HoR Logo kl CD-Review:

Logo Rita & The Rock'n'Rollers

Hot Blooded

Logo Home-of-Rock
Hot Blooded
Hot Blooded, Samtrecords, 2004
Rita Rock Vocals, Bass
Bernard Groll Guitar
Mark Wilson Drums
Tom & Bart Wittrock Guitars (Come To Rock)
Produziert von: Rita Rock & Bernard Groll Länge: 47 Min 15 Sek Medium: CD
1. Travelling Woman8. Come To Rock (If You Didn't Come To Rocknroll)
2. Running Shoes9. Me & Bobby McGee
3. Oh Lord, Oh Lord10. Arlington Hop
4. Echo Surfer11. Annoying Neighbor Blues
5. Not Sad Anymore12. Not Again
6. Hot Blooded13. Grolling Home
7. Home To You14. Wheels For My Hamburger

Offensichtlich ein Frühwerk von Juliane Werding. Aus der Zeit, als sie noch vom Tod von Janis und Jimi beeindruckt war, zottelige Mäntel trug und Kumpel Conny Kramer fröhlich mit Needle & Spoon herumexperimentierte. Wie's ausging ist bekannt, Juliane hat sich von dem Verlust nie mehr erholt und singt bis heute traurige Lieder bei Dieter-Thomas Heck Nachf.
Quatsch mit Soße. Das Mädel auf dem Cover heißt nicht Juliane W. sondern Rita Rock (ähm, ne, ich sag nix), der verwegene Kerl mit Gitarre dahinter ist ein gewisser Bernard Groll und die Marshalls links daneben heißen Marshall. Und wo RITA & THE ROCK'n'ROLLERS draufsteht ist reichlich frischer Bluesrock aus der Texasschule drin. Frisch nicht im Sinne von "Neuerfindung des Blues" (an dieser Stelle sehe ich diverse Redaktionskollegen brüllend auf dem Fußboden herumrollen), sondern im Sinne von "altes Fahrrad frisch aufpoliert und geländegängig gemacht".

Frau Rock kommt aus Köln, Tx. (s.a. Dominik Clayton) und hat ihre CD in Dallas, NRW aufgenommen. Dort treibt sie sich offenbar öfter rum, bebluest die örtlichen Bühnen und hat sich ein paar lokale Szenegrößen wie Bart und Tom Wittrock (recht bekannte Gitarrenbauer und -verkäufer) geschnappt, damit die ihre CD "Hot Blooded" mit dem noch fehlenden Quäntchen Authentizität veredeln. Hat geklappt!

Gutaussehende junge Frau im Power-Retrolook, Gibson-Guitarman mit Hut, historische Originalschauplätze, da könnte schlimmstenfalls Wüstensand ins Getriebe geraten sein, ansonsten sollte das Ding eigentlich ein Treffer sein.
Und tatsächlich, die CD geht gut ab. Zum Glück liegt's weniger an Dallas als an den beiden Protagonisten. Rita zupfelt nämlich einen straighten Bass und Mr. Groll hat das große Blues-1x1 zweifellos schon vor etlichen Jahren gelernt. Der hat so ziemlich jeden Kniff drauf und lässt den Hörer immer wieder zufrieden grinsen, weil man das grade gehörte entweder erwartet hatte oder von einem messerscharfen Riff das Fell aufgeritzt bekam.
Fehlt noch der Gesang. Frauen im Rock (tut mir leid Rita, auch wenn's platt ist, es schreit gradezu danach) haben es mir seit jeher angetan. Wenn eine dann auch noch richtig shouten kann, um so mehr. Rita singt klar, deutlich, fraulich, variabel und sie KANN shouten. Auch wenn sie blond ist und ihr ca. 75 Kilo zur röhrenden Tiefe diverser Blues-Großmütter fehlen, das Stimmchen ist schon mehr als beachtlich! Einzig die beiden Coverversionen von Janis hätte ich persönlich nicht auf die Scheibe gepackt. Nicht wegen Unfallgefahr, die Klippe hat sie recht meisterlich umschifft, sondern weil es ein doch recht offensichtlicher Fingerzeig in Richtung Vorbild ist und man Me & Bobby McGee im Jahr 2005 wirklich zur Genüge kennt. Andererseits hat der (im Grunde noch abgenudeltere) Hidden Track alleine wegen dem witzigen Texteinfall seine Berechtigung. Kein Grund zur Nörgelei also (und Finger weg vom Silikon, da steh ich gar nicht drauf!).

Mir persönlich gefallen natürlich am besten die rockigeren Nummern wie Travelling Woman, Hot Blooded (sexy Idee, das mit der gedoppelten Stimme), der stramme Shuffle Come To Rock mitsamt sauberer Guitar Battle von den Wittrocks, der vollständig von Dust My Broom geklaute und trotzdem geile Annoying Neighbor Blues oder mein Liebling Wheels For My Hamburger. Aber auch die etwas verhalteneren Nummern haben genügend Soul und Groove, um fast durchgehend zu überzeugen.
Zweimal entfleucht Bernard Groll dem Blues und surft recht geschickt durch ein paar kalifornische Wellen, aber das hat auch schon Bugs Henderson immer wieder gern gemacht, und damit sei auch die Ähnlichkeit dieser beiden Gitarristen erwähnt.

In den letzten Jahren gab es einige junge und tolle Sängerinnen. Von manchen hat man ruckzuck nie mehr gehört (Shannon Curfman, deren zweite CD seit Jahren angekündigt ist), andere (Joss Stone z.B.) wurden bereits mit ihrem Zweitwerk glattgebügelt, Rita Rock dürfte sich mit ihrem unverrückbaren Bluesrock relativ problemlos in der kleinen Szene festsetzen. Sie und ihre Rock'n'Rollers klingen wirklich nicht wie eine Eintagsfliege.
Überzeugend!

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 08.01.2005

Sagt uns die Meinung zu diesem Artikel oder ergänzt oder verbessert ihn:

© Home of Rock 2001 - 2008, Impressum