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The Barry McCabe Band

with

Davy Spillane

The Peace Within

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The Peace Within
Die CD gibt es im Home of Rock zum Hören und Kaufen
The Peace Within, Eigenvertrieb, 1998
Barry McCabe Lead Vocals, Electric & Acoustic Guitars, Slide Guitar
Davy Spillane Low Whistle, Uilleann Pipes
P.J. Curtis & Colin Boland Keyboards
Peter Bogert Hammond Organ, Piano
Simone Mesman Backing Vocals
David Snel Drums, Large African Drum, Percussion
Sean Maguire Bass, Backing Vocals
"Gangster" Hank Rap Vocals (Pick A Bale O'Cotton)
Roel Spanjers Piano, Hammond Organ, Accordion
Harry Knight Saxophone
Ramblin' Rudy Bass
Produziert von: P.J. Curtis Länge: 45 Min 48 Sek Medium: CD
1. Burrenstone Sunrise [B. McCabe / D. Spillane] (1:20)8. Kissin' In Your Sleep [B. McCabe] (4:39)
2. One Of These Days [B. McCabe] (4:29)9. You Don't Love Me [Willie Cobbs] (2:46)
3. Pick A Bale O'Cotton [B. McCabe / Trad.-Arr.] (3:34)10. Istanbul Blues [Giorgio Moroder] (4:06)
4. Interlude [B. McCabe] (0:49)11. Oh Well [Peter Green] (3:21)
5. The Emigrant (dedicated to Rory Gallagher) [B. McCabe / D. Spillane] (4:07) Ohr12. Adam & Eve [B. McCabe] (4:42)
6. The Peace Within [B. McCabe] (4:07)13. Nobody's Hero [B. McCabe] (1:58)
7. (Gotta) Let It Go [B. McCabe] (6:00)

Es kommt nicht sehr oft vor, dass man von einer Schallplatte sofort gefangen genommen wird und dies eigentlich nur, weil die von der Platte ausgehende Stimmung so faszinierend ist. Schließlich sprechen wir über ein kleines silbernes Ding und kein lebendes Wesen. Ja, früher, als wir noch Vinyl in den Händen hielten, geschah es manchmal, dass man den Eindruck hatte, dass die kleinen schwarzen Rillen wirklich leben, sich bewegen, verändern. Und wenn man lange genug der LP auf dem sich drehenden Plattenteller gefolgt ist, dann wusste man, an welcher Stelle der Sänger mit einem spricht, wo die Gitarre ihren Einsatz hat. Aber heute schiebt man ein seelenloses Ding in den dunklen Player und hofft, dass das Ergebnis wenigstens gute Musik ist.

Wir leben in einer (musikalischen) Überflussgesellschaft. Man könnte auch sagen Überflüssigkeitsgesellschaft. Es werden CDs ohne Ende produziert, offenbar hinterfragt niemand, ob weniger manchmal mehr wäre, jeder Trend wird ausgewalzt bis er dünn wie Blätterteig ist und die Resultate auf den CDs klingen entsprechend brüchig. Inhalt und Qualität bleibt zu oft auf der Strecke und selbst Viel-Hörer und -Käufer, die seit vielen Jahren hinter guter Musik her sind, fühlen sich manchmal ermüdet und häufig enttäuscht.
Logische Konsequenz: Man fühlt sich immer mehr dem so genannten Underground verpflichtet. Ich meine damit nicht irgendwelche obskuren Kapellen mit Death-Crossover-Rap-irgendwas-Lärm, sondern damit ist ein großer Teil der im Home of Rock vertretenen Bands gemeint. All die echten Musiker, die sich mühevoll aber ehrlich durchs Universum der guten Musik arbeiten.

Irland war schon immer eine gute Adresse für Stimmung, Charakter und Ausstrahlung. Ein paar Namen, die mit der Musikgeschichte untrennbar verbunden sind und dies nicht (nur) wegen exorbitanten Verkaufszahlen, sondern weil ihr Werk wegweisend war/ist: Van Morrison, Phil Lynott, Bono, natürlich the one and only Rory Gallagher.
Man muss die Musik dieser Menschen nicht unbedingt mögen (ich kann mit U2 nichts anfangen), aber sie stehen für die genannten Attribute Stimmung, Charakter und Ausstrahlung.
Und dann kommt ein irischer Gitarrist und erfindet sozusagen eine neue Musik: Celtic Blues.

Barry McCabe, Ire und Bluesrocker, früherer Leader der Band ALBATROSS (3 Livealben) und bekennender Gallagher-Fan, hat zusammen mit dem bekannten Irish Folk-Musiker Davy Spillane (zu hören u.a. auf Platten von: Kate Bush, Bryan Adams, Elvis Costello, Maire Brennan, Emmylou Harris, Van Morrison, Sinéad O'Connor, Gary Rafferty, Chris Rea und vielen anderen), einem der anerkannt besten Uilleann Pipe- und Low Whistle-Spieler, im Jahr 1998 diese CD aufgenommen. Dahinter sorgt die BMC Band plus einige Gäste für den nötigen Druck.

Die Uilleann Pipe ist die irische Version des Dudelsacks und die Low Whistle ist eine Flöte.
Oha, wird sich der Freund kerniger Rockmusik denken, das klingt eher nach eindimensionaler Schrill-Folklore als nach Rock und Blues.
Jeder der nicht auf fließbandproduzierte musikalische Wegwerfware steht, sollte sich diese CD nur ein einziges mal anhören. Der Rest wird sich von selbst erledigen und diese Platte wird den CD-Player lange Zeit nicht mehr verlassen!

Nach dem kurzen Low Whistle-Intro zieht einen zuerst der schiebende, drückende Blues One Of These Days in seinen Bann. Absolut herausragend ist die Hammond von Keyboarder Peter Bogert. Im Zusammenspiel mit der Uilleann Pipe, die nicht dominierend ist, erreicht das Stück eine Intensität, die man einem solchen, eigentlich klassisch konzipierten Blues nicht zutrauen würde.
Der Purist glaubt einem Iren unter Umständen auch nicht, wenn der singt Pick a bale o'cotton. Sollte er aber. Ein grooviger, rockender "Jump"-Blues mit afrikanischer Drum-Percussion (!), einem Rap-Mittelteil (!!) und einer gehörigen Portion Rhythm & Blues. Diese Nummer kocht!

Hinter vielen Songs dieser Erde steht "Dedicated to ...". Meistens sind verstorbene Musiker, Mütter oder Hunde gemeint. Hinter The Emigrant steht "dedicated to Rory Gallagher". Und ich glaube nicht, dass es irgendwo einen schöneren Tribut an Rory gibt. Flöte, Keyboard und akustische Gitarre zaubern in diese 4 Minuten so viel Schwermut, Sehnsucht und gleichzeitig Hoffnung (auf ein Wiedersehen?), dass man vor Ergriffenheit beinahe ein Tränchen verdrücken könnte.

Der Ire wäre nicht Ire, wenn er nicht gleich anschließend fragen würde: "Are you ready boys?". Und dann kommt ein rockender und rollender Boogie, der seinesgleichen sucht. The Peace Within hat gleichzeitig eine hinterfragende Botschaft. "What's right for you, what's right for him, what really is a sin? The only way for peace without is to find the peace within."

Phil Lynott hat einige sehr schöne Balladen geschrieben. Ich weiß nicht warum, denn es gibt an sich keinen wirklichen musikalischen Grund, aber (Gotta) Let It Go erinnert mich an Thin Lizzy.

Uilleann Pipes, eine schöne Melodie und ein Southern Rock-taugliches Gitarrensolo. Mehr kann man über Kissin' In You Sleep kaum sagen. Es ist die Magie des spezifischen Gitarrensounds von Barry auf diesem Album und die ungewohnte Klangfarbe des Dudelsacks, die solche Nummern aus dem Meer guter Songs auftauchen lassen. Beim Standardblues You Don't Love Me ist es zur Abwechslung die Hammond, die einfach mehr daraus macht, als eben nur eine weitere Version.

Wer kennt Giorgio Moroder nicht? Der "Erfinder" des so genannten Munich Disco Sounds (es gibt tatsächlich noch mehr Dinge außer Moosi und dem Kaiser, auf die wir Münchner nicht stolz sein können), der "Schöpfer" von Donna Summer (Love To Love You Baby) und Komponist vieler Soundtracks ("Flashdance", "American Gigolo" etc.).
Einer dieser Filme hieß "Midnight Express" und diesem Soundtrack hat Barry McCabe den Song Istanbul Blues entnommen. Ich kenne das Original nicht, aber Barry sagt selbst: "We put a lot more balls into it...". Ich kann mir den Synthesizer-Popanz Moroder beim besten Willen nicht mit Slide Guitar-Power, Hammond, röhrendem Saxophone und einer solchen Wucht vorstellen. Ein Bluesrocker erster Güte, bei dem Barry's Stimme an meinen Liebling Jackie Lynton erinnert.

Noch eine Coverversion: Oh Well, die alte Peter Green-Nummer. Fängt originalgetreu an, die Gitarre rockt und der Zug kommt in Fahrt. Aber dann tauchen wieder die Uilleann Pipes von Davy Spillane auf und man hat einen vorher nie gehörten Eindruck dieses, inzwischen doch recht oft strapazierten Jahrhundertsongs.
Und um das Gänsehauterlebnis komplett zu machen folgt mit Adam & Eve eine der schönsten Balladen, die ich in den letzten Jahren gehört habe. Piano, Accordion und Gesang. Mehr braucht es nicht.

Das Low Whistle-Outro beschließt diese einmalige CD. Ein Meisterwerk!

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 13.07.2002

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