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| Amazonia - Live In The Jungle, Sony Music/RCA, 2009 |
| Klaus Meine |
Vocals |
| Rudolf Schenker |
Guitars |
| Matthias Jabs |
Guitars |
| Pawel Maciwoda |
Bass |
| James Kottak |
Drums |
| Gäste: |
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| Andreas Kisser |
Guitar |
| Mikael Mutti Ramos |
Keyboard, Percussion |
| André Reis de Jesus & Elbermario Rodrigues Barbosa |
Percussion |
| Ana Teresa Santos Oliveira, Flavia Barbosa Mendonca & Daniela Santos de Aguiar |
Backing Vocals |
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Länge: ca. 93 Min |
Medium: DVD |
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| Concert Recife: | |
| 1. Hour I | 8. Wind Of Change |
| 2. Coming Home | 9. 321 |
| 3. Bad Boys Running Wild | 10. Blackout |
| 4. No Pain No Gain | 11. Big City Nights |
| 5. Always Somewhere | 12. Still Loving You |
| 6. Holiday | 13. Rock You Like A Hurricane |
| 7. Dust In The Wind | |
| Special Features | |
| Concert Manaus (supported by Greenpeace): | |
| 1. Hour I | 4. Tease Me, Please Me |
| 2. Love 'em Or Leave 'em | 5. Humanity |
| 3. Make It Real | Amazonia - Greenpeace Documentary |
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Ja, die SCORPIONS, die guten Menschen aus Hannover, da sind sie wieder mal mit einer DVD. Der zigsten. Doch es ist keine "normale" DVD, es ist ein gutes Werk, so wie es Klaus Meine gerne tut. Vom Pfiff der Wende hin zum bösen lauen Lüftchen der Klimaerwärmung, genauer gesagt zum Kampf um den Regenwald in Brasilien. Gottlob kämpfen sie weitgehend nicht mit Worten, sondern mit der einzigen wirksamen Waffe einer Rockband, der Rockmusik eben.
Das gute Werk ist folgendes: Teile des Verkaufserlöses in Brasilien und Mexiko kommen Greenpeace zugute. Tja, berühmt sind die SCORPIONS in Brasilien schon, es kommen auch ein paar zehntausend Menschen zu ihren Konzerten, aber in welchen Stückzahlen sich wohl eine Hochpreis-DVD dort oder in Mexiko verkauft? Nicht umsonst ist Lateinamerika, wozu wir Mexiko der Einfachheit halber zählen, eine Hochburg der Raubkopierer, weil sich eben die Mehrheit der Bevölkerung derlei nicht leisten kann. Oder ist Hard Rock dort drüben Sache der gehobenen Gesellschaft? Die wirklich große Geste wäre gewesen, wenn Kohle aus den weltweiten Verkäufen an die brasilianische Dependance von Greenpeace gingen. Aber gut, wir sind hier nicht die Finanzverwalter und schon gar nicht die Moralapostel, lassen wir also den guten Willen und die kleine große Tat anerkennend stehen.
Fakt ist, dass vor den Bühnen in Brasilien tatsächlich richtig viele begeisterte Menschen der deutschen Band SCORPIONS zujubeln, was bekanntlich hierzulande schon lange nicht mehr so ist, weil sich das jugendliche Publikum längst anderen Helden zugewandt hat und die mit den Scorps in den Siebzigern groß gewordenen Fans entweder seit langem keine Rockmusik mehr hören oder von den vielen unsinnigen Auftritten Meines und Schenkers in grenzdebilen TV-Sendungen angeödet sind. Kurz gesagt ist die große Zeit dieser Band (nicht die des zweifellos geschaffenen Kulturerbes) bei uns lange vorbei, da helfen alle Beteuerungen nicht, nach wie vor eine hart rockende Volkskapelle zu sein, jeder blöde Auftritt auf irgendeinem roten Teppich bei gleichzeitiger Anwesenheit eines ZDF- oder RTL-Fernsehteams kotzt die ehemalige Basis nur noch mehr an. In Südamerika ist das anders, die Menschen dort sind noch heiß auf die Musik und wissen nichts von Meines Freundschaft mit Gerhard Schröder, da werden Always Somewhere, Holiday, mal wieder Dust In The Wind von KANSAS und sogar Wind Of Change im Unplugged-Block frenetisch mitgesungen und -gehüpft (und mit kleinen Digitalkameras festgehalten). Das wiederum macht auch dem abgebrühtesten Mitteleuropäer immer noch eine dicke Gänsehaut. Da mögen Rudolf Schenkers Hut und Sonnenbrille noch so albern wirken, wenn eine so große Halle kollektiv ausflippt, überträgt sich das immer auch auf die Musiker und den Heimseher. Dementsprechend gut ist dieses Konzert aus Recife im brasilianischen Amazonasgebiet auch geworden.
Man kann den SCORPIONS nicht absprechen, dass unter solchen besonderen und für uns exotischen Umständen immer noch grandiose Konzerte passieren können, auch wenn dazu die Hilfe von drei bildschönen Chorsängerinnen durchaus nötig ist, denn gleich vier akustische Songs im Mittelteil würden ansonsten eher zum Nickerchen einladen. Aber rocken können sie nach wie vor, wenngleich man über die Songauswahl gerne diskutieren darf. Andererseits wäre ein weiteres reines Best-of-Set komplett überflüssig gewesen.
Klar, dass außer dem böse dröhnenden Hour I vom letzten Album so gut wie alles aus jüngerer Zeit gegen die Klassiker Blackout (Schenker mit einer geradezu unfassbar albernen aber originellen Brille), Bad Boys Running Wild oder Rock You Like A Hurricane abstinken muss, diese Songs stammen aus der ganz großen kreativen Zeit der Hannoveraner mit Herman Rarebell, dem viel zu oft unterschätzten Schlagzeuger und Songschreiber. Aber der Enthusiasmus des Publikums in Amazonien hat die Routiniers so angesteckt, dass man zum ersten Mal seit Jahren wieder selbst Spaß an der Sache hat. Speziell Blackout und Big City Nights kommen so gut, dass man die alten Zeiten vor Augen hat, als ein Konzert der SCORPIONS für gute Laune und positive (Hard Rock) Schwingungen in unseren größten Hallen und bei den Festivals in Nordamerika gesorgt hat. Also etwa 1980 bis '85.
Der immer freundlich blickende Matthias Jabs legt noch eine Schippe Grinsen drauf und hat manchmal ein richtig hungriges Rockerglitzern in den Augen, Rudolf Schenker vergisst das Posen zwischendurch und rockt einfach nur, James Kottak gibt den Kraftmeier überzeugend und der Bassist Pawel Maciwoda freut sich offensichtlich noch immer über die Berufung in die Band. Zusammen mit dem überwältigenden Publikum und den einheimischen Bühnengästen, von denen Andreas Kisser, hauptberuflich bei SEPULTURA, der bekannteste ist, geht auf dieser DVD eine gute Party ab.
Doppelt erwähnenswert ist das Publikum. Die Brasilianer/innen sind nicht nur schöne Menschen, sie feiern auch anmutig und intensiv. Stocksteifer deutscher Hard Rock wird in Brasilien fast zu hüftschwingender Samba. Wir hatten im Home of Rock schon viel Spott für Klaus Meine & Co., doch diesmal haben sie ein ehrliches Lob verdient.
Zum Abschluss sind wieder alle Gäste auf der Bühne, die bezaubernden Ladies natürlich auch, und Rock You Like A Hurricane fegt herrlich erfrischend durchs Gebälk. Offen bleibt, ob die Brasilianer scharf auf einen Hurrikan sind.
Offen bleibt auch, warum der Stereo-Sound so muffig ist. Für eine derartige Produktion ist das eigentlich zu wenig. Im 5.1-Surround Modus kommt es besser, aber ebenfalls nicht perfekt. Trotzdem ist "Amazonia - Live In The Jungle" eine gute DVD.
Als Bonus gibt es knapp 25 Minuten von einem 2007er Konzert in Manaus/Brasilien, das wohl im Rahmen eines Greenpeace-Festivals stattgefunden hat. Die Bildqualität ist deutlich schlechter als im Hauptteil aus Recife, der Sound etwa gleich. Rudolf Schenker kommt hier mit - garantiert unechten - langen Haaren und sieht verdammt gut aus, die Band gibt sich vor den 40.000 Menschen in einem Fußballstadion keine Blöße und spielt sich den sprichwörtlichen Arsch ab, nur Klaus Meine nervt in Make It Real mit dem grässlichen Wort "Fandasie" gehörig. Nach all den Jahren könnte er doch bitteschön "Fantasy" richtig aussprechen.
Wirklich schlecht gemacht ist die viereinhalbminütige "Greenpeace Documentary". Anstatt ein Gefühl für die katastrophale Vernichtung des Regenwaldes im Amazonasgebiet zu schaffen, werden sinnlose Bilder zu miserablem Sound gezeigt und Herr Meine sondert Plattitüden ab wie "… es ist traurig zu sehen, dass die Natur verliert gegen die Welt der Geschäfte…". Noch schlimmer: "… hier geht es darum, diesen wunderbaren Teil der Welt zu retten, nicht nur für uns, sondern gerade für die Generationen die folgen werden" und "Man hat so ein bisschen das Gefühl bekommen, wie dieses Gleichgewicht der Natur ganz massiv durch diese Abrodung gestört wird und wir alle diesen Effekt weltweit zu spüren bekommen." Ein bisschen!
Wer für solche tiefen Erkenntnisse einen Klaus Meine braucht, hat die letzten 25 Jahre in einer Höhle verbracht. Und wer meint, dass ein paar Millionen verkaufter Schallplatten automatisch zu klugen Statements führen, der findet auch Hartz 4 und die Agenda 2010 prima. Es geht ja schließlich auch um die folgenden Generationen…
Wirklich jeden Respekt vor der Lebensleistung der SCORPIONS, und vielen Dank für tolle Platten und dieses gelungene Video aus Brasilien. Auch keinerlei Neid wegen der vielen verdienten Kohle. Aber wenn Wohlstand und Reichtum wohltätig eingesetzt werden sollen, dann bitteschön ernsthaft und nicht sprachlich auf dem Niveau der so genannten bildungsfernen Schichten. Die werden heutzutage von RAMMSTEIN verarztet.
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