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| Belfast Confetti, DR2 Records/Intergroove, 2009 |
| Ricky Warwick |
Vocals, Guitar |
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Länge: 46 Min 13 Sek |
Medium: CD |
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| 1. Can't Wait For Tomorrow | 7. Angel Of Guile |
| 2. The Arms Of Belfast | 8. Punchin' Thunder |
| 3. Throwin' Dirt | 9. Born Fightin' |
| 4. Thousands Are Leaving | 10. Can't Hurt A Fool |
| 5. Hank's Blues | 11. If Your're Gonna Bleed… |
| 6. Belfast Confetti | |
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Wird ein Album mit "Belfast Confetti" betitelt, zwängt sich sogleich die Assoziation von urbaner Musik auf. Von Stadt-Musik, die keimfrei den Hintergrund füllt, wenn beispielsweise ehemalige Neureiche auf Vernissagen angesagter aber Hunger leidender Künstler bei Prosecco ihrem einstigen Fast-Prominenten-Status nachweinen.
Doch diesmal ist es nicht so. Vielleicht erzeugt schon die Erwähnung von Belfast die Vorahnung einer gewissen Abweichung. Stadtmusik oben beschriebener Art sucht man auf dem Output nämlich glücklicherweise vergebens. Vielmehr versucht sich Gitarrist, Sänger und Songwriter Ricky Warwick in elf hübschen Akustiksongs seiner nordirischen Identität bewusst zu werden. "Belfast Confetti" verströmt über weite Strecken die Melancholie eines aus religiösen Gründen geteilten Volkes auf einer künstlich geteilten Insel.
Warwick spielt auf seinem Album so etwas wie Sham-Rock, also irgendwie Rockmusik mit gälischen und folkloristischen Einflüssen.
Ricky Warwick wurzelt ursprünglich im Heavy Metal und im Punk. Insbesondere in seinem Gesang sind noch erkleckliche Spuren davon zu finden. Was gleichzeitig auch eine Schwäche für "Belfast Confetti" bedeutet, denn oft klingt seine Stimme merkwürdig gepresst und angestrengt, wenn er rau zu intonieren versucht. Ob er das extra macht, oder ob er diesbezüglich etwas limitiert ist, weiß vielleicht nur die Banshee seiner Heimatstadt Newtownards. Kurioserweise klingt er hingegen recht anständig, wenn er die leiseren, sanfteren Töne anschlägt. Warum er auf "Belfast Confetti" nicht durchgängig so zurückhaltend singt, weiß bestimmt nicht mal die Banshee von Newtownards...
Jedenfalls hat Ricky auf "Belfast Confetti" einige echte irische Perlen verewigt. Angel Of Guile (ja, klingt im Deutschen ähnlich wie das moderne, aber trotzdem hässliche Wort) gehört eindeutig dazu. Bei dieser sanften Nummer schafft es Warwick, sich tief in die Herzen der Hörerschaft zu singen. Leidenschaft, Emotion und ein Geigenpart prägen das Stück zu einem magischen Amulett voller Schönheit.
In die gleiche Kerbe schlägt Born Fightin'. Warwick erzählt eine seiner Geschichten über das Leben in einem Songgewand, welches sonst nur Bruce Springsteen fertig bringt. Die behutsam gezupfte Gitarre und die zarte Synthie-Untermalung sorgen zusammen mit Warwicks überzeugend verhaltenem Gesang für die Klasse des Songs, der ohne weiteres auch jederzeit zu Beischlaf-Erschleichungs-Zwecken eingesetzt werden kann.
Etwas flotter, aber nur im rhythmischen Sinne gemeint, bereichert Can't Hurt A Fool das Album. Das flockige 6-Saitenensemble, einschließlich Ukulele, wenn nicht alles täuscht, hüllt das Stück in ein luftiges Kleid. Ein Song zum Genießen, ein Song für einen Ausflug, ein Song für ein grandioses Panorama.
Welcher Teufel Warwick hingegen bei Hank's Blues geritten hat, ist sofort klar. Country-Legende Mr. Williams persönlich stand Pate. Aber muss man denn dann gleich eine Hauruck-Nummer mit übersteuertem Gesang abliefern, wenn man einem seiner Helden eine Ehre erweisen will?
Sham-Rock Ricky Warwicks Machart ist in der Tat nett anzuhören, aber irgendwo auch weder richtig Fisch noch Fleisch. Dazu klingt der Mix einfach zu bemüht, insbesondere an den fetzigeren Stellen. Wir glauben Ricky Warwick wirklich, dass er wirklich glaubt, dass die "Belfast Confetti"-Musik aus seiner linken Herzkammer strömt. Aber wir glauben auch, dass sich Ricky damit wirklich irren könnte. Man wird den Eindruck nicht los, als wolle er einfach zu viel, denn ab und zu verschwindet der authentische Ansatz unter dem Schleier des Überambitionierten.
Trotzdem, alle die gerne gute, handgemachte, irische Rockmusik mögen, denen aber zu viel irisches Folk-Gedudel wie bei den WATERBOYS oder den HOTHOUSE FLOWERS mittlerweile gehörig auf die Nüsse geht, können Ricky Warwick ruhig mal eine Chance geben. Es wird sich lohnen.
Nur am Rande: Ja, dieser Ricky Warwick ist wirklich der Ricky Warwick von THE ALMIGHTY.
Ja, dieser Ricky Warwick ist der Ricky Warwick, der samstags morgens seinen Kaffee von Vanessa Warwick ans Bettchen gebracht bekommt.
Ja, diese Vanessa Warwick ist die Vanessa Warwick vom "Headbangers Ball", in die alle schmalbrüstigen Metaller vor zig Millionen Jahren so hoffnungslos verknallt waren.
Was bleibt, ist nochmals auf "Play" zu drücken und der gesamten HoR-Redaktion beim nächsten Treffen eine Runde Guinness zu spendieren.
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