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The Brimstone Solar Radiation Band

Solstice

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Solstice
Solstice, Big Dipper Records, 2005
R. Edwards Acoustic & Electric Guitars, Sitar, Bouzouki, Lead Vocals
Oyvind Gronner Piano, Rhodes, Pump Organ, B3, Additional Keyboards, Congas, Vocals
Biff Bass
Erling Halsne Juvik Acoustic & Electric Guitars, Mandolin, Banjo, Lap Steel, Keyboards, Backing Vocals
Thomasar Drums & Percussion, Breathing & Laughter
Gäste:
Oystein Fosshagen Violin
William Hut Backing Vocals
Bjarte Ludvigsen Noisemaker, Keyboards
Produziert von: The Brimstone Solar Radiation Band & Blue Länge: 45 Min 28 Sek Medium: CD
1. Back In The Days6. Neon Darkness
2. If Man Is Still Alive7. Brimstone For Sale
3. Norwaii Five-O8. Back In The Days II
4. The Spirit Of The Airborne Hogweed9. Where Is Your Love
5. Under The Gaze Of Gods

G'spinnerte Norweger. Würde der Bayer an sich sagen. Aber die hier sind besonders versponnen. Alleine schon der Name, au weh, Boygroups heißen anders. Saublöd nur, dass wir es einmal mehr mit einem Grüppchen talentierter Spacerocker zu tun haben, die die Begriffe "Wohlklang", "Melodie" und "Rock" verinnerlicht haben.
Sagen wir es gleich im Klartext: THE BRIMSTONE SOLAR RADIATION BAND hat ihre Lektion PINK FLOYD gelernt. Punkt. Auch nicht unbedingt der Stil, der heutzutage der angesagteste wäre, aber sicher ist, dass man mit solchen Klängen bis in alle Ewigkeit wie der Rattenfänger aus Dingsda generationen- und geschmacksübergreifend Publikum abgreifen kann. Sie werden alle drauf reinfallen und sich den Klangwolken hingeben.

Allerdings hat man bei FLOYD wohl nie so exotische Instrumente wie Bouzouki, Banjo, Mandoline oder Lap Steel Gitarre gehört. Das, und ein paar weitere Zutaten, macht "Solstice" nämlich äußerst spannend. Wenn dann gar eine Geige höchst folkrockig soliert und sich der zugehörige San Francisco-Hippiesound gleich im Anschluss plötzlich auflöst in einen zupackenden Rock-Kracher, wird Otto Normalhörer möglicherweise verwirrt innehalten. Oder er merkt gar nicht, dass die Band so geschickt verschiedene Versatzstücke zusammenbastelt, dass er einfach mitgerissen wird.
Nun sind wir ja nicht Otto Normalhörer, wir gehen an Musik jederzeit analytisch und mit fundierter Fachkenntnis heran. Haha, wir lassen uns nicht übertölpeln von ein paar erprobten Tricks aus der Spätsteinzeit des Rock & Roll. Seltsam nur, dass wir plötzlich doch den Takt auf der Sofalehne trommeln. Jedenfalls bis zum nächsten Break, der nächsten Abzweigung. Der Kenner wird natürlich sofort die geklauten Bausteine erkennen. Allerdings wird er auch anerkennen, dass jedes einzelne Teilchen genau passend in die kompliziert vereinfachte Architektur der Songs eingebaut wurde. Und schwupps, schon ist das Ergebnis gar nicht mehr kompliziert, sondern ganz simpel und einfach: Wunderschön.

Vordergründig prägt ein gewisser R. Edwards mit Gitarre und Stimme die Songs. Das macht er supersympathisch und virtuos - manches Solo scheint aus dem Lehrbuch für Harmoniendealer zu stammen. Allerdings hält er sich nicht die Bohne an die vorgegebenen Regeln. Er streut mal da ein Country-Lick ein, dort einen witzigen Schüttelreim und dann wieder einen Gesangsbogen vom imaginären BEACH BOYS-Surfbrett. Tricky.
Aber dann kommen auch gleich die verschiedenen Tasteninstrumente. Kirchenorgel, Hammond, Rhodes, alles da für den Prog-Fan. Allerdings nie in Wakeman'scher Tradition bis zum Überdruss breitgenudelt, sondern allzeit in durchaus Pop-kompatibler Form - also an-hör-bar. Progressiver Anspruch plus Melodieverständnis gleich "Solstice" lautet die Formel. Wann immer die Violine dazustößt, fühlt man sich an Bands wie JEFFERSON AIRPLANE oder die leider vergessenen EAST OF EDEN erinnert, jedoch wesentlich unanstrengender.
Altmodisch ist "Solstice" in jedem Fall. Die gesamte Konzeption des Albums ist retrospektiv ausgerichtet. Dazu kommt der sehr direkte, fast ungeschönt erscheinende Sound. Sozusagen fertig für die Bühne.
Einen Extra-Bonus gibt es für den Text von Brimstone For Sale. Eine sehr witzige Abhandlung über Vermarktungsmechanismen .

Insgesamt ist "Solstice" ein faszinierendes Panoptikum progressiver Rockmusik. Keine über-intellektuelle Akrobatik, keine stressigen Versuche die Geduldsnerven des Hörers zu testen, einfach Musik, die geerntet wurde wie sie gewachsen ist. Schön!

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 28.10.2005


 
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