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Tonight The Midway Shines

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Tonight The Midway Shines
Tonight The Midway Shines, Mayan Records, 2005
Tommy Gleeson Vocals, Rhythm Guitar
J Thomopoulos Drums
Toshi Ogawa Bass
Rob Willis Lead & Rhythm Guitars
Länge: 48 Min 12 Sek Medium: CD
1. Sex7. Pressure
2. Left Of Centre8. Jessica
3. Replica9. Air
4. KO10. Breaking America
5. Crash & Burn11. Severed
6. Swallow Me12. The Real World

"Wer issn des?" "The Ga Ga's aus England." "Gagas... mmmh, ois klar. De Gagas, oder?" "The GA*GA*S! Mit Sternderl zwischen den Ga's und einem The vornedran." "Dene auf da Insel foid a überhaupts nix mehr ei."
Der bayrisch sprechende Zeitgenosse ist mein alter Freund Harvey, bekannt aus vielen gemeinsamen Sessions bei Wein und Gesang, beliebt als ausgesprochen zänkischer Dauernörgler und Neuem verschlossen wie Stoiber der Anerkennung von Wirtschaftsflüchtlingen aus Nordrhein-Westfalen.

Aber was soll man über eine Jungspundkapelle wie diese THE GA*GA*S schon auch sagen? Der Sänger sieht aus wie ein schwindsüchtiger Rennhund, das Durchschnittsalter dürfte bei ca. 21 ¾ Jahren liegen und die bisherige musikalische Gesamtleistung beschränkt sich auf eine EP, eine Single, die Bekanntschaft mit Ginger von den WILDHEARTS, ein paar Dutzend Gigs im Königreich und jetzt also diese erste Komplett-CD. Für einen Lifetime-Award bei der nächsten Grammy-Verleihung reicht das noch nicht.
Allerdings brauchen die Briten bekanntermaßen alle 4 Wochen einen neuen Hype und den haben sie mit "Tonight The Midway Shines" und der zugehörigen ersten Single Sex einmal mehr routiniert hingekriegt (der KERRANG feiert die Band wie wild ab und liefert auch die Begründung für den Namen). Sex chartete bei der B.B.C. auf Platz 5 und das Album immerhin auf #19. Es gab schon eindrucksvollere Newcomer - schaudernd denkt der Kontinentaleuropäer zum Beispiel an THE DARKNESS - aber eben auch ungezählt mehr Totalflops.

Und was kann man über die Musik vermelden? Nett sind sie, die GA*GA*S. Aber warum man sich diesen bescheuerten Namen geben musste, ob darin gar Ironie versteckt ist (vielleicht wegen dem obligatorischen The oder weil's so gaga ist oder weil man einen amerikanischen - wie exotisch - Slangausdruck verwendet), ob die Band eine Band ist oder nur ein weiteres kurzlebiges Retortenprojekt, ob die Fähigkeiten als Songwriter ausbaufähig sind, ob Sänger Tommy Gleeson für den Rest seines Lebens so "normal" klingt... all das wissen wir nicht. Es ist einmal mehr eine Mischung aus Street-Rock'n'Roll, etwas Sleaze, ein wenig Pubertäts-Punk, etwas Alternative und einem Spritzer Grunge. Eben all die Einflüsse, die eine so junge Band heutzutage hat, wenn sie nicht aus unerfindlichen Gründen irgendwelchen anderen Trends oder Retrobewegungen anhängt.

In manchen Teilen klingt "Tonight The Midway Shines" etwas zu glattgebügelt und konstruiert, vielleicht auch überproduziert, die eine und andere altersgemäße Kante würde gut tun und könnte vielleicht ein paar Leute er- oder wenigstens aufschrecken - die eingestreuten F***-Worte erzürnen keine Oma mehr. Andererseits haben die vier Buben durchaus ein Händchen für Melodien (KO beispielsweise hat das Zeug zu einem astreinen Mainstream-Rockhit) und eine angenehm unaufdringliche Art der Präsentation. So richtig kick-ass, wie die Ankündigung verspricht, oder "the re-birth of rock'n'roll" (nochmal Kerrang) sind sie allerdings nicht. Just a solid peace of rockmusic.

"Gagas... a ordentliche Band nennt se The Kinks, The Who oder The Led Zeppelin oder wenns aus Bayern san De Biermösl Blosn." Ist recht, Harvey, wir zwei gehen jetzt in the nächste Wirtschaft und trinken ein Bier.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 15.05.2005

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