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Sascha Gutzeit

Monster Of Rock

Original Grusical Soundtrack
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Monster Of Rock
Monster Of Rock, Wunschkind Media, 2010
Sascha Gutzeit Horror-Helga, Doktor Schock, Assistent (Sascha), Sheriff Walter, Corporal Identity u.a., Gitarren, fiese Keyboards, Stummfilmorgel, Schlagzeug des Grauens (Powerballade)
Manfred Lehmann Erzähler
Basti Bauer Bass & Chor
Björn Krüger Schlagzeug, Rasseln & Chor
Ingo Meyer & Thorsten Sala Gitarrensoli
Tanya Münster Frauenchor
Spezialgast:
Tom Angelripper Chor (Monster Of Rock)
Produziert von: Sascha Gutzeit Länge: 72 Min 51 Sek Medium: CD
1. Gruselhorrorschau17. Irrsinn der Skelette
2. Kaff am Arsch der Welt18. Powerballade
3. The Bumper Of The Beast19. Der Grabstein des Todes
4. Horror Labor20. Doktor Dämon
5. Die Schreckenskammer des Doktor S.21. Ein Fall für die P.O.L.Z.E.I.
6. Im Bann des Sex-Weibs22. Highway zu Helga
7. Attacke in der Nacht23. Tod, Verderben und Bon Jovi
8. Tropfende Säcke im Kerker des Wahnsinns24. Runaway Love
9. Doktor Schock25. Der Kopf, der weiterlebte
10. Gefangen in der Höllen-Maschine26. Monsterpuppe
11. Panik im Sheriffbüro27. Duell mit der versteinerten Killer-Bratze
12. Arschlecken Schätzken28. Auf Wiedersehen Superhelden
13. Blutige Begegnung mit der Horror-Helga29. Oder endete alles doch ganz anders?
14. Filmtod30. Hard Rock Rendezvous
15. Die Menschheit klebte unter ihren Stiefeln31. Schund
16. Monster Of Rock

Es gibt Bücher über bedrohte Worte, auch welche über in Vergessenheit geratene und sogar welche über Fremdwörter - wobei ja gar nicht klar ist, wem das betroffene Wort fremd oder ganz und gar, vielleicht sogar intim bekannt ist. Aber es gibt kein Buch über: vernachlässigte Worte. Beispielsweise dem wunderwunderschönen Wort Powerballade wurde bisher bestenfalls in Fachpublikationen wie dem "Metal Hammer" ein, nun ja, Wort gewidmet. In der breiten Öffentlichkeit führt diese Primzahl unter den Worten ein bemitleidenswertes Randdasein. Anzunehmen ist, dass es auch keinerlei wissenschaftliche Erkenntnisse über den Gemütszustand solcher vernachlässigter Buchstabengebilde gibt; dabei ist die Ghettoisierung des Wortes, gleich welcher Herkunft und Aussagekraft, ganz bestimmt ein Verstoß gegen die Babylonische Wortkonvention - doch niemand schritt bisher ein.
Aber jetzt kommt "Monster Of Rock" und schmeißt der Powerballade nicht ein, zwei, sieben oder zwölfunddreißig Worte hin, nein, "Monster Of Rock" schenkt der Powerballade ein ganzes nach ihr benanntes Lied. Ist das nicht wunderwunderschön?
Powerballade steht fürderhin stellvertretend für alle vernachlässigten Worte unserer und aller anderen Zeiten, es ist ein Fanal gegen die Vernachlässigung schlechthin. Bitte, liebe Leserin, lieber Leser, stehen Sie an dieser Stelle auf und entzünden sie eine Lichterkette von hier bis dort, um allen anderen vernachlässigten Wörtern dieser Welt ebenfalls ein eigenes Lied an den Hals zu wünschen. Mögen sich bald Liederschreiber finden, die zum Beispiel dem Nasenbeinbruch ein Lied ins Stammbuch malen. Oder der Pleuelstange.
Bis dahin richten wir uns auf an der Powerballade, deren Ursprung weit über das Archaikum der modernen Rockmusik hinausgeht, vermutlich sogar aus Zeiten stammt, in denen Gitarristen noch eigenes Fell trugen und Blut an den Saiten für Jagderfolg hielten.

Hat zufällig am 3. Juni jemand KISS bei EinsPlus gesehen? Der komplette Auftritt live vom "Rock am Ring". Zwei Stunden mit allem was das Kind braucht: Raketen, Detonationen, Teleskopbühnen, Konfetti, Kunstblut, Videowände, Lichtshow, zerdepperte Gitarre, Feuerspucken, Flugeinlagen, 138% aller möglichen KISS-Posen - eben das ganze Programm. Schön war's, lustig war's - vor dem Fernseher. Aber 170 Euro zahlen um KISS bei so einem komischen Festival zu sehen? Nein, da widmen wir uns doch besser dem wahren Monster of Rock: Helga Stein.
Der Erzähler sagt zu Recht: "Ihr macht euch gleich in die Hose - wegen dem Rock'n'Roll und dem ganzen Blut."

Sascha Gutzeit hat wieder eine neue Platte. Nach der Wuppertal-Hommage "Trassenfieber" ist es diesmal der Soundtrack zum Grusical "Monster Of Rock".
Ach so, was ich noch fragen wollte, kennt jemand die WiXXer-Filme von Kalkofe, Welke und Pastewka? Findet die jemand lustig? Echt jetzt? Na dann. Solche Leute lachen auch über "Das Leben des Brian", "Pulp Fiction" und "Die nackte Kanone". Leute, das ist Banalhumor, gemacht für diejenigen, die schon als Schüler im Blaumach-Nonstop-Kino nicht genug von Godzilla kriegen konnten (in meinem Vormittagskino liefen übrigens auch oft die Frankenstein- und Dracula-Filme mit Peter Cushing und Christopher Lee).
In Wuppertal gab es offensichtlich auch solche Lichtspielhäuser, anders ist die Erschaffung von Horror-Helga nicht zu erklären. Aber wie kommt man zu dem Satz "Er fühlte sich wie ein Wacken-Open-Air mit Reinhard Mey als Hauptgruppe"? Und wie kommt man zu einem Erzähler wie Manfred Lehmann, der nicht nur Gérard Depardieu und Bruce Willis synchronisiert, sondern auch als Schauspieler bekannt und als Sprecher des Satzes "20 Prozent auf alles, außer Tiernahrung" berühmt ist?
Dieser Gutzeit ist ein Fuchs, der ist sogar Google Earth voraus und kennt die Road Stewart. Möglicherweise kennt er auch die abgedrehten Sendeschluss-Videos vom KiKa, in denen Bernd das Brot, der anarchistisch nörgelnde Misanthrop, durch diverse menschliche und brötliche Höllen gejagt wird. Auf jeden Fall dreht Sascha Gutzeit mit seinem "Monster Of Rock" am Rad. An seinem, an DEINEM, am Stein- und Rhönrad, ja, sogar am ganz großen Rad der Rock-Oper.
Muss etwa die Geschichte seit der "Rocky Horror Show" und "Tommy" umgeschrieben werden? Grundsätzlich ja, aber dann kommt ein Spruch wie: "In diesem Moment wusste Helga, wo der Frosch die Locken hat". Himmel, wo liegt die Grenze zwischen Wissenschaft und Ernst? Überbrückt der lispelnde Corporal Identity diese Grenze? Schafft Sheriff Walter Klarheit, oder verstrickt er sich rettungslos in seinen Sprachblähungen und der Bürokratie seiner Verbrechensbekämpfungsorganisation P.O.L.Z.E.I.?
Wenigstens Corporal Identity würde gerne zur Aufklärung beitragen, aber er wird von Horror-Helga jäh aus dem Leben gerissen und kommt leider nur noch zum Rockabilly-Statement Filmtod. Ein unschönes Ende mit Gedärmen, Tampons, groß wie Raketen, und sonstigen Fürchterlichkeiten. Ah, es ist keine schöne Geschichte, die uns "Monster Of Rock" erzählt.

Es ist eine Geschichte mit vielen, wirklich vielen Wortspielen, manche subtil, andere brachial, alle perfekt für Freunde sämtlicher bisher genannter Namen, Filme und die den Schreiber unterstützenden Brauereien. Nur leider nicht für die Fans der Powerballade, denn dieses kleine Miststück kommt am Ende nicht gut weg, obwohl es doch mit dem Wind der Veränderung und diversen weißen Tauben beginnt.
Es ist auch eine Geschichte der Anspielungen und Zitate, sogar Leonard Cohen findet seine Textzeile. Und es ist natürlich die Geschichte von Helga, der megaerotischen Reporterin, die so tragisch in die Fänge des begnadeten Doktor Schock gerät und von ihm in nur einer Minute und zwölf Sekunden versehentlich zur Horror-Helga umfunktioniert wird. Dabei ist Doktor Schock gar nicht Doktor Schock sondern Doktor Dämon, der Sohn des Teufels. Es ist in der Tat eine schaurige Geschichte.
Zum Verständnis: Helga hasst BON JOVI und Graupensuppe in nicht genannter Reihenfolge. Es ist keine Geschichte für Zartbesaitete.
"M.O.R." besteht zu Recht bis zum bitteren Ende auf seinem Anspruch Schund zu sein, allerdings muss man den Begriff "Schund" für dieses Grusical kritisch reflektieren. Der oben genannte, von uns verehrte Film "Pulp Fiction" heißt übersetzt nichts anderes als "Schundliteratur". Man muss also einen deutlichen Trennungsstrich ziehen zwischen Schund und Schund. Wenn alberne Nachwuchsspießer "Schland oh Schland" skandieren, tun sie das ohne einen Funken Humor, Kreativität und Geist, wenn Horror-Helga zu deftigem Heavyrock "Ruckedigu, ich hab Blut unterm Schuh" röhrt, liegt das Resthirn des Hörers mitsamt seinem Besitzer lachend auf dem Boden. Sagte ich lachend? Zitternd vor Angst liegen die beiden da.

"Monster Of Rock" besteht aus Erzählteilen und Musik, wobei nicht zu klären ist, was großartiger ist. Manfred Lehmann ist eine Sensation als Sprecher und Komödiant, Sascha Gutzeit stellt sämtliche Figuren inklusive dem tamilischen Messerverkäufer und Jon Bon Tempi sprachlich und musikalisch in so absurd überzeichnet glaubwürdiger Weise dar, dass man als Wortfetischist ununterbrochen Beifall klatscht. Aber dann ist da noch die Musik, diese so simple. Es ist Rock & Roll, zusammenzitiert und in maximal kleiner Besetzung dargebracht, aber das so dermaßen rattenscharf, dass man sich wiederholt beim Headbangen, Fingerschnippen oder Luftgitarrespielen ertappt.
In mehr als dreißig Jahren Leben mit dem täglichen Hard Rock Hallelujah hat mir kein Sprech'n'Roll-Grusical solchen Spaß bereitet. Es gab zwar auch noch keines, aber es wird nie mehr ein besseres geben können. Große Show, großer Witz, großes Vergnügen. Wer verfilmt das Ding? Ich stehe für eine Nebenrolle als Vizekaiser vom Giesinger Berg bereit. Der andere große Münchner aus dem Stadtteil Giesing, Kaiser Franz B., fällt leider als ehemaliger Werbeträger für Graupensuppe aus.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 01.07.2010


 
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