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Royal Orleans

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Royal Orleans
Royal Orleans, Eigenvertrieb, 2006
Jeff Moss Dobro, Acoustic Guitar, Vocals
Troy Moss Mandolin, Electric Guitar, Vocals
Kavin Dale Bass
Dave Smith Drums
Gäste:
Billy Moss Acoustic Guitar & Backup Vocals (Collard Greens)
Joe Riggio Acoustic Guitar (Cajun Waltz)
Tony Hauenstein Keyboards & Backup Vocals (A Little Lovin' & Plantation)
Produziert von: Joe Riggio, Kevin Dale & The Moss Brothers Länge: 35 Min 47 Sek Medium: CD
1. Cottonmouth Country6. Plantation
2. Red Clay Road7. Royal Street
3. Southern Son8. Cajun Waltz
4. A Little Lovin'9. Collard Greens
5. Harper's Creek

"Southern harmony, love and family, is all you need" steht im Cover der CD "Royal Orleans". Das ist ja mal wieder ein wunderbar verkürztes Weltbild einer typisch amerikanischen Band, die ihre Platte natürlich der Stadt New Orleans widmet und für die Opfer des Hurrikans (und hoffentlich derer Bushs) betet. Wäre da nicht der Name MOSS BROTHERS BAND, der Kritiker könnte gelangweilt abwinken und zu wichtigen Dingen greifen.
Moss? Verwandt mit DEM Billy Moss von REBEL STORM? Yes, Sir! Jeff und Troy Moss, die beiden kurzhaarigen Brüder des geilsten Gitarristen seit dem jungen Dave Hlubek (von mir aus kann man auch Duane Roland nehmen) sind hier am Werk. Und wer bisher gar nichts oder nur klanglich lausige MP3s von dieser Brothers-Band gehört haben sollte, darf jetzt bitte ganz genau aufpassen.

Erstens gibt es mit den unvergleichlichen und soeben wiederauferstandenen REBEL STORM nur vier temporäre Berührungspunkte: Den Song A Little Lovin' vom Album "The Hard Way" in einer wunderschönen Akustikversion, außerdem Billy Moss als Gast an der akustischen Gitarre und mit seiner eindeutigen Stimme bei Collard Greens, Joe Riggio als Co-Produzenten, und die Tatsache, dass Troy Moss ebenfalls schon mit R.S. tätig war.
Zweitens hat die MOSS BROTHERS BAND tolle Arbeit abgeliefert. Und zwar Arbeit, die arbeitende UND fühlende Menschen anspricht. Ja ja, auch LYNYRD SKYNYRD sprechen immer von "working man's music" etc. blabla, aber das muss man denen schon lange nicht mehr abnehmen. Jeff und Troy und die beiden anderen Kerle in der Band sind da weitaus authentischer, denn sie leben keinesfalls das bestens ausgestattete und von Aufenthalten in Entwöhnungskliniken geprägte Leben eines Johnny Van Zant oder das der Rossingtons. Aber sie spielen und singen mindestens so schön wie die alten Männer mit dem Legendenstatus.

Nicht verwunderlich, dass "Royal Orleans" seinen ganzen Zauber erst beim zehnten oder siebzehnten Durchlauf entfaltet, denn vordergründig rockt das Ding nicht sonderlich. Viele akustische Gitarren, Dobro, Mandoline und freundlichste Melodien bestimmen das Hörbild. Dazu die Texte, die sich für Nicht-Südstaatler in ihrer Heile-Welt-Attitüde haarscharf am Abgrund zum Schmalz bewegen. Aber wie schön das doch alles tönt und groovt! Haben wir nicht alle ein bisschen Wohlklang und Rast vom tagtäglichen Schwachsinn verdient? "Royal Orleans" entpuppt sich tatsächlich als kleine Wellness-Oase mit unbändigem Wohlfühlfaktor, trotzdem die Musik stockkonservativ ist, sich irgendwo im Windschatten der bereits erwähnten SKYNYRD, der frühen A.R.S., mancher jüngerer Country-Aktivisten oder auch ausgewiesener Bluegrass-Traditionalisten umher treibt. Nein, so spektakulär wie Brother Billy sind Jeff und Troy nicht, dafür ist ihr Erstling allerdings deutlich besser produziert als seinerzeit die erste des harten Bruders. Schon wieder diese blöden Vergleiche, man sollte das schnell vergessen, THE MOSS BROTHERS BAND ist eine ganz eigene Geschichte. Versteht das doch endlich, ihr Schreiberlinge.

Highlight ist, neben A Little Lovin', Collard Greens, alle anderen Nummern fallen nicht nennenswert ab, was allerdings bei der knappen Spielzeit von nur gut 35 Minuten auch fatal wäre. Wenn es dezent rockiger wird, stecken die Herrschaften knietief im Sumpf von Louisiana und wippen lässig mit den Wipfeln der swingenden Mangrovenbäume im Wind (hoffentlich sind das auch Mangroven auf dem Coverbild, man ist ja kein Botaniker), ansonsten bestimmt die pure Lust an der Schönheit des Lieds das Geschehen.
Wenn es etwas zu bemängeln gibt, dann vielleicht das Fehlen eines echten Überfliegers. Ein knackiger Kracher, der ganz ohne Romantik direkt aufs Ohr haut. Macht aber auch nichts, next time dann.
Bald ist Sommer, und ihr dürft diese CD umgehend für die ersten Abende am Grill einpacken. Ab 23 Uhr wirkt "Royal Orleans" besonders gut. Hab's getestet.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 18.03.2007

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