|
|
| Rockin' The Blues, Eigenvertrieb, 2002 |
| Steve Lauer |
Guitar |
| Kevin Kirk |
Vocals |
| Stefan Kratofil |
Bass |
| Torsten Langhammer |
Drums |
| Produziert von: Steve Lauer |
Länge: 41 Min 35 Sek |
Medium: CD |
|
 |
 |
| 1. Revolution | 5. One Way To Be Blue |
| 2. Nitty Gritty | 6. Captain Kidd |
| 3. Sweet Sugar | 7. Evil Woman |
| 4. Message Of Love | 8. Angel Of Mercy |
 |
Sonntagmorgen, halb 7. Der unermüdliche Rock & Roll-Berichterstatter sitzt vor seinem Computer, bearbeitet Artikel der Kollegen und liest den einen oder anderen Bericht aus den letzten Tagen. Damit die katholische Nachbarschaft nicht gestört wird, hört man die Guten-Morgen-Musik über Kopfhörer. VOODOO CHILEs erstes Studioalbum "Rockin' The Blues" in der Vorabversion. Der Gitarrist behauptet standhaft, da wären noch soundtechnische Verbesserungen zu machen. Soso.
Der Berichterstatter liest ein Review über die Band GOETHES ERBEN.
Er liest "Ich bin das Fleisch auf dem Gabentisch der Macht!" und "Sie fressen sich in sie hinein, schneiden mal fein wie ein scharfes Skalpell, oder schlagen mit der Gewalt einer Streitaxt zu" und gleichzeitig groovt aus den Kopfhörern der Song Nitty Gritty.
Und das ist der Moment wo sich Augen und Ohren trennen, sich quasi vom Körper lösen und die ganze Rock-Schizophrenie in einem Moment klar und deutlich wird. Die einen quälen sich mit der unerträglichen Leichtigkeit der Schwermut ab und die anderen bringen dich noch vor der Frühmesse zum Rocken und Stampfen.
You're never alone with a schizophrenic - und als wir uns dessen bewusst werden, sitzen wir beide also Sonntags um dreiviertel 7 vor dem PC und lachen uns scheckig. Rock & Roll macht zwar auf Dauer etwas blöde, aber nicht einsam.
Da ich/wir lieber schenkelklopfend Spaß habe/n, als mehr oder weniger depressiv der Paradoxen Stille zu lauschen, wird ab sofort über Blues und Rock geredet. Harvey hat Pause...
VOODOO CHILE kommen aus Franken, nur der Sänger Kevin Kirk stammt aus Arkansas. Mainman und Gitarrist Steve Lauer ist in der bayrischen Bluesszene kein Unbekannter, treibt sich schon etwas länger rum und ist nebenbei auch noch Repräsentant für die Gitarrenmarke Paul Reed Smith.
Erst Ende letzten Jahres kam die erste Live-CD auf den Markt. 10 Songs, Cover von Hendrix, SRV, Doyle Bramhall, Robin Trower und anderen Bluesrockern. Und das in einem wahrhaft exzellenten Sound und feiner Aufmachung. Überraschend also, dass die Band schon wenige Monate danach ihren Studio-Erstling mit eigenen Songs nachschiebt. Aber der hat es in sich.
Keine Frage wo die Roots liegen. Bei Jimi natürlich. Das ist nichts Verwerfliches, denn bei Jimi haben so manche Rocker ihre ersten Erlebnisse gehabt...
Interessant ist immer die Frage, was macht eine Band daraus. Logisch, eine Revolution (klasse Opener) ist solche Musik heute nicht mehr. Aber wenn man sie derart locker, lässig, perfekt und trotzdem nicht steril und sklavisch am Original festhaltend rüberbringt, dann springt der Funke über.
Auf dieser CD bedeutet das: Erstklassiger Gesang zwischen Blues, Rock, Shuffle, Funk, modernem Rock (und den Elvis kann er auch), Shouting und klassischem Message Of Love-(Sprech)gesang, es bedeutet auch eine absolut "tighte" Rhythmusgruppe und vor allem eine Leadgitarre, die immer und überall den Ton angibt, ohne zu nerven und sich trotzdem in den vorher genannten (trüben) Gewässern (Blues, Shuffle, Rock etc.) tummelt.
Songs wie Evil Woman treiben, grooven, knallen, zeigen, dass es jenseits von banalen Bluesschemata auch noch ein Leben gibt. Mann ist das stark. Angel Of Mercy, beispielsweise, wickelt den Hörer mit einem hypnotischen Bass-Groove ein, darüber die zauberhaftesten Gitarrenspielereien und plötzlich legt das Ding los, dass einem Hören und Sehen vergeht. Songwriting nennt man so was!
Und dann gibt es auf dieser CD natürlich noch den Übersong: Nitty Gritty. Siebeneinhalb Minuten lang und man hofft, dass es noch Stunden weitergeht.
Es gibt im Leben eines Rockfans immer einige Songs, die richtig wichtig sind. In meinem sind es beispielsweise Free Bird, Bad Motor Scooter, The Jack, Sailor oder Wine, Women And Song. Nitty Gritty gehört ab sofort dazu. Get on the boogie train und lass dich treiben... ins Land der Gitarren und des nie endenden Groove.
Let the good times roll!
Sagt uns die Meinung zu diesem Artikel oder ergänzt oder verbessert ihn:

|