|
CD-Review:
|
![]() |
|
|
|
Sollte man sich jetzt auf das neue Opus der WHO freuen? Ich schätze, ich war nicht der einzige, der der Veröffentlichung von "Endless Wire" ein wenig skeptisch gegenüberstand. Was mag nach 24 Jahren Plattenpause (letzte Veröffentlichung 1982, "It's Hard") in Townshends Komponistenkopf herangereift sein? Seine Solo-Outings der letzten Jahre zumindest erschienen wenig prickelnd. Dann schockte zudem noch John Entwistles Tod im Juni 2002. Die Kinderporno-Attacke, ach, vergessen wir es lieber... Und "Endless Wire" bietet in der Tat eine Diskussionsbasis. Wann hat Pete Townshend zuletzt so gute Songs geschrieben? Wann hat eine WHO-Platte zuletzt so gut geklungen? Wann hat Roger Daltrey zuletzt so gut gesungen? Irgendwann in den Siebzigern schätzungsweise. In all diesem Mini-Opern-Überschwang hab ich jetzt glatt vergessen, auf den ersten Teil dieses alles in allem sehr zufriedenstellenden Albums einzugehen: "Endless Wire" beginnt unverschämterweise mit einer Baba O'Riley-Reminiszenz. Da dudelt uns doch tatsächlich die kleine Schwester dieser guten alten Synthie-Sequence entgegen, ehe uns Pete ein paar Trademark-Townshend-Gitarrenakkorde entgegenschmettert. Das Warten hat sich also gelohnt. Viele Höhepunkte, kaum Ausfälle. Wir sollten froh sein, dass uns Townshend und Daltrey noch einmal so ein feines Album wie "Endless Wire" beschert haben. In meiner persönlichen Rangfolge würde ich diesen Neuling ganz spontan direkt hinter "Who's Next" und "Quadrophenia" einreihen. Doch lassen wir dem Album noch ein wenig Zeit zu reifen. Frank Ipach, (Impressum, Artikelliste), 25.10.2006
Weihnachtsfrieden? Pffft. Komm her, du missratener Kommerzengel, dann kriegst du eine gescheuert, dass dir die angepappten Flügel abfallen. Wer hat dir denn ins Ohr geflüstert, dass die Welt unbedingt ein neues Album von THE WHO unterm schändlich gemeuchelten Tannenbaum haben will? Du Osterhase, du zusammengeschusterter. Vermutlich hast du dem Daltrey auch noch den Schnaps gegeben, der in so abgefuckt klingen lässt wie auf In The Ether. Und überhaupt, Roger Daltrey. Bitte, wer will diesen alten Mann krächzen hören? Roger Daltrey gab früher doch den immerjungen Beau, der mit blondem Wallehaar jedes Rockhorse geritten und vor Urzeiten etwas von "hope I die before... die Monatskarte verfällt" geshoutet hat - was selbstverständlich nicht wörtlich zu nehmen war, aber wenn sogar die wildesten der Wilden heute wie Schwiegermamas Lieblinge klingen, muss etwas schiefgegangen sein. Keinesfalls ist es der stimmlich offenbar schwer gebrechliche und intonationsschwache Chansonier aus dem Song Trilby's Piano - falls das absichtlich so wackelig gesungen ist, entgeht einem der Hintersinn der Sache. Niemals ist das der selbe Mikrophonschwinger. Aaaah, gottseidank, es ist ja Townshend, der bei diesen beiden Fehlschüssen röchelt. Als wir 1978 vor dem Plattenspieler saßen und "Who Are You" lauschten, erkämpfte sich eine ziemlich erwachsene Band mit etlichen überwältigenden Kompositionen, durchgehender Geschmackssicherheit und Keith Moon am Schlagzeug zum letzten Mal einen Punktsieg gegen die nachrückende Flut der juvenilen Krawallbrüder. Nebenbei wischten sie die Versuche anderer Dinosaurer wie LED ZEPPELIN ("In Through The Out Door" rohrkrepierte ein knappes Jahr später) oder der STONES (mag sich noch jemand an das Disco-Gequietsche auf "Some Girls" erinnern?) zwar nicht mit Leichtigkeit aber mit Bravour vom Tisch. Doch dann kam es zu jenem verhängnisvollen Fehler, den Page und Plant zum Glück nie begannen haben: THE WHO lösten sich nach Moons letztem Schluck aus der Flasche nicht auf und persiflieren sich seitdem in unregelmäßigen Abständen auf den bestbezahlten Bühnen der Welt immer und immer wieder selbst. Man muss eines klarstellen: Stände "Endless Wire" unter dem Namen THE TOWNSHEND DALTREY PROJECT im Laden, niemand dürfte sich darüber aufregen. Im Gegenteil, vielleicht sogar freuen, denn Townshend sind einige wirklich schöne Songs gelungen und unter anderem Banner wären die Eigenplagiate aus der Vergangenheit direkt amüsant. Aber will man von einer THE WHO-Rumpfband gestelzte Versatzstücke aus Who Are You, Baba O'Riley oder Won't Get Fooled Again hören? Was kann man Townshend vorwerfen? Dass er nicht endlich aufhört vielleicht. Dass er nicht mehr hören kann, dass die Welt sich seit seinen unsterblichen Großtaten weiterentwickelt hat - wobei seine Taubheit wirklich bemitleidenswert ist. Dass "Endless Wire" den WHO nicht gerecht wird. Dass er mit diesem Projekt dem Untergrund Kaufkraft entzieht. Und, am schlimmsten, dass dem ewiggestrigen Konsumenten nicht endlich der Garaus gemacht wird. Andererseits..., vielleicht kann er der Welt doch noch etwas geben. Das ansonsten eher mühsame Fragments Of Fragments taugt wenigstens als Soundtrack für die Schwangerschaftsgymnastikgruppe. "Breathing out, breathing in..." Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 25.12.2006
|
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
|