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| Live At The Atlanta International Pop Festival, Epic Records/Sony Music Entertainment, 2004 (03. & 05.07.1970) |
| Duane Allman |
Guitar & Slide Guitar |
| Gregg Allman |
Hammond B-3 Organ, Keyboards, Vocals |
| Dickey Betts |
Guitar |
| Berry Oakley |
Bass, Vocals |
| Butch Trucks |
Drums, Tympani |
| Jai Johnny Johnson |
Drums, Percussion |
| Gäste: |
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| Thom Doucette |
Harmonica |
| Johnny Winter |
Guitar (Mountain Jam, 05.07.1970) |
| Produziert von: Jerry Rappaport & Kirk West |
Länge: 154 Min 38 Sek |
Medium: Do-CD |
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| CD 1, 03.07.1970: | |
| 1. Introduction | 7. Hoochie Coochie Man |
| 2. Statesboro Blues | 8. In Memory Of Elizabeth Reed |
| 3. Trouble No More | 9. Whipping Post |
| 4. Don't Keep Me Wonderin' | 10. Mountain Jam Part 1 |
| 5. Dreams | 11. Rain Delay |
| 6. Every Hungry Woman | 12. Mountain Jam Part 2 |
| CD 2, 05.07.1970: | |
| 1. Introduction | 5. Stormy Monday |
| 2. Don't Keep Me Wonderin' | 6. Whipping Post |
| 3. Statesboro Blues | 7. Mountain Jam |
| 4. In Memory Of Elizabeth Reed |
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Die Musik der ALLMAN BROTHERS BAND war von Anfang an vom Blues geprägt. Bluesrock also. Sie waren sozusagen eine Cover-Band - so wie es heute den jungen Southern Bands vorgeworfen wird. That's all. Dass daraus ein 35 Jahre währender Kult wird, der die Fans heute noch zu Tränen und erhöhten Geldausgaben nötigt, hat damals wohl niemand erwartet.
Dass die ABB zum Sinnbild des Southern Rock wurde, hat andere Gründe. Die Musik war es nicht (CREAM, ZEPPELIN und andere gab es schon parallel), höchstens die Herkunft (Georgia) der Musiker. Und die Art und Weise wie sie "ihren" Blues interpretierten. Zwei Gitarren, zwei Drummer, lang ausschweifende Jams. Und außerdem war sowieso grade Hippiezeit. Trau keinem über 30 und hör nichts unter 10 (Minuten).
Vom 3. bis 5. Juli 1970 fand auf der Rennstrecke in Atlanta/Georgia das zweite "Atlanta International Pop Festival" statt. Headliner waren Jimi Hendrix, TEN YEARS AFTER, JETHRO TULL und Legenden wie SPIRIT, GRAND FUNK RAILROAD, Johnny Winter, CACTUS, B.B. King oder MOUNTAIN brachten die geschätzten hunderttausend bekifften Fans in Stimmung (insgesamt sollen sich auf dem Festival eine halbe Million Menschen befunden haben). Die ALLMAN BROTHERS waren nicht mehr und nicht weniger als ein local support act (laut Linernotes wohnten sie nur 14 Kilometer entfernt) und wurden als Opener am ersten und als Rausschmeißer am letzten Tag gleich zwei mal verpflichtet.
Die Doppel-CD ist denn auch brav auf beide Tage verteilt, es gibt Überschneidungen bei den Songs, allerdings keine Überschneidungen bei den Interpretationen dieser Songs. Die Brüder beweisen, dass man den Statesboro Blues durchaus in 2 unterschiedlichen Fassungen auf eine CD pressen kann. Vermutlich reichte die Kreativität der Band in diesen fernen Tagen auch für 5 oder 6 hochspannende Versionen.
Zum Sound kann man nur sagen, dass er für das hohe Alter ausgesprochen vital und faltenfrei klingt. Da hat Archivar Kirk West gut auf die Originalbänder aufgepasst und die wurden glänzend mit heutiger Technik aufgepeppt.
Damals wie heute beeindruckend ist das Drumming von Butch Trucks und J.J. Johnson (Johanson). Solche Percussionteppiche muss man mit Kopfhörer genießen. Noch viel mehr beeindruckend ist das Gitarrenspiel von Duane Allman. Dieser Mann bedeutet für mich viel mehr, als es Hendrix je tun könnte. Dickey Betts war damals noch jung und relativ clean, seinen Höhepunkt als Gitarrist hat er erst Jahre später erreicht. Trotzdem sind seine Soli unbeschreiblich schön und wenn die beiden zu ihren gemeinsamen Höhenflügen abhoben, kannte der Himmel im Juli 1970 ganz offensichtlich keine Grenzen.
Beängstigend ist allerdings, dass Gregg Allman bereits vor 34 Jahren beinahe so alt wie heute klang. Woher hatte dieser Mann im Alter von 23 so eine Stimme?
Die Songauswahl ist nicht sonderlich außergewöhnlich. Erst mit Track 6, Every Hungry Woman, bewegt man sich etwas außerhalb des gewohnten Schemas (erstmals auf der 98er Compilation "Mycologie: An Anthology" veröffentlicht). Vorher gibt es dreimal Blues und einmal Dreams.
Nach dieser "Warmspielphase" geht das Ding aber so richtig ab. Hoochie Coochie Man (Himmel, da kräht doch Johnny Winter, oder ist es doch "nur" Berry Oakley?) rockt höllisch, die Gitarren geben sich die Sporen, Gregg brilliert an der Hammond und die Drummer spielen um ihr Leben. Danach hat man noch eine knappe Dreiviertelstunde Zeit, um sich bei In Memory Of Elizabeth Reed, Whipping Post (wo bisher ungehörte Töne von Dickey zu genießen sind) und dem Mountain Jam ganz entspannt dem Schönklang hinzugeben (es sei aber nicht verschwiegen, dass Dickey und Duane durchaus in der Lage waren, den einen oder anderen falschen Ton zu produzieren - auf Konserve ist das halt hörbar, im Gegensatz zum live erlebten Konzert).
Der Mountain Jam wurde sinnigerweise von einem heftigen Regenguss unterbrochen und ergo in Part 1 und 2 unterteilt.
Am Festival-Schlusstag stieg die Band direkt mit Don't Keep Me Wonderin' in den Set ein und hielt sich nicht mit Muddy Waters, Willie Dixon oder sonstigen Blues-Adaptionen als Aufwärmer auf. Außer dem fetten Statesboro Blues natürlich.
Es könnte auch an den Aufnahmen liegen, aber mir kommt der zweite Set etwas "giftiger" vor. Duane lässt es noch mehr fließen, es knackt mehr, insgesamt kommt CD 2 direkter rüber. Subjektiver Eindruck vermutlich. Erwähnenswert ist natürlich noch der Bass von Berry Oakley. Hammer!
Und dann kommt Johnny Winter beim abschließenden Mountain Jam auf die Bühne und die drei Gitarren jagen durch das Universum (wobei Johnny im Mix zu kurz kommt). Mein Gott...
Zum Schluss noch ein Statement. Die ALLMAN BROTHERS haben mit "At Fillmore East" eines der mächtigsten Live-Alben aller Zeiten geschaffen. Die nun vorliegende Doppel-CD ist nur eine Momentaufnahme, hat aber wesentlich mehr Berechtigung als manche halblegale Veröffentlichung, hinter der Bootleg-Sammler wie verrückt her sind. Die Band ist im Juli 1970 noch nicht auf ihrem Höhepunkt angekommen, überragt aber in Punkto Intensität und Magie 99% aller anderen Bands. Wer im Jahr 2004 der heutigen Besetzung einen ähnlichen Stellenwert einräumt, darf dies ruhig tun. Für mich ist es ein Abziehbild und Persiflage. Über die man sich gleichwohl freuen kann, aber ihr den Vorzug vor großartigen "frischen" Bands zu geben, zeugt für mich für Versteinerung. Jede Band hat ihre Zeit und die der ALLMAN BROTHERS liegt lange zurück. Schön, dass es diese alte und für immer moderne Musik heute in bester Qualität wieder zu hören gibt.
Ich persönlich war 1970 natürlich noch zu klein und 2004 bin ich zu alt für einen 68er-Hippie, aber auch als "Zwischengeneration" kann ich diese Band genießen und lieben und hoffe, dass sich der eine oder andere junge Musiker und Fan daran "vergreift".
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