials.
Wirkten die ersten beiden Tonträger (ohne Berücksichtigung des Archivfüllers "Stock", 2003) noch etwas sperrig, gelingt es den Freisingern diesmal, die Emotionalität der progressiven Soundelemente mit einem gewissen Pop Appeal zu verbinden. Ausgefeilte, filigrane Instrumentalarrangements verführen den Hörer zu einer melancholischen Entdeckungsreise in weite Artrockregionen. Diesmal liegt dem Output erstmalig ein Konzept zugrunde, wobei sich die Texte von Sänger Yogi Lang und dessen Vorliebe für die indische Mythologie hervorragend in die zauberhaften Melodiestrukturen einpassen. Er greift auf die Jahrtausende alte indische Lektüre das "Ramayana" zurück, ein religiöser Führer mit seiner Philosophie über die Werte der Menschen. Der Grundtenor besteht darin, verloren gegangene Werte der Menschheit mit ihren Moralvorstellungen wieder lebendig zu machen.
"Die Welt ist im Grunde von unseren Idealen und Wertvorstellungen abhängig, und damit letztlich von unserer mentalen Entwicklungsstufe. De facto setzt aber längst die Macht des Geldes Maßstäbe für Glück und Zufriedenheit. Wir haben Intuition durch Mammon ersetzt - mit dem schlimmen Ergebnis, daß nicht mehr wir im Mittelpunkt stehen, sondern ein, 'Außen' über uns bestimmt." (Zitat: Yogi Lang/InsideOut Music)
Diese Spiritualität ergreift natürlich auch Besitz von "World Through My Eyes" und dessen Songmaterial. Die Facetten reichen von ungewohnt rockigem bis zu einschmeichelnden und innovativen Melodien. Die fernöstlichen musikalischen Akzente ziehen sich wie ein roter Faden durch das gesamte Konzept.

Diese kommen auch gleich beim Sitar-Intro des Openers Sleep zum Tragen, bevor dieser sich rockig, von einem Percussionteppich beflügelt, sehr bald gesangstechnisch in GENESIS-Manier, in die altbewährten sphärischen Momente begibt. Beschlossen wird das überwiegend treibende Stück mit einem recht ausladenden Finale einschließlich dem grandiosen Gitarrensolo.
Beim anschließenden Start The Fire kommen die Liebhaber der späten BEATLES voll auf ihre Kosten. Nach dem Floyd'schen Anfang (Echoes läßt grüßen) steigert sich der Track zunehmend in ein knackiges Grundthema, untermalt von einem schwebenden Keyboardgebilde mit einer sonst lockeren Melodieführung. Die süßlich anmutenden Vocals geben die nötige Würze dazu, wobei hier aber wieder der deutsche Grunddialekt herauszuhören ist.
Das Letztere ist aber nur eine Feststellung und keine Mangelbescheinigung!
Die Fab Four Einflüsse bleiben auch beim 3. musikalischen Kapitel allgegenwärtig, das sich mit einem zuckersüßen Pianointro, nebst ebenbürtigen Gesang, zu einem gemeinhin balladesken Klangwerk entwickelt. Die atmosphärische Steigerung mit dem betörenden Gitarrenzauber versprüht nachhaltig das Flair der 76er GENESIS-Phase. Nach diesem Wechselspiel wird der Song mit einem elegischen Gitarrensolo würdevoll abgeschlossen.

Bei Roses wird sicherlich mit einem Auge zu einer Chartplatzierung geblinzelt, was ja nicht unbedingt als verwerflich angesehen werden muß. Dieser lockere Popsong mit echten Ohrwurmqualitäten ist zwar simpel gestrickt, aber keineswegs stupide. Die tolle Melodie erinnert etwas an Herrn Rutherford & seine Mechaniker, hätte aber auch gleichzeitig auf dem letzten GENESIS-Output einen berechtigten Platz einnehmen können. Das besondere Schmankerl daran ist Gastsänger Ray Wilson (ex-STILTSKIN, GENESIS) am Mikrofon. Kein anderer, als der mit einer wunderbaren Stimme gesegnete Schotte, hätte diese klingende Betrachtung über die Einsamkeit besser und ausdrucksvoller aufbereiten können. Roses ist einfach nur kurzweilig und schön.

Das mit einem akustischen Part eingeleitete 3 Lights mausert sich im weiteren Verlauf zu einem perfekt arrangierten Epos. Die unterschiedlichsten Gitarren- und Keyboardsounds werden hier mit den wunderbaren Gesangsharmonien in einen spannenden Einklang gebracht und sehr liebevoll nebst verwobenen Details präsentiert.
Dieses magisch-melodische Klanggespinst erweist sich als ein hochoriginärer Mix aus etwas ALAN PARSONS PROJECT, Artrockeinflüssen der frühen 70er und virtuosen Synthierhythmen a la Manfred Mann. Die äußerst gelungene Fusion wird immer wieder von Stimmenpassagen bzw. Geräuschsamples unterlegt, bis die schwebenden Gitarrenläufe, die einem David Gilmour verdammt nahe kommen, den Track langsam zum Abschluß drängen.
Überhaupt versetzen uns die Oberbayern mit ihrer Musik in einen entspannt schwingenden, atmosphärischen Zustand, wobei die Freunde Floyd'scher Klänge vollends auf ihre Kosten kommen. Schließlich stehen Sänger und Keyboarder Jürgen 'Yogi' Lang, Gitarrist Karlheinz Wallner (beide ex-VIOLET DISTRICT), sowie die beiden Neuzugänge, Schlagzeuger Manfred Müller und Bassist Stephan Ebner, zu ihrer tiefen Verbundenheit mit dieser Band.
Sie unterliegen aber nicht der Versuchung, den typischen FLOYD-Sound einfach nur zu kopieren. Die in jedem Fall brillante und den hohen Maßstäben gerechte Produktion leistet dabei ihren nicht minder wichtigen Beitrag.

Mit dem 6. Track tauchen die Protagonisten tief in die esoterischen und psychedelischen Hyperräume ab. Elektronische, spacige Synthies verbünden sich kongenial mit Rock-Mainstream und dem begnadeten Gesang zu einem intergalaktischen Weltraumtrip.
Sea-Nature stammt ursprünglich aus der Feder des egozentrischen Ausnahmemusikers Steve Hillage und ist auf dessen letzten Studiowerk "Green" von 1978 wiederzufinden. Der Brite zählt heute wohl unbestritten zu den Pionieren der Spacerock und der Canterbury Szene in den frühen 70ern. Es ist wirklich selten geworden, daß junge Bands sich solcher Künstler annehmen und eindeutige Reminiszenzen an diese wichtige Rockära abliefern. Anbetracht dieser Tatsache bin ich voll des Lobes über das Engagement der Freisinger, sich diesem Kapitel zu widmen und dem Arrangement dennoch ihren eigenen Stempel aufzudrücken. Diesmal ist es wirklich gelungen.

Day Of My Pillow ist ein lockerer, lyrischer Popsong, dessen kompositorische Tendenz gehörig zu britischen Indiebands wie etwa COLDPLAY oder RADIOHEAD verweist. Die groovige Instrumentalarbeit glänzt mit perfektem Timing und wird nur von wundervollen Retro-Hammond Orgeltönen aufgebrochen.
Höhepunkt des Albums ist zweifellos der alles bezeichnende Titeltrack. Mit seinen stolzen 10 Minuten Laufzeit eine echte Perle. Bei World Through My Eyes liegt die Kraft in den vielen Details, die bei langen Songs mit ihrem größeren Raumpotential atmen und sich ausprobieren können. Meditative Klangspielereien, mit partiellen Zutaten wie Sitar, bereiten diesem viel versprechenden Song den Auftakt, bevor Tribal-Drums und orientalische Klangmalereien unterlegt von verfremdeten Stimmensamples, den weiteren Weg weisen.
Das Rhythmik-Leitthema bereitet mir ein Déjà-vu; das muß ich schon mal mit dem letzten Peter Gabriel Studiooutput gehört haben...
Das innovative Songkonzept bringt präzise auf den Plan, was eine ausgefeilte Progkomposition an Zutaten alles benötigt. Nach dem relaxten Intro, begleitet von diversen elektronischen Spielereien und den harmonischen Gesangsparts, verleiht die zunehmende Instrumentierung (mit Hang zum Bombast) dem Stück die entsprechende Dramatik. Der Mittelteil explodiert geradewegs mit seinen orgiastischen Echogitarren und Mann-liken Tastensoli wie aus den 70er Frühwerken seiner EARTH BAND, die hier wieder zum Leben erweckt wird.
Über das Outro könnte man philosopieren, "dass jedes Ende auch wieder einen Anfang findet", weil es musikalisch mit dem wiederholten Anfangsthema diesen atmosphärisch dichten und sinfonischen Longtrack ausklingen läßt.

Bei Wasted Land wurde bewußt oder unbewußt ein Run Like Hell Zitat (P. Floyd) eingearbeitet, was aber diesen Rocksong gar nicht negativ behaftet, sondern mit dem kompatiblen Gesang als persönliche Hommage an die großen musikalischen Leitbilder gilt.
Beschlossen wird dieses Meisterwerk letztendlich mit dem traumhaften Bound To Reach The End. Dabei beweisen die Jungs noch einmal ein sensibles Händchen für ambitionierte Harmonien und Interpretationen Floyd'scher Typica. Das ausdauernde, epische Gitarrensolo überfällt den Zuhörer eiskalt mit anhaltenden Gänsehautattacken und frißt sich langsam in sein Hirn.
Damit findet ein königliches Studiowerk ein majestätisches Ende.

RPWL zeigen uns mit ihrer bislang stärksten Platte, daß die deutsche Musikszene facettenreicher ist, als uns immer glauben gemacht wird. Der Stempel "Anspruchsvolle Rockmusik Made in Germany" ist dafür zweifelsohne berechtigt.
Echte, gefühlsbetonte Proggies, die sich mit einer Wohlfühlatmosphäre noch in gewisse Begeisterung versetzten können, sollten sich diesen Hörgenuß nicht entgehen lassen. Dieses wundervolle, magische und lyrische Werk wirkt wie einfach nicht von dieser Welt. Sind gar die Außerirdischen doch schon unter uns?

"World Through My Eyes" erscheint als Regular Edition im Jewel Case sowie als Special Edition Hybrid-SACD im 5.1-Mix (spielt auf herkömmlichen CD-Playern stereo), im Pappschuber, mit erweitertem Booklet sowie Bonustrack.
RPWL begeben sich im März wieder auf Tournee und Home of Rock wird vom Konzert im Bergkeller Reichenbach/Vgtl. berichten.
Rock'n Roll will Never Die!

Ingolf Schmock, (Artikelliste), 29.01.2005

Sagt uns die Meinung zu diesem Artikel oder ergänzt oder verbessert ihn:

Startseite > CD-Reviews > RPWL > World Through My Eyes

 
© Home of Rock 2001 - 2008, Impressum