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| Official Bootleg 2006, Wallbreaker Live Recording, 2005 |
| Spencer Davis |
Vocals & Guitar |
| Eddie Hardin |
Keyboards & Vocals |
| Miller Anderson |
Guitar & Vocals |
| Colin Hodgkinson |
Bass |
| Stefan Porzel |
Drums |
| Produziert von: Eckhard Gallus |
Länge: 76 Min 24 Sek |
Medium: CD |
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| 1. Somebody Help Me | 8. Spoonful |
| 2. San Francisco Bay Blues | 9. Each And Every Highway |
| 3. Love Is On A Roll | 10. Dust My Broom |
| 4. High Tide, High Water | 11. House Of The Rising Sun |
| 5. Dimples | 12. I'm A Man |
| 6. Walkin' Blues | 13. Gimme Some Lovin' |
| 7. Borderline | 14. Keep On Runnin' |
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Man versprach mir eine Sensation, bekommen habe ich Spencer Davis. Ausgerechnet Spencer Davis, den ich als Livekünstler irgendwann in den Achtzigern, möglicherweise war es 1984, abgehakt hatte, als er einen lausigen Gig im Münchner Domicil (DAS war noch ein Club!) ablieferte und sich einzig durch seine formidable Band, mit u.a. dem unfassbaren Pete York am Schlagzeug, und einer handvoll Hits über die Runden rettete - ansonsten war Beat'n'Staubschuppen angesagt. Leider ohne Uschi Nerke. Zugegeben, die Achtziger waren zu ausgemusterten Sixties-Legenden ganz besonders grausam, es war die Zeit von NDW und ADAM ANT & Artgenossen und beginnendem Yuppietum, aber Spencer Davis demontierte sich mit mäßigem Instrumentalkönnen und dünnem bis lustlosem Gesang zielsicher selbst.
Die verstreut erschienenen CDs der folgenden Jahre konnten den miserablen Eindruck nicht verbessern, die SPENCER DAVIS GROUP existierte von da an für mich nur noch als Erinnerung und Beispiel für einen der zwar unglaubliche Songs im Repertoire hatte und stets großartige Musiker um sich scharte, aber leider den Sprung in die Gegenwart nicht geschafft hat. "Im Repertoire hatte", weil Spencer Davis als Songwriter nie besonders auffällig wurde, seine größten Hits waren von anderen geschrieben und bestenfalls von ihm co-komponiert.
Spencer Davis hatte geniale Kollegen in seiner Band. Steve Winwood ist eh klar, aber darüber hinaus beschäftigte er natürlich auch dessen Bruder Muff und genannten Pete York, später Eddie Hardin oder Ray Fenwick - der in den Siebzigern immer wieder im Dunstkreis von DEEP PURPLE, genauer in der Band von Ian Gillan auftauchte -, ebenso spielten z.B. Jim Keltner, Leeland Sklar und Charlie McCracken in den verschiedenen Inkarnationen der SDG. Nicht schlecht, vor allem wenn man bedenkt, dass die Chartbreaker allesamt aus den Jahren 1965 bis 1967 stammen, also doch schon vier Jahrzehnte zurückliegen und danach der kommerzielle Zug für Davis abgefahren war. In den Siebzigern zog er sich dann auch aus dem Musikerleben weitgehend zurück und war auf der anderen Seite des Schreibtisches, als Manager bei Island Records tätig. Aber ganz aufhören kann so einer nicht, also ging er in den letzten 20 Jahren immer wieder auf Tour (man muss sich das mal vorstellen, der Mann geht seit über 20 Jahren wieder auf Tour; Zeiträume, in denen Legionen von Castingbands geklont, geboren und beerdigt werden).
Nun ist er bald 64 und eigentlich reif fürs Altenteil, aber da lässt er noch mal einen raus, der ihn zwar sicher nicht mehr in die Liga der Newcomer bringt, aber der SPENCER DAVIS GROUP ein mehr als würdiges Denkmal setzt.
Mitverantwortlich dafür ist einmal mehr Eckhard Gallus, der Wallbreaker, der einen Gig der Band in der Blues Garage in Hannover-Isernhagen im Mai 2005 in bewährter Manier mitschnitt. Immer wieder sensationell, was der Kerl mit seinen paar lausigen Mikros für astreine CDs zusammenbringt. Nach VANILLA FUDGE und BIRTH CONTROL nun also die dritte Band als Komplettaufzeichnung.
Hauptanteil hat aber natürlich Spencer Davis, der vor Jahren eine Band zusammengestellt hat, die es zusammen auf geschätzte 1.000 musikalische Projekte bringt und den alten Schlagern - natürlich NUR alte Schlager - einen mächtigen Kick verpasste.
Also die Band.
Miller Anderson an der Leadgitarre. Nur um ein paar wichtige Stationen zu nennen: KEEF HARTLEY BAND, Ian Hunter, MOUNTAIN und SAVOY BROWN, wo er mit Kim Simmonds und Stan Webb von CHICKEN SHACK einen der drei Boogie Brothers von der gleichnamigen 74er LP gab. Unter anderem hat er dafür einen meiner Lieblingssongs geschrieben: Everybody Loves A Drinking Man.
Eddie Hardin an der Hammond. HARDIN & YORK (wieder dieser sagenhafte Schlagzeuger Pete York), AXIS POINT, RENAISSANCE, Roger Glover (DEEP PURPLE), Denny Laine (die traurige Gestalt im Schatten von McCartneys WINGS) und immer wieder Spencer Davis prägten u.a. seine Karriere.
Der Bassist Colin Hodgkinson kommt aus dem "Kindergarten" von Alexis Korner. Er ist ein solches Bass-Monster, dass ihn seit jeher Jazzgrößen wie Jan Hammer engagierten, aber auch David Coverdale schnappte ihn sich für WHITESNAKE und das mittelmäßige Album "Slide It In". Nicht zu vergessen ist sein Gastauftritt auf Konstantin (Freunde nennen ihn Kokstantin) Weckers furioser Platte "Wieder dahoam" von 1986.
2005 war nicht Pete York am Schlagzeug, sondern ein gewisser Stefan Porzel. Davis' treuester Weggefährte ist seit drei Jahren nicht mehr dabei und der Franke Porzel wurde für ihn geholt. Man wagt es kaum zu sagen, er ist ein adäquater Ersatz für den Zauberer an den Trommeln, sogar sein Solo treibt einen nicht erbarmungslos an den Rand eines Schlafanfalls.
Der Nachteil solcher Direktschnitte ist natürlich, dass die Defizite einer Band schonungslos offenbart werden. So zeigt sich zum Beispiel einmal mehr, dass Spencer Davis in seinem Leben kein Robert Plant mehr wird. Muss er aber auch nicht, schließlich hat er in der aktuellen Band mit Hardin und Anderson zwei durchaus fähige Sänger für die "schwierigeren" Nummern.
Der Vorteil von Wallbreakers Liveaufnahmen ist allerdings unschlagbar: So direkt bekommt man eine Band ansonsten nur im Konzert geliefert - und die Blues Garage hat einen tatsächlich denkwürdigen Abend erlebt. Alleine wie die Band wild entschlossen mit Somebody Help Me in den Set einstieg, ist schon den Eintritt wert. Oder wie sich Hodgkinson anschließend beim San Francisco Bay Blues warm spielt... manche hoffnungsvolle Nachwuchsbassistenkarriere dürfte wegen so einem Solo aus Verzweiflung beendet werden. Straight-simplen Boogie können sie natürlich auch und Miller Anderson rutscht dabei mit dem Röllchen virtuos umher. Drei richtige Kracher zum Einstieg ist klasse, da verzeiht man gerne den einen oder anderen Blues-Schleicher, die Herren sind schließlich nicht mehr ganz die jüngsten und die gespielte Musik ebenfalls.
Die Fixpunkte der Band sind sicher Eddie Hardin, Miller Anderson und Colin Hodgkinson. Ohne Übertreibung kann man sagen, dass es eine Ehre ist, solche Könner beobachten zu dürfen. Und noch viel angenehmer ist, dass keiner von ihnen sich in den Vordergrund drängt, ganz im Gegenteil, den Nummern wird die originäre Sixties-Attitüde belassen und durch das individuelle Können und eine - glaubt es oder nicht - zeitgemäße (!!) "Verrockung" erscheint die SPENCER DAVIS GROUP beinahe wie ein junger, wilder Haufen. Höre ich mir heute beispielsweise einen Maurizio Spandre von VOODOO LAKE an, wird klar, dass Eddie Hardin und sein Hammondsound eines seiner Vorbilder ist. Maurizio ist 21 Jahre alt.
Das "Official Bootleg 2006" ist gottlob keine Oldie-Show, keine entwürdigende Schaut-her-ich-bin-schon-86-und-kann-immer-noch-gehen Rentnervorführung, dafür eine originale Rock'n'Roll- und Blues-Revue für Kenner - nicht für in Nostalgie schmachtende Hausfrauen und Chefärzte.
Diskussionen über die Setlist kann man sich sparen, persönlich könnte ich natürlich auf House Of The Rising Sun verzichten. Da Spencer Davis den Song aber nunmal seit Dekaden spielt, ist er auch hier vertreten. Genau wie die x-undachtzigste Version von Dust My Broom. Wenn schon, dann lieber von dieser Band, als beim Straßenfest von der Pusemuckel Tanz- und Showkapelle.
Recht geschickt sind die drei allergrößten Hits am Schluss platziert, I'm A Man, Gimme Some Lovin' (My Sharona von THE KNACK macht sich darin übrigens gut) und Keep On Runnin' geben dem Volk den Rest und rocken phantastisch. Spencer Davis hat sich damit unsterblich gemacht, auch wenn die Songs, wie oben bereits erwähnt, gar nicht von ihm sind und man eigentlich ganz gerne Steve Winwood noch einmal damit auftreten sehen möchte.
Tolle Scheibe. Sollte die SDG in dieser Besetzung im Jahr 2006 irgendwo in der Nähe aufschlagen, ich werde dort sein!
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