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Terry Lee Hale

Shotgun Pillowcase

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Shotgun Pillowcase
Shotgun Pillowcase, Borderdreams, 2007
Terry Lee Hale Vocals, Acoustic & Electric Guitars, Dobro, Harmonica, Synth, Glockenspiel
Chris Eckman Programming, Keyboards, Synth, Electric Piano, Organ
Ziga Golob Contra-Bass
Dalibor Pavicic Electric Guitar
Jani Hace, Tomi Popit Bass
Andrej Jakus Trumpet
Al DeLoner E-Bow Electric Guitar
Bostjan Gombac Musical Saw, Clarinet
Sergej Randelovic Percussion
Produziert von: Chris Eckman Länge: 43 Min 52 Sek Medium: CD
1. Hearts7. No Distance Left To Run
2. Big Sigh8. Evergreen
3. Glitterati9. Work Song
4. Cable Ballad Blues10. Oliva
5. He's Still Drinking11. Streets Of Stone
6. Level 20

Wenn einem der Plattendeal aufgekündigt, bzw. nicht verlängert wird, steht man zunächst etwas desillusioniert da und stellt sich selbst und unter Umständen sein künstlerisches Schaffen in Frage. Die wirtschaftlichen Interessen der verantwortlichen Firmen erdrücken, verzerren und beeinflussen zwangsläufig die künstlerische Wertschätzung des betroffenen Musikers. Die Gesetze des Marktes sind unerbittlich und unerfreulich.
Terry Lee Hales neues Album "Shotgun Pillowcase" irrlichterte unglücklicherweise einige Monate zwischen den Schreibtischen diverser Firmenbosse und fand letztlich ein Zuhause beim spanischen Indie 'Borderdreams'. Um den deutschen Vertrieb kümmern sich freundlicherweise Glitterhouse und Blue Rose, die ehemaligen Weggefährten des amerikanischen Barden.
Doch seinen alten Ansatz, den des Singer-/Songwriters im staubtrockenen Americana-Umfeld, hatte Terry Lee Hale da schon längst ad acta gelegt und sein neuestes Werk in einem runderneuerten Design angeboten. Terry Lee ließ seine Songs, will sagen die Essenz seiner Lieder, von niemand geringerem als Chris Eckman von den WALKABOUTS bzw. Chris & Carla, unter völlig neuen Gesichtspunkten betrachten. Eckman beäugte das Ganze aus einem anderem Blickwinkel. Einiges von Hales Material wurde von vornherein von Chris als untauglich verworfen. Eine bittere Pille für den Songwriter. Doch Hale schenkte Eckman sein volles Vertauen und ließ sich auf dieses spannende Abenteuer ein, stellte sich dieser neuen Herausforderung.

Erstmalig verwendet Terry Lee ein elektronisch durchwirktes Setting, arbeitet mit schrägen Klängen aus der Retorte, macht sich die technischen Möglichkeiten eines Studios zu Nutze, arbeitet mit nicht alltäglichen Hallräumen und Echos, vertraut auf den Groove eines Rhythmuscomputers, der den gewohnten Klang eines Drumsets vergessen macht und platziert mit der gelegentlichen Verwendung von Klarinette und Trompete neue Sterne am neonfarbenen Horizont. Eckman als verantwortlicher Produzent integriert quasi die eine oder andere technische Spielerei als vollwertiges Instrument innerhalb des Ensembles. Das haben schon andere Musiker wie Tom Waits, Joe Henry, Beth Orton und zuletzt auch Eleni Mandell erfolgreich praktiziert und nach anfänglichen Startschwierigkeiten erweist sich "Shotgun Pillowcase" als absoluter Volltreffer.

Anfänglich legt sich die Stirn des Hörers möglicherweise in Sorgenfalten, doch der weitschweifende Blick der verantwortlichen Künstler eröffnet dem Außenstehenden spätestens nach dem dritten, vierten Hördurchgang völlig neue Perspektiven. Man ist dann doch geneigt, von einem gelungenem Experiment zu sprechen, ein dankbares Wagnis, das dem eher traditionell ausgerichteten Terry Lee Hale wirklich gut tut. Diese Songsammlung wächst einem bei jedem weiteren Hören mehr ans Herz und lässt konventionell agierende Bands, wie z.B. die neulich besprochenen RAINRAVENS, fast schon als biedere Langweiler zurück.
Hale und Eckman bedienen sich sogar der nicht für wahrscheinlich gehaltenen Coverversion eines alten BLUR-Songs, No distance left to run. Was soll ich sagen, es passt.

"Shotgun Pillowcase" beweist einmal mehr, dass sich die verkrusteten Strukturen eines traditionellen Singer-/Songwriters mit dem entsprechend sensiblen Händchen mühelos aufbrechen lassen, dass Technik und Tradition durchaus liebevoll Hand in Hand gehen können und somit einen fast schon verloren geglaubten Akteur wie Terry Lee Hale wieder ins Rampenlicht rückt und mit hoffentlich gestärktem Selbstbewußtsein in die Zukunft blicken lässt. Ein reifer Schachzug des Duos Hale und Eckman.

Frank Ipach, (Impressum, Artikelliste), 20.02.2007

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