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Blood Brothers

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Blood Brothers
Blood Brothers, Armageddon Music, 2007
Angry Anderson Vocals
Mick Cocks Guitar
Steve King Bass
Paul DeMarco Drums
Dai Pritchard Slide Guitar
Produziert von: Marc Opitz Länge: 41 Min 00 Sek Medium: CD
1. Black Eyed Bruiser7. Man About Town
2. Slipping Away8. Creeper
3. Once In A Lifetime9. Stand Over Man
4. 185410. Nothing To Lose
5. City Blues11. Lubricated
6. Sweet Meat

Was ist los? Altersmilde? Keine Hassausbrüche von Angry Anderson mehr? Dafür ein gitarrentechnisch reichlich lauwarmer Auftakt mit Black Eyed Bruiser, einem Vanda/Young-Titel für den ehemaligen EASYBEATS-Junkie Stevie Wright aus den Siebzigern. Und Chöre. Und irgendwie dünn das alles, oder? Auf jeden Fall lang nicht so derb wie vor knapp vier Jahren "Pain" daherrotzte. Nun ja, da war erstens Pete Wells noch dabei und zweitens wurde ein guter Teil der Gitarrenarbeit von Bernie Marsden als Stuntman erledigt. Der ist ein anderes Kaliber als Mick Cocks und der neue Slide-Gitarrist Dai Pritchard.

Neue CD von ROSE TATTOO. "Blood Brothers" heißt sie. Kräht ein Hahn danach? Immerhin schreiben wir 2007 und. Unfug, da draußen sitzen immer noch genügend Kerle mit Bock auf solche Mucke. Ob sie aber von dieser Blutsbrüderschaft begeistert sein werden? Vom abschließenden Highspeed-Zweieinhalbminüter Lubricated bestimmt. Aber der Rest?
Das sind ganz schön viele Fragezeichen für die einleitenden Zeilen einer CD-Besprechung und sie belegen eine gewisse Ratlosigkeit. Die mag zum Teil auch in der Produktion dieser CD begründet sein, denn Anderson hat sich doch tatsächlich diesmal als Produzenten Marc Opitz, den australischen Mainstream-Guru, geholt. Gut, was in Australien Mainstream ist, ist bei uns Hardcore, Opitz hat so ziemlich die wichtigsten australischen Rocker produziert - von AC/DC über COLD CHISEL, Jimmy Barnes, ANGEL CITY bis hin zu INXS - und außerdem seine Finger bei KISS' "Alive IV" maßgeblich im Spiel gehabt. Aber für die Proleten-Band ROSE TATTOO könnte er doch zu leichtgewichtig sein. Oder liegt es einfach am Songmaterial? Kann sich Geschichte wiederholen und Anderson geht noch einmal den gleichen Weg wie beim unglücklichen Album "Scarred For Life" aus dem Jahr 1982?

Tatsache ist, dass man erstmals beim fünften Song wirklich aufmerkt. Und dieser City Blues ist eine Ballade, die noch dazu viel mehr nach NAZARETH denn nach den Tatts klingt. Verstörend irgendwie. Da hilft auch die vollmundig angekündigte historische Klassenkampf-Geschichte 1854 nicht, das Ding tröpfelt an einem vorbei - und für den Text wird sich die Konzert-Klientel ohnehin nicht interessieren.
"Blood Brothers" hat ein echtes Problem. 7, 8 der 11 Songs haben keinen Earcatcher-Faktor, keine Bösartigkeit, keine Mitgrölrefrains, keine rostigen Nägel zum sich daran den Arsch aufreißen. Das klingt fast alles zu versöhnlich und ausgeglichen - man könnte auch sagen langweilig und gleich. Natürlich macht ein Good-Time-Boogie wie Nothing To Lose Laune, aber muss es gleich sooo familienfreundlich sein? Klar, auf manche Ausfälle Andersons kann man verzichten, aber ROSE TATTOO ohne Dreck ist dann doch etwas desillusionierend.

Letztendlich bleiben zweifelsfrei etliche schöne Rocker übrig, die allerdings in dieser Häufung der Freundlichkeiten leicht enttäuschen. Wäre Angry Anderson auf der Bühne der nette Mensch wie auf dieser CD und nicht der asoziale Berserker, alles wäre gut. So kommt einem "Blood Brothers" zwar sympathisch, jedoch leicht anämisch und wie ein Abgesang vor.
So wichtig war Pete Wells für diese Band, dass die Lücke nicht zu schließen ist. Hinterher ist man immer klüger. R.I.P., Pete!

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 24.01.2007

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